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Dr. Hilmar Bärthel, 2006
Experte
9. Januar 2017
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Berlin als System: Zum Tod des Stadttechnikers Hilmar Bärthel

Ob als Stromnetz, Straßenbeleuchtung oder Wasserversorgung: Eine Metropole braucht Stadttechnik, die sich mit ihr entwickelt und verändert. Ihre Historie zeigt gleichzeitig auch die Geschichte Berlins und deren komplexe Infrastruktur, von deren Funktion fast alles andere abhängt. Mit Hilmar Bärthel ist im Dezember 2016 einer der größten Experten der Berliner Stadttechnik im stolzen Alter von 95 Jahren verstorben.

Der promovierte Ingenieur und Techniker Hilmar Bärthel wurde 1921 im thüringischen Gera geboren und studierte nach dem 2. Weltkrieg in Berlin und Dresden. Wie bereits in seinem Studium setzte er sich auch beruflich intensiv mit der unterirdischen Infrastruktur Berlins auseinander. In jahrzehntelanger Arbeit an der deutschen Bauakademie und für den Ostberliner Magistrat erwarb er ein einzigartiges Fachwissen über die Infrastruktur der Stadt. Hilmar Bärthel war Chefingenieur für den unterirdischen Bauraum im Büro für Tiefbauplanung und -koordinierung beim Magistrat von (Ost-)Berlin, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Technische Erschließung an der Technischen Universität Dresden sowie am Lehrstuhl für Architektur der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Zu jung für das Altenteil

Hilmar Bärthel - Die Geschichte der Gasversorgung, Stadtentwässerung und Wasserversorgung Berlins, Foto: Vattenfall

Hilmar Bärthel: Die Geschichte der Gas- und Wasserversorgung und Stadtentwässerung Berlins, Foto: Vattenfall

Nach seiner Pensionierung widmete er sich als Autor intensiv der Geschichte der Wasser- und Gasversorgung sowie der Stadtentwässerung und Stromversorgung Berlins. Obwohl er kurz nach der Wende mit fast 70 Jahren sehr spät aus dem Arbeitsleben ausschied, fühlte er sich nach eigenen Angaben zwar zu alt für die neue Zeit, aber für das Altenteil noch zu jung. In den Jahren der Wiedervereinigung gab es für Hilmar Bärthel viel über die Infrastruktur des Teils der Stadt zu entdecken, die ihm als Ostberliner so lange verwehrt war. In dieser Zeit entstanden mehrere richtungsweisende Veröffentlichungen zur Historie, Entwicklung und Wiedervereinigung der Berliner Stadtversorgung.

Grundlagenwerke zur Stadtgeschichte

Zu seinen Werken, 14 Bücher und 45 Fachartikel, gehörten auch die im Auftrag von Vattenfalls Vorgängerunternehmen, der Bewag, verfasste Dokumentation über die Stromversorgung während der Berlin-Blockade 1948/49 „Die Luftbrücke für Berlin und die Bewag“ und sein letztes großes Buch in der Buchreihe BERLIN UND SEINE BAUTEN über die Berliner Stadttechnik, das ein Grundlagenwerk zur Geschichte der städtischen Versorgungssysteme Berlins ist. Die Texte Hilmar Bärthels beinhalten große technische und historische Detailgenauigkeit und sind gleichzeitig klar und verständlich geschrieben. Seine Werke werden nicht nur von Historikern und Ingenieuren, sondern auch von Stadtplanern und Architekten geschätzt.

Bärthel und die Bewag

Publikationen zur Geschichte der Energieversorgung in Berlin, Foto: Vattenfall

Publikationen zur Geschichte der Energieversorgung in Berlin, Foto: Vattenfall

Hilmar Bärthel hat in den neunziger Jahren intensiv auf das Archiv der damaligen Bewag zurückgegriffen. In dieser Zeit sind enge Freundschaften zwischen stadtgeschichtlich interessierten Ingenieuren und Techniker der Bewag und Hilmar Bärthel entstanden. Es gibt mehrere Veröffentlichungen aus dieser Zeit, von denen ausgewählte Passagen in den kommenden Woche in diesem Blog erscheinen werden.

Den Start macht die von Hilmar Bärthel verfasste Chronologie der Berliner Energieinfrastruktur vom Aufstieg Berlins zur „Elektropolis“ während der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts bis zur wiedervereinigten Stadt. Der Teil der Chronologie vom Beginn der Elektrifizierung 1884 bis zur weitgehenden Zerstörung der Energieinfrastruktur durch Kriegseinwirkung und Demontage im und nach dem Zweiten Weltkrieg erscheint demnächst hier im Blog.

Links

Berliner Zeitung: Mit seinen Fachbüchern hat Hilmar Bärthel viele Wissenslücken geschlossen: Spezialgebiet Stadttechnik

Der Tagesspiegel: Hilmar Bärthel erforscht Heimat- und Technikgeschichte

Ulrich Strasse
Experte
9. Januar 2017

Zusammen mit meinem Team bin ich bei der Stromnetz Berlin GmbH für die sichere Stromversorgung in der Region Mitte zuständig. Das ist einer von vier Bereichen, in die das Berliner Stromnetz aufgeteilt ist. Hilmar Bärthel habe ich Mitte der 90er Jahre kennengelernt. Die persönlichen Begegnungen mit ihm bleiben für mich unvergessen und haben mir persönlich sehr viel gegeben. Wir hatten über ein gemeinsames Werk zu den Themen der Berliner Stromversorgung nachgedacht. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen.