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Von Sport ohne Grenzen zu den Hamburg Towers

Experte
Marvin Willoughby Marvin Willoughby
21. Januar 2016
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52.000 Menschen leben in Hamburgs Stadtteil Wilhelmsburg, einem sozialen Brennpunkt im Süden der Stadt. Über 70 Prozent der Jugendlichen dort haben einen Migrationshintergrund, ein Viertel erhält Hartz IV. 2006 begann genau hier die Geschichte von Freunden, die in ihrem Stadtteil die Kids mit Basketball von der Straße holen wollten. Heute tun sie das immer noch, mit dem Verein Sport ohne Grenzen, den Piraten und den Hamburg Towers.  

Der Verein Sport ohne Grenzen setzt sich für Werte in Verbindung mit Sport ein, Foto: Verein Sport ohne Grenzen

Der Verein Sport ohne Grenzen setzt sich für Werte in Verbindung mit Sport ein, Foto: Dennis Fischer

Marvin Willoughby war einer der besten Basketballspieler Deutschlands. Vor zehn Jahren dann das Aus: Das Sprunggelenk ist kaputt. Der Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers muss seine Nationalspieler-Karriere beenden und kehrt zurück in seine Heimatstadt Hamburg, nach Wilhelmsburg. Gemeinsam mit Kumpel Jan Fischer entsteht der Gedanke, Camps für Kinder zu organisieren und so Stadtteil- und Sozialarbeit mit Basketball zu kombinieren. „So banal es klingt, am Anfang stand nur die Idee, mit Sport Gutes zu tun, die Kinder von der Straße zu holen, ihnen eine Orientierung zu geben und Werte zu vermitteln“, so Willoughby. Die Resonanz ist riesig, der Verein Sport ohne Grenzen ist geboren.

Das gute Gefühl

Teamfähigkeit, Disziplin, Fairness, richtige Ernährung sind nur einige Schlagworte des Konzeptes. Der Spaß am Sport und die richtige Technik gehören ebenso dazu. Fischer und Willoughby besuchen viele Schulen und entwickeln das Projekt mit Soziologen und Sportwissenschaftlern weiter. „Mit diesem Sozialkompetenztraining versuchen wir den Kindern zu vermitteln, wie eine Gruppe und Zusammenhalt funktionieren, sich aufeinander zu verlassen und Regeln einzuhalten. Sie sollen Spaß haben und mit einem guten Gefühl nach Hause gehen“, sagt Willoughby. Für die inzwischen zehn Jahre unermüdlichen Einsatzes erhält der 37-jährige Ende letzten Jahres die offizielle Anerkennung, das Bundesverdienstkreuz.

Auf dem Weg nach oben

Für sein Engagement ist Willoughby mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, Foto:

Für sein Engagement wird Willoughby von Andrea Nahles, Arbeits- und Sozialministerin, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, Foto:Thomas Rafalzyk

Aus dem Verein Sport ohne Grenzen heraus entwickelt sich 2009 die nächste Idee: das Piraten-Projekt. Eine Vereins-übergreifende Talentschmiede für die Besten aller Hamburger Basketballspieler aus den Altersklassen U16 und U19. „Wir wollen Jugendspielern vermitteln, ehrgeizig zu sein. Dazu gehört auch, der Beste sein zu wollen und den Ansporn zu haben, jedes Spiel zu gewinnen“, erläutert Cheftrainer Willoughby. „Es ist natürlich ein Anreiz hier zu spielen, um es irgendwann nach ganz oben zu schaffen. Aber wir sorgen auch dafür, dass alle mit beiden Beinen auf dem Hallenboden bleiben und wir keine Luftschlösser bauen.“

Von der Blumenhalle zur Inselparkhalle 

Bis heute kann er selbst kaum glauben, was dann in kurzer Zeit alles passiert: Nach der Internationalen Gartenschau 2013 in Wilhelmsburg überlegt die Stadt, wie die Flächen und die 6.000 Quadratmeter große Blumenhalle weiter genutzt werden sollen. Bei der Truppe um Willoughby keimt gleichzeitig der Gedanke auf, Profi-Basketball in der Hansestadt zu etablieren. Eins kommt zum anderen. Nach Umbaumaßnahmen entsteht aus der Blumen- eine Mehrzweckhalle die InselPark-Arena. Sie bietet Platz für 3.400 Zuschauer und ist eine ideale Heimspielstätte für Basketball. Mit weiteren Partnern gründet Willoughby 2014 die Hamburg Towers. Und durch eine Wild Card startet das Team direkt in der 2. Basketball Bundesliga ProA.

Auf dem Sprung in die Play Offs

Die Towers bei einem der Heimspiele in Wilhelmsburg, Foto: Vattenfall

Die Towers bei einem der Heimspiele in Wilhelmsburg, Foto: Vattenfall

Vergangenen Samstag ist die InselPark-Arena wieder nahezu ausverkauft. Mit einem 70:67 siegen die Hamburg Towers gegen Baunach. Die Stimmung ist unvergleichlich, die Fanbase echt. In Wilhelmsburg prägen die Towers inzwischen das Stadtbild und auch der Zuwachs aus dem Umland wird mit jedem Spiel größer. Die Towers stehen auf Platz fünf der Tabelle, die besten acht Teams spielen im April in den Play Offs. Und alles scheint möglich in Hamburg Wilhelmsburg.

 

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Gratulation dem Verein „Sport ohne Grenzen“ und seinen Gründern, den ehemaligen Basketball-Nationalspieler Marvin Willoughby und Jan Fischer. Sie haben heute, am 26. Januar im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin den Publikumspreis „Sterne des Sports“ 2015 erhalten.

Die Sterne des Sports zeichnen Sportvereine aus, die durch innovative Ideen und Konzepte auf sich aufmerksam gemacht haben. Der Preis wird vom Deutschen Olympischen Sportbund verliehen.

Vattenfall gratuliert Sport ohne Grenzen

 

More than Basketball, das Motto des Vereins. In der Tat, hier geht es um weit mehr als nur Basketball. Vattenfall www.vattenfall.de/hamburgtowers ist stolzer Partner und Unterstützer.  Werden Sie es auch!

 

 

Marvin Willoughby
Experte
21. Januar 2016

Ich komme aus Hamburg und bin in Wilhelmsburg aufgewachsen. Bis vor 10 Jahren war ich Basketball-Profi und habe in der Deutschen Nationalmannschaft gespielt. Mit 27 Jahren musste ich wegen einer Sprunggelenksverletzung meine Profi-Karriere beenden. Mit Freunden entwickelte ich die Idee, mit Basketball die Kids von der Straße zu holen und ihnen durch den Sport Werte zu vermitteln. Daraus ist der Verein „Sport ohne Grenzen“ entstanden, aus dem wiederum die Hamburg Towers gewachsen sind.