Alle Themen
Solarthermieanlagen auf Gebäuden der HafenCity
Experte
19. August 2016
Zurück

10 Jahre Solarthermie in der HafenCity

Mit rund 1.800 Quadratmetern Kollektorfläche hat die HafenCity die mit Abstand höchste Dichte an Solaranlagen in der gesamten Hansestadt. Vattenfall betreibt diese Anlagen seit nunmehr zehn Jahren.
Koexistenz von Sonnenliegen und Solarthermie-Anlagen in der Hafencity vor der Kulisse der Elbphilharmonie. Foto: Vattenfall

Koexistenz von Sonnenliegen und Solarthermie-Anlagen in der Hafencity vor der Kulisse der Elbphilharmonie. Foto: Vattenfall

Mit Quadratmeterpreisen von bis zu 15.000 Euro ist sie eine der teuersten und exklusivsten Wohngegenden Deutschlands: Die Hamburger HafenCity. Seit 2006 wächst das Quartier an der Elbe und soll bei Fertigstellung im Jahr 2025 rund 14.000 Hamburgern ein Zuhause bieten. Bei diesen Zahlen kann davon ausgegangen werden, dass jeder Quadratmeter in der HafenCity möglichst gewinnbringend genutzt wird.

Doch wer auf den Dächern die, wie sonst in derartigen Lagen üblich, ausladenden Dachterrassen erwartet, wird in der HafenCity eines Besseren belehrt. Auf den Häusern zwischen Kaiserkai und Dalmannkai stehen häufig großflächige, schwarzviolette Module inmitten von Liegestühlen: Solarthermie-Kollektoren. Sie nutzen die Sonnenenergie, und liefern einen Teil der ganzjährig benötigten Wärme.

Solarthermie bringt CO2-Reduktion

Solarthermie-Anlagen auf Gebäuden am Kaierkai, Foto: Vattenfall

Solarthermie-Anlagen auf Gebäuden am Kaierkai, Foto: Vattenfall

„Neben der Fernwärmeversorgung war die Errichtung von Solarthermie-Anlagen ein integraler Bestandteil unseres Energiekonzepts“, erklärt Burkhard Warmuth. Er ist Leiter der Geschäftssteuerung der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH. „Ziel war es, auf diesem Weg den CO2-Ausstoß für den Wärmebedarf der HafenCity erheblich zu reduzieren – und das ist gelungen“, so Burkhard Warmuth.

Mit rund 1.800 Quadratmetern Kollektorfläche hat die HafenCity mit Abstand die höchste Dichte an Solaranlagen in der gesamten Hansestadt. Über das Jahr gerechnet können mit Solarthermie rund 35 Prozent des Warmwasserbedarfs der Häuser gedeckt werden. Jährlich werden so in der HafenCity zusätzlich rund 55.000 Kilogramm CO2 eingespart.

Solarthermie-Anlage auf Gebäuden am Dalmannkai, Foto: Vattenfall

Solarthermie-Anlage auf Gebäuden am Dalmannkai, Foto: Vattenfall

Um das Projekt realisieren zu können musste viel Überzeugungsarbeit bei den Hauseigentümern geleistet werden. „Ob Dachterrasse oder Solaranlage: Die Flächenkonkurrenz auf den Dächern der HafenCity war enorm,“ sagt Burkhard Warmuth.

Vattenfall hatte sich 2006 in einer Ausschreibung als Wärmepartner in der HafenCity West durchgesetzt; seitdem betreibt und wartet das Unternehmen die Solarthermie-Anlagen und sorgt außerdem dafür, dass der zusätzliche Wärmebedarf jederzeit gedeckt wird.

Neue Projekte geplant

Solarthermieanlagen von Vattenfall auf den Dächern der HafenCity

Solarthermie-Anlagen von Vattenfall auf den Dächern der HafenCity

„Unser Fazit nach zehn Jahren fällt so positiv aus, dass wir Solarthermie auch in anderen Bereichen Hamburgs nutzen wollen“, unterstreicht Burkhard Warmuth. Derzeit planen wir ein Projekt im Stadtteil Allermöhe. Dort könnte erstmals eine solarthermische Großanlage mit 14.000 Quadratmetern entstehen. Das entspricht etwa der Größe von zwei Fußballfeldern. Ergänzt mit einem neuen Speicher würde die Anlage rund elf Prozent des Wärmebedarfs im lokalen Nahwärmenetz decken.

„Die Bedingungen in Allermöhe sind dafür gut: Denn das dortige Niedertemperatur-Netz mit 70 Grad eignet sich hervorragend für die Einbindung von Solarthermie“, erklärt Burkhard Warmuth. „Aber auch hier besteht eine natürliche Flächenkonkurrenz zum Wohnungsbau.“ Daher hat es die Solarthermie, trotz technologischer Weiterentwicklung und gesunkenen Kosten weiterhin schwer im Konkurrenzkampf mit anderen Wärmequellen. „Solarthermie ist immer lokal und dort nötig, wo letztlich der Bedarf ist. Allzu oft steht aber gerade da nicht ausreichend Platz zur Verfügung.“

Photovoltaik wird wichtiger als Solarthermie

Trotz neuer Projekte wie Allermöhe gibt es bei Vattenfall Skepsis, ob sich die Solarthermie auf breiter Front in Deutschland durchsetzen wird. „Wir sehen perspektivisch bei der Photovoltaik mehr Potenzial für eine regenerative Wärmeversorgung als bei der Solarthermie“, sagt Burkhard Warmuth. Durch den weiteren landesweiten Ausbau von Windkraft und Photovoltaik werden sich auch die Zeiträume mit günstigem Überschussstrom in Zukunft spürbar erhöhen.

„Diesen Strom nutzen wir, um ihn mittels Elektroboiler in Wärme umzuwandeln“, so Burkhard Warmuth. „Zwar käme es bei der Umwandlung in Strom und zurück in Wärme zu erheblichen Energieverlusten; dies ist aber allemal besser, als Erneuerbare abzuschalten und Energie zu verschenken.“

Links

Wärme Hamburg

Solarthermie

Solarzelle 2.0: die neue Generation der Photo­voltaik

Burkhard Warmuth
Experte
19. August 2016

Seit nunmehr zehn Jahren arbeite ich in verschiedenen Funktionen im Bereich der Wärmeversorgung in Berlin und Hamburg. Gestartet als Trainee in den Heizkraftwerken mit Stationen in der Verteilung und im Vertrieb lernte ich die gesamte Wertschöpfungskette unseres Wärmegeschäfts kennen. Eines meiner ersten Projekte war damals die Errichtung der Solarthermie-Anlagen in der HafenCity West. Derzeit bin ich mit meinem Team verantwortlich für die Geschäftssteuerung der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH.

  • Experte
    Juliane Schulze Juliane Schulze
    22. September 2017

    Ein Blick in die digitale Zukunft der Energiewelt

    Nach meinem MBA-Studium arbeitete ich bei Vattenfall als Business Developer und Managing Director der VHPready Services GmbH. Inzwischen leite ich [...]
  • Experte
    Dr. Schanett Riller Dr. Schanett Riller
    15. September 2017

    Unter Strom – Energie im Museum

    Als Historikerin leite ich seit 2013 die Bergedorfer Museumslandschaft. Dazu gehören das Museum für Bergedorf und die Vierlande, das Freilichtmuseum [...]
  • Experte
    Andreas Busse Andreas Busse
    11. September 2017

    Was ist Solar-Mieterstrom?

    Energie fasziniert mich, weil sie für den modernen Komfort in unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Deshalb habe ich [...]