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Das Heizkraftwerk Lichterfelde in Berlin
Experte
20. November 2017
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Außerbetriebnahme des Blocks 3 in Lichterfelde

Am 10. August 2017 ging nach 43 Jahren der Block 3 des Berliner Heizkraftwerks Lichterfelde geplant außer Betrieb. Die Turbine rotierte insgesamt 266.313 Betriebsstunden lang. Die Kraftwerker, die den Block 3 betreuten, blicken zurück auf eine bewegte Zeit.

Mit etwas Wehmut schauen die Kollegen über das Schaltpult ihres Blocks 3 des HKW Licherfelde, Foto: Vattenfall

Am Tag der Außerbetriebnahme des Blocks 3 des Berliner Heizkraftwerks Lichterfelde haben gestandene Kraftwerker verlegen ein paar Tränen aus den Augenwinkeln gewischt. Die Kollegen vom HKW Lichterfelde erinnern sich an ihre Zeit mit ihrem alten Kumpel, dem Block 3:

Mach’s gut, alter Kumpel!

„Du warst etwas Besonderes! Wir konnten dich hören und riechen und wussten bei Schichtbeginn immer sofort, wie’s bei dir gerade läuft. Auf dich kam es an. Lichterfelde ist eine Wärmeinsel. Wenn es kalt war, musste die Wärme von hier kommen, da half die Anbindung an das Fernwärmenetz nicht viel. Du warst immer zuverlässig und hast gemeinsam mit deinen anderen beiden „Block-Kumpels“ bis zu 80.000 Berliner Haushalte sicher mit Wärme versorgt.

1975 gab es zu Ehren des neuen Heizkraftwerkes eine serienmäßige Briefmarke

Bei deiner Inbetriebnahme am 17. Juli 1974 hatte Deutschland gerade die Fußball-WM gewonnen. Berlin war geteilt und ein neues Kraftwerk sollte die Versorgung des südlichen Teils der Stadt sicherstellen. Niemand wusste damals, wie sich die politische Situation entwickeln würde. Deshalb wurden drei statt zwei Blöcke errichtet. Es sollte immer eine Reserve bereitstehen. Da du dich außerhalb der Flugkorridore befandst, durftest du höher gebaut werden, als das an anderen Berliner Standorten möglich gewesen wäre. 1975 machtest du bundesweit Karriere. Du standst für die 140-Pfennig-Briefmarke der Serie „Industrie und Technik“ Modell und wurdest von der Deutschen Bundespost in einer Auflage von 196 Millionen Stück in Umlauf gebracht.

Anfangs wurdest du mit schwerem Heizöl befeuert. Nicht die beste Entscheidung, wie die Ölkrise Anfang der 70er-Jahre zeigte. Binnen weniger Monate stieg der Ölpreis damals um mehr als 70 Prozent an. Doch bis deine Umrüstung auf Erdgas erfolgte, sollten 24 Jahre vergehen. In Spitzenzeiten waren im Kraftwerk 321 Mitarbeiter tätig. Also 107 pro Block. Du gabst also nicht nur vielen Berliner Familien Strom und Wärme, sondern auch Lohn und Brot.

2008 hast du uns einen großen Schrecken eingejagt. Bei einer Revision stellten wir an deiner Turbine einen größeren Schaden fest. Ein Stellventil hatte erhebliche Risse bekommen, die bis ins Gehäuse reichten. Die Lage war ernst. Doch die Reparatur gelang und bescherte dir weitere neun Jahre Laufzeit.

Schwerlasttransport für neues Heizkraftwerk in Lichterfelde

Nach deiner Außerbetriebnahme wird bald auch der letzte alte Block in Lichterfelde verschwinden. Drei Heißwassererzeuger übernehmen die Wärmeversorgung bis im nächsten Jahr die neue Gas- und Dampfturbine an den Start geht. Wir freuen uns auf die moderne Anlage. Und dennoch war mit dem Abschied von dir eine Menge Wehmut verbunden. Du hast Berliner Industriegeschichte geschrieben. Als Techniker haben wir dir Respekt und Demut entgegengebracht. Du warst ganz einfach ein Kumpel, der Gigantisches geleistet hat und auf den man sich jederzeit verlassen konnte. Wir behalten dich immer in guter Erinnerung. Deine Mannschaft vom HKW Lichterfelde!“

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Vattenfall Bauprojekt HKW Lichterfelde

Andreas Bohlmann
Experte
20. November 2017

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre habe ich meine Tätigkeit für das Unternehmen im damaligen Heizkraftwerk Rudow aufgenommen.
Seit dem bin ich, mit wechselnden Aufgaben, quasi mit dem Kraftwerksbetrieb verheiratet. Ab 2003 erfolgte ein Wechsel zu den Heizkraftwerken Charlottenburg/Wilmersdorf. Von 2008 an bin ich als Betriebsingenieur im Heizkraftwerk Lichterfelde tätig.