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Experte
14. Juli 2015
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Batterien: die Schnellstarter unter den Speichertechnologien

Im Zuge der Energiewende ist immer wieder von Speichertechnologien die Rede. Wie lässt sich überschüssige Energie bei hohem Sonnen- und Windaufkommen für nachfrage-intensive Zeiten speichern? Und wie kann eine sinnvolle Integration in die Vermarktung gelingen? Verschiedenste Ansätze werden derzeit erprobt, einige davon stellen wir in einer Serie vor. Einen ersten Überblick gibt Michael Ostendorf, Produktmanager bei Vattenfall Energy Trading in Hamburg.

Was bedeutet der Ausbau der erneuerbaren Energien für das Stromnetz?

„Damit die Stromversorgung jederzeit stabil und sicher ist, müssen Energieproduktion und -verbrauch stets im Gleichgewicht sein. Dafür sind möglichst genaue Prognosen notwendig. Bei der Stromgewinnung aus volatilen Energieformen wie Wind und Sonne ist dies jedoch schwieriger als bei konventionellen Kraftwerken. Um diesen Schwankungen entgegenzuwirken und das Stromnetz konstant bei 50 Hertz zu halten, kommt die Regelenergie zum Einsatz. Sie stellt bei Bedarf sekundenschnell Kapazitäten zur Verfügung.“

Wie genau funktioniert dieser Regelenergiemarkt?

„Zunächst einmal gibt es verschiedene Abstufungen, wie schnell die Regelenergie zur Verfügung stehen muss. Die Primärreserve ist innerhalb von Sekunden verfügbar, die Sekundärreserve binnen fünf Minuten und die Minutenreserve innerhalb einer Viertelstunde. Diese flexiblen Reserveleistungen werden durch die Übertragungsnetzbetreiber abgerufen. Sie beschaffen die Regelleistung über ein transparentes Ausschreibungsverfahren, an dem sich zahlreiche Anbieter beteiligen. Ein sehr lebendiger Markt, die Minutenreserve beispielsweise wird täglich ausgeschrieben.“

 

Regelenergie_Grafik

Welche Bedeutung haben hierbei Stromspeicher?

„Neben der Situation, dass zu wenig Strom im Netz ist, existiert auch das Szenario eines Überangebotes. Hierbei kommt die sogenannte negative Regelenergie zum Einsatz. Es sind dann ein schnelles Herunterregeln von Kraftwerken oder eine Speicherung erforderlich. Wie diese Speicherung – und das spätere bedarfsgerechte Abgeben der Energie – aussehen kann, wird vor allem in Zukunft immer bedeutender werden. Derzeit sind noch viele konventionelle Kraftwerke aktiv, die die Regelleistung bedienen können. Je mehr davon im Zuge der Energiewende abgeschaltet werden, desto mehr schnell-verfügbare Kapazitäten müssen auf anderem Wege bereitgestellt werden. Und da kommen insbesondere für die Primärreserve Batterien ins Spiel.“

Warum sind Batterien besonders geeignet?

Batteriespeicher_Adlershof_Younicos

Die Firma Younicos bietet Batterien mit einer Kapazität von mehr als 1 MegaWatt, hier ein Teststand in Berlin-Adlershof, Foto: Andreas Teich

„Weil sie direkt und ohne Vorlaufzeiten funktionieren und somit die am schnellsten verfügbare Speichertechnologie sind. Wie sich diese Tatsache in der Praxis am besten nutzen lässt, wird in verschiedenen Projekten und Feldtests erprobt. Dazu gehört auch die Vermarktung der Batteriespeicher am Regelenergiemarkt, die zwar bereits vorgenommen wird, aber noch in den Kinderschuhen steckt. Das liegt unter anderem daran, dass bislang nur wenige Batterien die Mindestanforderung von einem Megawatt Leistung erfüllen.“

Welche Ansätze verfolgt Vattenfall konkret?

„Als einer der größten Betreiber von Pumpspeicherwerken hat das Thema Energiespeicher im Unternehmen traditionell einen hohen Stellenwert. Auch bei den Batteriespeichern sind wir schon seit einigen Jahren aktiv und immer offen für neue Ideen – ganz nach dem Motto: Wir testen heute, was morgen „state of the art“ sein könnte. In Berlin betreibt Vattenfall bereits den größten Batteriespeicher der Stadt. Weitere Ansätze zielen zum Beispiel auf die Zweitnutzung von ausgedienten Batterien aus der Elektromobilität, die für den Regelenergiemarkt noch bestens nutzbar sind. Eingebunden in ein intelligentes Lastmanagement, können sich Batterien immer dann aufladen, wenn ein Überangebot im Netz herrscht. Das probieren wir aktuell ebenso aus wie das Integrieren von Batteriespeichermodulen in Solarkraftwerke.“

Michael Ostendorf
Experte
14. Juli 2015

Nach meinem berufsbegleitenden Masterstudium für Energiewirtschaft durchlief ich verschiedene Positionen bei einem Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Seit 2013 bin ich bei der Vattenfall Energy Trading in Hamburg im Bereich Asset Optimization Sales and Renewables als Product Manager tätig. Neben der Betreuung der Direktvermarktung befasse ich mich mit dem Aufsetzen von neuen Produkten im Bereich Systemdienstleistungen und virtuelles Kraftwerk. In diesem Zusammenhang bin ich auch für die Integration von Batteriespeichern verantwortlich.

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