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19. Juni 2015
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Süße Energie: Bienen bei Vattenfall

Wenn da nicht ein bisschen Neid bei den Kollegen aufkommt: Denn wer kann schon behaupten, von tausenden flotten Bienen umschwärmt zu werden. Die Berliner Kraftwerker in Reuter West und Mitte können das! Sie haben seit kurzem die süßen Honigdamen sozusagen direkt am Arbeitsplatz.

Imker Wilfried Kuß (li.) bringt seine kleinen Freunde sicher ans Ziel. Foto: Vattenfall

Imker Wilfried Kuß (li.) bringt seine kleinen Freunde sicher ans Ziel. Foto: Bärbel Arlt

Ende April hat Stadtimker Wilfried Kuß aus Tegel je zwei Bienenvölker auf den Kraftwerksarealen Reuter West und Mitte aufgestellt. Die schwarz-grau gekleideten „Mädels“ zeigten sich dabei ganz und gar nicht schüchtern, sondern flogen im neuen Zuhause gleich selbstbewusst herum und genossen die ersten warmen Sonnenstrahlen. Imker Kuß war zufrieden mit seinen emsigen Schützlingen: „Die Aktivität zeigt mir, dass die Völker stark und gesund  sind.“

Die Stadt ist für Bienen ein Schlaraffenland

Kraftwerke und Bienen, passt das zusammen? Wilfried Kuß ist sich da sicher: „Es geht den Bienen hier gut und sie werden sich sogar wohler fühlen als auf dem Land“. Er verweist auf den prall gedeckten Tisch in und um die Heizkraftwerke herum. „Kastanien, Robinien, Linden, Kirschen, Pflaumen – gut gefüllte Blütenkelche gibt es reichlich.“ Und mit einem Augenzwinkern legt er nach: „Heizkraftwerk und Biene – beide stecken doch voller Energie. Schon deshalb passen sie perfekt zusammen.“

Recht hat er. Während im Heizkraftwerk Strom und Wärme erzeugt werden, produziert die Biene fleißig Honig. „Ihre Arbeit ist wahrlich kein Zuckerschlecken“, sagt der gebürtige Westfale. Für ein Kilo Honig müssen die Tiere drei bis fünf Millionen Blüten ansteuern und sie müssten dabei rund sechsmal um die Welt fliegen. Oder um in Berlin zu bleiben: Für 500 Gramm Honig müsste die Biene das 36.000 Kilometer lange Hauptstadt-Stromnetz rund vier Mal abfliegen.

In den Waben ziehen Bienen ihren Nachwuchs auf, lagern Honig und Pollen. Foto: Vattenfall

In den Waben ziehen Bienen ihren Nachwuchs auf, lagern Honig und Pollen. Foto: Imker Kuß

Allerdings ist sie auch eine sehr eigensinnige Fliegerin und entscheidet selbst, auf welcher Pflanze oder welchem Baum sie landet. Daher kann Wilfried Kuß nicht mit Bestimmtheit sagen, aus welchen Blüten der Stadthonig besteht: „Das lassen wir im Länderinstitut für Bienenkunde Hohen-Neuendorf herausfinden.“

Doch eins weiß er sicher: Der Berliner Stadthonig ist nicht nur vielfältig, sondern ein unverfälschtes Naturprodukt, denn Pflanzenschutzmittel werden in der Stadt nicht versprüht. Außerdem ist es wärmer als im Umland und aufgrund der durchgängigen Blütezeiten gibt es keine Trachtenlücke. Auf dem Land sieht das anders aus. Dort ist das Leben der flotten Honigmacher aufgrund von großflächiger landwirtschaftlicher Nutzung, Monokultur wie Maisanbau und dem Einsatz von Pestiziden stark gefährdet.

Bienen sind Ruhepol und Jobausgleich

Wilfried Kuß kümmert sich liebevoll um seine flotten Bienen. Foto: Vattenfall

Wilfried Kuß kümmert sich liebevoll um seine flotten Bienen. Foto: Bärbel Arlt

Und während Wilfried Kuß den Bienen bei ihrem ersten Ausflug auf dem Kraftwerksgelände zuschaut, merkt man ihm an wie vernarrt er in sie ist. Seit rund 25 Jahren sind sie sein großes Hobby und ein wichtiger Ausgleich zum anstrengenden Job. Der 59-Jährige ist seit 1994 Geschäftsführer der EAB GmbH, plant und projektiert technische Anlagen für industrielle Kraftwerke. Im Heizkraftwerk Mitte hat EAB zum Beispiel für die Heißwassererzeuger die E- und Leittechnik geplant.

