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Schienenfahrzeuginstandhaltung: Zug um Zug zur neuen Zentrale

Experte
Peter Noatnick Peter Noatnick
13. November 2015
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Im Bauwesen gibt es Projekte und PROJEKTE. Am Industriestandort Schwarze Pumpe wurde nun ein zentraler Wartungsstützpunkt für Zugmaschinen in Betrieb genommen, der eher zur zweiten Kategorie zählt. Die Länge der stahlbetongestützten Halle von 225 Metern galt dabei nicht als die große Herausforderung – die weniger als 15 Monate Bauzeit vom Richtfest bis zur Inbetriebnahme schon. Ebenso wie die Just-in-time-Logistik, die aufgrund fehlender Lagerkapazitäten am Baustandort ein präzises Zeitmanagement erforderte. Projektleiter Peter Noatnick gibt einen Einblick in die „Großwerkstatt für Loks“.

Mehr als 165.000 Tonnen Braunkohle werden täglich zwischen Tagebauen und Kraftwerken im Lausitzer Revier transportiert. Die dafür eingesetzte Zugflotte wurde dafür an mehreren Standorten im ganzen Revier gewartet. Seit Oktober 2015 rollen alle Loks und Waggons des firmeneigenen Eisenbahnbetriebs zwecks Hauptuntersuchungen und Reparatur in den Industriepark Schwarze Pumpe. 12 Millionen Euro hat Vattenfall in das Projekt „Zentrale Schienenfahrzeuginstandhaltung“ investiert.

50 Tonnen unter der Decke

Erste Bauarbeiten im Sommer, Foto: Vattenfall

Erste Bauarbeiten am Standort in Schwarze Pumpe, Foto: Vattenfall

„Zwei komplette Züge mit je 16 Waggons passen in die Halle und werden auf zwei Hallengleisen in zwei Ebenen gewartet. Da hängen auch schon mal 50 Tonnen unter dem Hallendach an den Kränen“, voller Stolz spricht Peter Noatnick über die Kapazitäten der neuen Zentrale. Der 39-jährige Bauingenieur kam im Jahr 2011 zu Vattenfall und unterstützte den Fachbereich Umsiedlungswesen; zunächst bei kommunalen Bauprojekten wie dem Vereins- und Sportkomplex am Umsiedlungsstandort Trebendorf.

Im Herbst 2012 fiel, vor dem Hintergrund des im Jahr 2015 auslaufenden Tagebaus Cottbus-Nord, die Entscheidung, die Zugwartung an einem Standort zu bündeln. Dass die „Zug-Werkstatt“ im Industriepark Schwarze Pumpe und damit ganz in der Nähe der Hauptwerkstatt des Unternehmens angesiedelt werden sollte, war letztlich auch eine Frage von Synergien. Die Kontrolle und Wartung eines Zuges ist dank modernster technischer Ausstattung und der Nähe zu allen wichtigen technischen Infrastrukturen des Bergbaubetreibers heute in 8 statt bisher 34 Stunden möglich. „Was steht, bringt kein Geld“ sagten die Fuhrleute früher gern.

Kein Projekt von der Stange

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Das Richtfest der Anlage fand im August statt, Foto: Vattenfall

Mit dem sächsischen Generalbauunternehmen OBAG  saß Noatnick in der Ausführungsphase oft nächtelang über Projektplänen und Leistungsbeschreibungen. „Die zentrale Schienenfahrzeuginstandhaltung Schwarze Pumpe ist kein Projekt von der Stange“ beschreibt er die Herausforderung des Projektes. „Da bedurfte es neben fachlicher Kompetenz auch oft Mut zu gewichtigen Entscheidungen, wenn die Deadline im Zeitplan näher rückte.“

Der Schlüssel zum Erfolg liegt letztlich aber meistens in der Hand Dritter: „In jedem Bauprojekt ist das Vertrauen der Aufsichtsbehörden das A und O“, weiß Noatnick. Eine makellose Projektbilanz ohne Baumängel und Arbeitsunfälle war deshalb für ihn oberste Maxime. Für die Gleise, Signale und Fahrleitungen gab es im Oktober grünes Licht von der Landeseisenbahnaufsicht. Auch die Halle wurde ohne Einwände von der unteren Bauaufsicht und des Brandenburgischen Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe freigegeben.

Die nächsten Projekte stehen für Noatnick schon vor der Tür, sobald die kaufmännischen Bücher zur Projektdokumentation geschlossen sind. Aber er wird auch nach der offiziellen Übergabe an den Betreiber ein Teil des Teams bleiben: „Ich kenne jeden Stein und jede Schraube in dieser Halle. Wenn irgendwas klemmt, bin ich da.“

Peter Noatnick
Experte
13. November 2015

Als gelernter Bauingenieur hab ich zunächst verschiedene berufliche Etappen als Bauleiter im Abbruch- und Deponiewesen, in der Eisenbahnverkehrstechnik und bei einem Automobilzulieferer durchlaufen. Eine neue Herausforderung fand ich dann als Montageeinsatzleiter im Stahlbau des Kraftwerkbereichs. Um einen Fuß in die Tür bei Vattenfall zu bekommen, habe ich 2011 als Trainee im Bauwesen der Umsiedlung angefangen. Dort startete ich gleich mit einem Großprojekt durch: Dem Sportkomplex in Trebendorf. Die zielorientierte Abwicklung dieses Einstiegsprojektes hat mich gleich für das nächste empfohlen.