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Umspannwerk DanTysk: Herz und Gehirn des Windparks

Experte
Volker Mahlmann Volker Mahlmann
17. April 2015
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Seit August 2013 trotzt sie dem Meer: Die Umspannplattform des Windparks DanTysk mitten in der Nordsee an der Grenze zu den dänischen Hoheitsgewässern. Das 3.200 Tonnen schwere Offshore-Umspannwerk mit den Ausmaßen eines mittelgroßen Bürogebäudes steht auf einer Jacket-Unterkonstruktion in 25 Meter tiefem Wasser. Das Werk „sammelt“ den Windstrom aller 80 installierten Turbinen des Windparks DanTysk, transformiert diesen von einer Wechselspannung mit 33 Kilovolt (kV) auf eine Spannungsebene von 155 kV und „übergibt“ diesen an den Übertragungsnetzbetreiber TenneT.

Kabeldurchschnitt, Quelle: Parker Scanrope AS

Kabeldurchschnitt, Quelle: Parker Scanrope AS

Das dieser Koloss inklusive Netzanbindung entsteht und wie geplant funktioniert, ist die Aufgabe von Volker Mahlmann und seinem Team. Und die ist fast erledigt: „Es sind alle 80 Windräder angeschlossen, wir haben hier und da kleine Kinderkrankheiten“, erläutert Mahlmann. „260 MW haben wir bereits eingespeist, von daher kann man sagen, dass es gut und verlässlich funktioniert.“  Der Hamburger ist zufrieden.

Offshore ist eine neue Dimension

Mahlmann hat bereits zuvor viele Onshore-Projekte realisiert. „Ich habe also an Land schon einmal alles durchpraktiziert.“ Doch der Anschluss und die Umspannstation für DanTysk war eine neue Dimension.  Zum einen in der Größe und zum anderen in der Entfernung zum Festland. Das setzt andere Anforderungen. „Wir haben deutlich mehr Systeme da draußen auf See, die wir bei einem Onshore-Windkraftwerk in diesem Umfang nicht haben wie die Löschsysteme, die Seewasserkkühlung oder das Hubschrauberlandedeck, um nur einige zu nennen. Zudem hat man deutlich mehr zu kämpfen mit dem aggressiven Seeklima.“

Redundanzen und Reserven sichern Verfügbarkeit

Installation der Netzplattform, Foto: Jorrit Lousberg, Vattenfall

Installation der Netzplattform, Foto: Jorrit Lousberg, Vattenfall

Die Anlagen müssen vor Seewasser und der salzhaltigen Luft geschützt werden. Auch die Anforderungen an den Netzanschluss sind etwas höher als an Land. Es bedarf zusätzlicher Einrichtungen, um die Blindleistungen von den Kabeln zu kompensieren. Reparaturen sind auf hoher See nicht sofort durchzuführen. Rund 3 Stunden dauert die Fahrt raus zum Windpark bei gutem Wetter. Bei rauer See kann es entsprechend länger dauern oder gar nicht möglich sein. Da kann es schon einmal ein paar Tage dauern bis ein Fehler behoben werden kann. „Für die wichtigen Komponenten haben wir Redundanzen eingebaut, also eine entsprechende Reserve.  So können einzelne Komponenten ausfallen ohne dass es zu einer Unterbrechung geführt. Das sichert die Verfügbarkeit des Parks und das zeichnet das Projekt aus.“

Viel technische Klärung und Abstimmung

Windpark_Paul_Langrock_bei_Installa

Hier werden sie noch installiert, aber inzwischen sind alle 80 Windanlagen errichtet und angeschlossen, Foto: Paul Langrock, Vattenfall

Die Arbeitsabläufe und die damit verbundenen Schnittstellen aufeinander abzustimmen ist ein wesentlicher Teil der Projektarbeit. Seine Arbeitszeit verbringt Mahlmann deshalb überwiegend im Büro in der City Nord in Hamburg. Sein Job besteht aus vielen Besprechungen, im Schwerunkt Reportings und sehr viel technische Klärung und Abstimmung. „Wir haben Experten unter anderen für Kühl-,  Klima-,  Elektro-  und Löschtechnik, das sind so um die 10 Leute.“ Auch wenn sich Mahlmann bereits gut an Land mit der Materie auskannte, gab es ein paar Gebiete, in die er sich erst einarbeiten musste. „Was wirklich neu war, waren die Auflagen zur Schiffsicherheit und die Anforderung bezüglich der Erreichbarkeit für Hubschrauber. Ich habe mich zuvor noch nie damit beschäftigt, was erforderlich um einen Hubschrauberdeck einzurichten.“

Schnittstellen zu allen Gewerken vorhanden

Doch nicht nur das eigene Package – so heißen die Arbeitsbereiche der einzelnen Projektmanager – müssen koordiniert werden.  „Wir haben Schnittstellen zu jedem Gewerk, zu den Windanlagen, zu den Steueranlagen, dem Netzanschluss und allen Kabeln.“ Grinsend fügt er hinzu: „Auch wenn Kollegen das anders sehen: Das Umspannwerk ist Herz und Gehirn des Windparks.“

Momente voller Spannung

Das Jacket wird abgesenkt und verschwindet für die nächsten 25 Jahre, Foto: Paul Langrock, Vattenfall

Das Jacket wird abgesenkt und verschwindet für die nächsten 25 Jahre, Foto: Paul Langrock, Vattenfall

Mehr als sechs Jahre hat die Planung, Ausschreibung, der Bau und die Installation vor Ort gedauert. Mahlmann blickt zurück: „Einer der schönsten Momente war so Ende 2012, als die Plattform in der Werft stand, ausgerüstet war und wir durch die Räume gehen konnten. Im Mai /Juni 2013 war dann alles weitestgehend fertiggestellt, die Installation folgte, die ersten Inbetriebnahmen waren 2014. Und dann die Spannung, ob alles funktioniert.“ Momente, die der 46-jährige nicht so schnell vergessen wird. „Ich habe live gesehen, wie das Jacket, also das Fundament, installiert und auf den Seeboden versenkt und befestigt wurde. Man sieht es und weiß, es ist das letzte Mal für die nächsten 25 Jahre.“

Die letzten Fünf Prozent bleiben noch

Inzwischen läuft alles wie geplant. „Wir sind voll im Betrieb. Es gibt zwar noch viele kleine Punkte, die nachgebessert oder ausgebessert werden müssen. Da ist einiges noch nicht so, wie wir sie gerne hätten. Aber die letzten fünf Prozent sind immer schwierig.“ Wenn alle Punkte abgearbeitet sind, will Mahlmann gern wieder ein Projekt komplett betreuen. „Aber welches das sein wird, weiß ich noch nicht. Doch mit der aktuellen Ausrichtung in Punkto Energiewende wird sich da etwas finden.“

 

Volker Mahlmann
Experte
17. April 2015

Nach dem Studium der Elektrotechnik habe ich zunächst beim Vertrieb der ABB Peters & Thieding GmbH gearbeitet; ein Unternehmen, das Trafos und die Verkabelung u. a. für Windparks anbietet. Das war der erste Berührungspunkt mit dem Thema. Dann bin ich zwei Jahre zur ABE-Kunze GmbH gegangen, einem Planungsbüro für Planungsprozesse von Windparks. 2004 startete ich bei der Vattenfall Contracting GmbH. Dort habe ich mich mit Klimatechnik und Generatorentechnik beschäftigt. 2008 kam ich zum Projekt DanTysk.

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