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AMSOC: Durch Patenschaft Verlässlichkeit und Stabilität bieten

Experte
Angela Kern-Welsch Angela Kern-Welsch
15. Januar 2016
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Kindern psychisch erkrankter Eltern fehlen in Krisenzeiten oft die nötige Verlässlichkeit und Stabilität innerhalb der Familie. Hier hilft ein Verein in Berlin-Charlottenburg. Er bietet Unterstützung durch ehrenamtliche Paten – sogenannte Verlässlichkeitsgeber. Einer dieser Paten ist Stephan Häsing. Wir besuchen ihn und sein Patenkind Samy.

Stephan Häsing und Samy sitzen in einem gemütlichen Eckzimmer einer großen Altbauwohnung. Vom Fenster aus sieht man den Feierabendverkehr auf dem Kaiserdamm. Hier kreuzen die Autobahn, die S-Bahn und die Güterzüge. Viel mehr Verkehr geht auch in Berlin nicht.

Stephan und Samy sind Pate und Patenkind im Rahmen einer besonderen Initiative des Vereins AMSOC, Ambulante Sozialpädagogik Charlottenburg. Das AMSOC Patenschaftsprogramm ist ein Hilfsangebot für Kinder, deren Eltern psychisch erkrankt sind. In Lebenssituationen, in denen die Eltern ihre Rolle nicht angemessen ausfüllen und die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht ausreichend wahrnehmen können, steht den Kindern ein Pate als Bezugsperson zur Seite. Das entlastet die Eltern und bietet ihren Kindern die benötigte Verlässlichkeit und Stabilität.

Im Kalender fest gebucht 

Stephan Häsing (52) arbeitet als Controller bei Vattenfall in Berlin. Gemeinsam mit seinem Lebensgefährten, der ebenfalls Stephan heißt, betreut er seit drei Jahren die heute 17 Jahre alte Samy. Jeden Mittwochnachmittag treffen sie sich für gemeinsame Unternehmungen. „Das ist in meinem Outlook fest durchgebucht“, erklärt Häsing und wirkt dabei ziemlich entschlossen. An diesem Mittwoch wollen sie Eislaufen. Samy grinst und man erkennt, dass sie das Vorhaben nicht unbedingt schon Eislaufen nennen kann. Stephan Häsing schmunzelt, denn er errät ihre Gedanken und sagt: „Wir sind aber schon besser geworden!“

Paten geben Stabilität

Samys Mutter leidet unter Depressionen. Das macht es ihr sehr schwer, sich immer so um Samy und ihre sechsjährige Schwester zu kümmern, wie sie das gern tun würde. Als Pate fungiert Stephan Häsing hier als Entlastung. Samy hat mit den beiden Stephans zwei Menschen, die sie kennt und regelmäßig sieht. Und genau das ist das Prinzip des Patenschaftsprogramms: Im Krisenfall, wenn die betroffenen Eltern auf stationäre Hilfe angewiesen sind und sich mitunter wochenlang nicht im ihre Kinder kümmern können, sind die Paten zur Stelle und verhindern, dass die Kinder wegen der Krankheit ihrer Eltern vollständig aus ihrem Alltag herausgerissen werden.

Denn Kinder, deren Eltern schubweise psychisch schwerwiegend erkranken, können immer wieder Beziehungsabbrüche erleben. Dann kümmern sie sich um ihre erkrankten Eltern, anstatt selbst von ihnen versorgt und angeleitet zu werden. Allein dadurch sind sie erheblich gefährdet, selbst zu erkranken. Dass in solchen Situationen den Kindern eine verlässliche Bezugsperson zur Seite steht, ist ein großer Schutzfaktor für ihre gesunde emotionale Entwicklung.

Mitgefühl, Zeit, Verlässlichkeit

Stefan Häsing mit Patenkind Samy freuen sich mit den AMSOC Koordinatorinnen Sabrina Döring (mi) und Angela Kern Welsch (r.)

v. li. Stephan Häsing und Patenkind Samy gemeinsam mit den AMSOC Koordinatorinnen Sabrina Döring und Angela Kern-Welsch, Foto: Vattenfall

Häsing ist auf das AMSOC Programm in der U-Bahn aufmerksam geworden. „Hast Du Zeit für mich“ stand da auf dem Plakat mit dem Bild eines traurig dreinblickenden kleinen Jungen. Stephan Häsing hatte Zeit und den festen Willen, einem AMSOC Patenkind davon etwas abzugeben. Der feste Wille ist tatsächlich wichtige Voraussetzung dafür, Pate zu werden. So muss jeder zunächst eine Patenausbildung durchlaufen, um für die psychologisch und sozial herausfordernde Aufgabe gerüstet zu sein.

Für Häsing war die Ausbildung zum Paten ein ziemliches Kontrastprogramm zu seiner Arbeit bei Vattenfall. „Sich nach der Arbeit noch Wollknäule zuzuwerfen …“, er muss den Satz nicht beenden. Aber – um Pate zu werden, war er bereit, eine andere Welt zu betreten. Angela Kern-Welsch, Koordinatorin im Patenschaftsprogramm erklärt, worauf es bei den Paten ankommt: „Sie müssen Empathie für die Kinder aufbringen, Zeit haben und bereit sein, ihr Handeln zu reflektieren“. Ob Paten als klassische Familie zusammenleben, spielt dagegen keine Rolle. „Wir haben auch homosexuelle Paare und Alleinstehende als Paten“, betont sie. Verlässlichkeitsgeber gibt es in jeder Form des Allein- oder Zusammenlebens.

Jede Hilfe ist willkommen

Verlässlichkeitsgeber kann man nicht nur als Pate werden. Eine finanzielle Unterstützung ist eine ebenso große Hilfe, um das AMSOC Patenschaftsprogramm am Laufen zu halten, denn es finanziert sich ausschließlich aus Spenden. So konnte Stephan Häsing auch seinen Arbeitgeber Vattenfall überzeugen, dem Verein mit einer Spende unter die Arme zu greifen. Mit 5.000 Euro wird nun die Patenschulung gefördert und die Betreuung der Paten während ihrer Aufgabe weiter ausgebaut.

Angela Kern-Welsch von AMSOC ist dankbar für jede Art von Mithilfe: „Wir hoffen, dass sich viele weitere engagierte Menschen finden, die bereit sind Paten zu werden oder unsere Arbeit finanziell zu unterstützen.“ Wer sich mit dem Thema näher beschäftigen möchte, findet umfangreiche Materialien auf der Website von AMSOC.
Darüber hinaus beantworten Angela Kern-Welsch und Sabrina Döring Ihre Fragen gern auch per E-Mail: kontakt@amsoc-patenschaften.de

Angela Kern-Welsch
Experte
15. Januar 2016

Als Sozialpädagogin habe ich mehrjährige Erfahrungen in verschiedenen Beraterfunktionen sowie in der Personalentwicklung erworben, die ich in meiner freiberuflichen Dozententätigkeit bei Amsoc-Patenschaften seit November 2013 wunderbar mit einfließen lassen kann. Die Hilfe für Kinder kranker Eltern - außerhalb staatlicher Hilfesysteme – ist der Focus unserer Arbeit bei Amsoc. Patenschaften suchen, initiieren und finden, die für das Wohl des Kindes bedeutend sind, geben mir als Koordinatorin, wenn sie zwischen allen Beteiligten stimmen, ein sehr freudiges Gefühl.