„Die Bienen sind für mich zu einem Ruhepol geworden“, sagt er. „Auch wenn es im Bienenstock emsig zugeht, strahlen die Tiere Ruhe und Gemütlichkeit aus. Da murrt keiner, alle machen ihren Job. Und sie überleben nur als Gemeinschaft. Da kann sich der Mensch durchaus eine Scheibe abschneiden.“

Auf gute Nachbarschaft. Süße Honigdame kontrolliert ihr neues Zuhause auf dem Kraftwerksgelände. Foto: Vattenfall

Auf gute Nachbarschaft. Süße Honigdame kontrolliert ihr neues Zuhause auf dem Kraftwerksgelände. Foto: Imker Kuß

Besonders fasziniert ist er immer wieder vom Tanzritual der Erkundungsbienen: „Kommen sie zurück und sind vom Standort begeistert, dann tanzen sie. Ein wirklich beeindruckendes Schauspiel“, schwärmt er und hofft, dass es in den Vattenfall Heizkraftwerken viele dieser Freudentänze geben wird und die Bienen von ihrem neuen Zuhause ebenso begeistert sind wie er.

„Ich bin froh, dass mir Vattenfall die Möglichkeit bietet, meine Bienenvölker an ihren Standorten anzusiedeln. Hier sind sie sicher, geschützt, können fleißig arbeiten und ungestört Honig produzieren.“ Rund 30 bis 40 Kilo sind es pro Volk.

 

Bienenschutz ist Umweltschutz

Gunther Müller, Vorstand der Vattenfall Europe Wärme AG, sieht die kleinen Anwohner im größeren Kontext: „Bienenschutz ist Umweltschutz. Und Bienen brauchen derzeit menschliche Unterstützung. Da wir Energie an vielen Orten in Berlin erzeugen, können wir den Tieren ein geschütztes, naturnahes Zuhause bieten“. Bereits seit drei Jahren arbeitet das Unternehmen eng mit Imker Kuß zusammen.

Schon im Jahr 2012 schwirrten hier die ersten Bienen über das Gelände des Heizkraftwerkes in Buch. 700 Gläser qualitativ hochwertigen Honig haben sie hier produziert. Foto: Vattenfall

Schon im Jahr 2012 schwirrten hier die ersten Bienen über das Gelände des Heizkraftwerkes in Buch. Foto: Imker Kuß

Die ersten Bienen schwirrten 2012 über das Gelände des Heizkraftwerkes in Buch. Der Standort war für die Bienen ideal. Sie produzierten 700 Gläser Honig, der hohen Qualitätsanforderungen entsprach. Das bescheinigte die Prüfstelle in Hohen-Neuendorf. Und das freute auch die Anwohner, die zum Beispiel beim Tag der offenen Tür nicht nur Honig schlecken, sondern auch hinter die Kulissen der fleißigen Sammlerinnen schauen konnten. „Für uns war dieser Erfolg Anlass, auch an anderen Standorten in Berlin Bienenvölker anzusiedeln und damit die grüne Metropole Berlin zu stärken“, so Gunther Müller.

Wilfried Kuß
Experte
19. Juni 2015

Ich bin seit rund 25 Jahren Hobby-Imker. Gegenwärtig kümmere ich mich um 16 Leistungsvölker mit je rund 40.000 Bienen. Rund acht Völker kommen durch Brutableger in diesem Jahr noch hinzu. Ich bin Mitglied im Imkerverein Reinickendorf/Mitte. Und wenn ich mich nicht um die Bienen kümmere, widme ich mich meinem Beruf: Ich habe an der TFH Berlin (heute Beuth Hochschule) Starkstromtechnik studiert und plane als Diplom-Ingenieur seit 1980 elektro- und leittechnische Anlagen überwiegend für den Kraftwerksbau.

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