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Die Wikinger in Berlin: Mit Vattenfall Drachenboote bauen

Experte
Hannes Hönemann Hannes Hönemann
30. November 2014
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Raubeinige Haudegen, rotbärtige Eroberer, todesmutige Seefahrer – Klischees über die Wikinger gibt es viele. Die Ausstellung „Die Wikinger“ im Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt, dass die Nordmänner weitaus mehr waren als das. Damit Kinder mehr über Geschichte und Kultur der Wikinger erfahren, unterstützt Vattenfall das Bildungs- und Vermittlungsprogramm der Ausstellung.

„Das Thema spricht Kinder sehr an, natürlich auch wegen der populären Zeichentrickserie ,Wickie'“, sagt Ute Hoffritz. Die Bildhauerin leitet im Auftrag des Museumspädagogischen Dienstes den Familienworkshop, bei dem sich heute alles um die Schiffe der Wikinger dreht. Bevor es für die 18 Kinder und ihre Eltern in die Werkstatt zum Schiffe bauen geht, gibt es erst mal eine halbstündige Führung durch die spektakuläre Ausstellung, die seit dem 10. September schon mehr als 100 000 Besucher angelockt hat. Die Schau wird gemeinsam vom Museum für Ur- und Frühgeschichte, dem Londoner British Museum und dem Königlichen Nationalmuseum Kopenhagen veranstaltet. Über 800 Fundstücke zeigen die Welt der Wikinger.

Ein Drachenboot im Zentrum

Der Rundgang beginnt beim Prunkstück der Schau, der „Roskilde 6″, einem gewaltigen Wikingerboot. Mit seinen 37 Metern Länge passt das Kriegsschiff gerade so quer in den Saal des Martin-Gropius-Baus. Es ist das erste Mal überhaupt, dass das 1997 bei Grabungsarbeiten gefundene Boot komplett aufgebaut gezeigt werden kann. Im Dänischen Nationalmuseum ist die Deckenhöhe zu niedrig dafür. Wegen ihrer riesigen Ausmaße muss die „Roskilde 6″ wohl zur königlichen Flotte gehört haben, vielleicht sogar zu Knut dem Großen (1016-1035), der über Dänemark und England herrschte.

„Genügsame, harte Burschen“

„Das ist eins der größten Drachenboote, das jemals gefunden wurde“, erklärt Ute Hoffritz der Gruppe. „Es ist vor über 1.000 Jahren vor der dänischen Küste gesunken.“ Viel ist vom Schiff allerdings nicht mehr übrig – es besteht hauptsächlich aus einer Stahlkonstruktion, die seine Form andeutet. Aber 25 Prozent der Planken und fast der gesamte Kiel sind erhalten. Und um die Fantasie der Kinder anzuregen, reichen die aufwendig konservierten uralten Eichenbalken allemal. „Gab es auf dem Schiff auch ein Klo?“, will ein Mädchen wissen, als es hört, dass die Wikinger oft wochenlang mit so einem Boot unterwegs waren. „Und wo haben die Ruderer geschlafen?“, fragt ein etwa zehnjähriger Junge. Ute Hoffritz erzählt, dass die Krieger statt mit einer Toilette mit der Reeling vorlieb nehmen mussten, und dass zwischen den Ruderbänken geschlafen wurde: „Das waren harte Burschen, sehr genügsam.“

Begehrte Ulfberht-Schwerter

Das gewaltige gestreifte Segel wurde originalgetreu nachgewebt. „Was denkt ihr, woraus das hergestellt wurde?“, fragt Ute Hoffritz die Kinder. „Baumwolle“, vermutet ein Mädchen. „Die gab es damals noch gar nicht in Europa“, erklärt Hoffritz. „Das ist Schafswolle, die eingefettet wurde, um sie besonders wasserabweisend zu machen.“

Aber die Wikinger waren nicht nur gefürchtete Krieger, die überall in Europa brandschatzten, plünderten und mordeten. Sie waren auch erfolgreiche Handelsleute. Und sie kannten schon Marken. Sehr gefragt unter den nordischen Raubeinen waren Ulfberht-Schwerter, die aus Franken kamen und aus besonders hartem Eisen gemacht waren. „Ulfberht – das hatte für Wikinger einen ähnlichen Klang wie für uns heute Solingen“, sagt Hoffritz.

Raubzüge, Handel und Austausch mit anderen Kulturen – das alles war nur möglich dank der weitentwickelten Schiffbautechnik. Und so ein Wikingerschiff wollen die Kinder jetzt auch selbst bauen. Dazu geht es in die Familienwerkstatt, einem Raum gleich neben der Ausstellung. An drei langen Basteltischen können die Jungen und Mädchen mit ein wenig Hilfe von Mama, Papa oder Oma aus einem Schiffsrohling ein eigenes kleines Drachenboot fertigen.

Einmal Harald Blauzahn sein

„Gerade die Schiffsbau-Workshops kommen ganz besonders gut an“, sagt Ute Hoffritz. „Aber auch bei den anderen Workshops bieten wir inzwischen viele zusätzliche Termine an, weil sie immer ausgebucht sind.“ Die Angebote für Schulklassen und Ferienkurse seien ebenfalls sehr stark nachgefragt, so Hoffritz. In den Workshops und Kursen für Schulklassen kann man auch die Spiele der Wikinger nachbauen und lernen. Hneftafl heißt ein Brettspiel, ein Strategiespiel ganz ähnlich dem Schach, das die Nordmänner gern in ihren Langhäusern spielten, wenn sie mal nicht auf großer Fahrt waren. Außerdem kann man sich in der Ausstellung als Wikinger verkleiden und sich so einmal ganz wie Knut der Große oder Harald Blauzahn fühlen.

Die Kinder bemalen inzwischen mit Tusche die Segel aus Leinenpapier, Mast und Querbaum werden aus Holzspießen zugeschnitten. Nach zweieinhalb Stunden eifrigem Bastelns stehen 15 kunterbunte Drachenboote bereit, um zu Hause die Kinderzimmer zu erobern.

Die Wikinger, Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, U- und S-Bahn Potsdamer Platz, bis 4. Januar, Mi bis Mo 10 bis 19 Uhr

Eintritt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro

Termine für Führungen und Familienworkshops:

http://wikinger.smb.museum/bildung-und-vermittlung/erwachsene-kinder-und-familien.html

Anmeldung und Information: 030-266424242, service@smb.museum

Hannes Hönemann
Experte
30. November 2014

Ich kümmere mich zusammen mit meinem Team um die deutschsprachigen digitalen Kanäle von Vattenfall. Unsere wichtigsten Zielgruppen finden wir in Berlin und Hamburg. Das sind auch weiterhin unsere wichtigsten Märkte in Deutschland. Mit der Energiewende wandelt sich auch das Unternehmen. Da gibt es viel zu erzählen.