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1. April 2015
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Dantysk: Pionierarbeit und ständiger Lernprozess

Ende des Monats wird der Offshore-Windpark DanTysk offiziell in Betrieb genommen. Doch wie fing eigentlich alles an? Was waren die Highlights? Wir werden im April jede Woche hinter die Kulissen des Projektes schauen. Zu Beginn sprechen wir mit Thomas Hellmund, Project Manager Site Assessment and Permit Execution bei Vattenfall. Er ist im DanTysk-Team ein Mann der ersten Stunde und blickt zurück auf den Start des Projekts, das wir im Anschluss weiter beschreiben.

Als Vattenfall im April 2007 das Projekt „DanTysk“ von der Gesellschaft für Energie und Oekologie mbH (GEO) übernahm – was genau kaufte das Unternehmen da eigentlich?

Dantysk_Karte

Die Lage des Windparks vor der Küste Deutschlands und Dänemarks, Grafik: Vattenfall

Thomas Hellmund: Erworben hat Vattenfall eine Bau- und Betriebsgenehmigung für einen Offshore-Windpark im Baugebiet der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), direkt an der Grenze zu Dänemark – daher übrigens auch der Name DanTysk: ‚Dan‘ für Danmark und ‚Tysk‘ für Tyskland, dänisch für Deutschland – und damit das Recht, dort 80 Windenergieanlagen, ein Umspannwerk sowie eine Wohnplattform zu errichten. Das war der Auftakt des Projekts DanTysk bei Vattenfall.

Auf welchem Stand war man damals in Bezug auf das Offshore-Geschäft in Deutschland?

Thomas Hellmund:Wir steckten noch ziemlich in den Kinderschuhen. Es gab erste Erfahrungen aus der Beteiligung am Windpark ‚alpha ventus‘. Bei DanTysk sollte darauf aufbauend erstmals der Großteil der Planungs- und Entwicklungsarbeit für einen Offshore-Windpark unter der Leitung Vattenfalls stattfinden. Anfangs waren zwei Mitarbeiter für DanTysk zuständig. Das Team wuchs dann sukzessive mit den Aufgaben. In der Umsetzungsphase waren wir etwa 100 Mitarbeiter in Hamburg und Esbjerg.

„Bei DanTysk sollte erstmals der Großteil der Planungs- und Entwicklungsarbeit für einen Offshore-Windpark unter der Leitung Vattenfalls stattfinden.“

Was waren die ersten Schritte nach dem Erwerb der Genehmigung?

Thomas Hellmund: Zunächst haben wir uns auf die technische Projektentwicklung konzentriert. Sämtliche Rahmenbedingungen wie Wind, Wellen und Baugrund mussten gründlich geprüft und erkundet werden. Auf Basis dieser Informationen konnten wir das Design des Windparks entwerfen und damit beginnen, die Auftragnehmer für die wesentlichen Teilprojekte wie Fundamente, Windenergieanlagen, Schiffe, Verkabelung, Umspannwerk und Wohnplattform auszuwählen.

„Die konstruktive Zusammenarbeit hat sich bewährt und geht mit dem „Sandbank“-Projekt deshalb direkt in die nächste Runde.“

Wie kam es dazu, dass DanTysk 2010 ein Joint Venture mit den Stadtwerken München wurde?

Thomas Hellmund: Vattenfall hat für die Umsetzung des Projekts aktiv nach einem starken Partner gesucht. Die Stadtwerke München erwiesen sich hierbei sehr schnell als ideale Ergänzung. Beide Unternehmen setzen auf eine signifikante Reduzierung der CO2-Emissionen – in diese Strategie passt DanTysk natürlich hervorragend. Auch die konstruktive Zusammenarbeit hat sich bewährt und geht mit dem „Sandbank“-Projekt deshalb direkt in die nächste Runde.

Informationen rund um das Projekt:

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Die ersten Anlagen stehen 2014, Foto: Vattenfall/Paul Langrock

Wer vom Festland oder vom 70 Kilometer entfernten Sylt Richtung Horizont schaut, kann selbst bei bester Sicht keine der 80 Windenergieanlagen von DanTysk sehen. Erst wenn man sich dem Windpark per Schiff oder Hubschrauber nähert, wird seine Silhouette erkennbar. Die geschickte Anordnung der Turbinen über eine Gesamtfläche von 70 Quadratkilometern sorgt für eine optimale Windausbeute. Rund 800 bis 1.000 Meter sind die Turbinen im Windpark DanTysk voneinander entfernt. Übrigens: Hier steht auch Deutschlands nördlichste Windenergieanlage.

Von der Theorie in die Praxis

Ende 2012 ging die Genehmigungs- und Planungsphase in die praktische Umsetzung auf hoher See über: Die Offshore-Bauarbeiten begannen mit dem genannten Kolkschutz. Dabei wurde jeder der 80 Turbinenplätze mit einer Lage Schüttgestein auf dem Meeresboden befestigt, um die Standfestigkeit der Anlagen in der Betriebsphase sicherzustellen. Diese vorbereitenden Maßnahmen zur Installation der Gründungspfähle markierten zugleich den Auftakt zu einer gigantischen logistischen Herausforderung.

Logistische Meisterleistung

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Verladen der Turbinen, Foto: Vattenfall/Paul Langrock

Einen Offshore-Windpark zu errichten, bedeutet, eine enorme Vielzahl an Abläufen genau zu koordinieren. Technik, Maschinen und Menschen müssen immer genau dort sein, wo sie für den nächsten Arbeitsschritt benötigt werden. Es gilt, Einzelteile von großem Ausmaß zu montieren, zu verladen und am Einsatzort aufzubauen. Und all das in einem Umfeld, das von rauen und ständig wechselnden äußeren Rahmenbedingungen geprägt ist. An den Häfen und auf See zeigte sich, wie gut der zuvor bis ins Detail ausgetüftelte Masterplan in der Realität funktionierte.

TurbineSicher und standfest

Der Gründungspfahl mit der Nummer 75 war die Nummer 1: Am 28. Februar 2013 wurde er als erster der insgesamt 80 Monopiles in den sandigen Meeresboden des DanTysk-Baugebiets gerammt.

Die Windenergieanlagen ragen bis zu 148 Meter aus dem Wasser. Mit dieser Höhe können sie es damit locker mit den Bankentürmen der Skyline von Frankfurt am Main aufnehmen. Die Leistung der Turbinen beträgt jeweils 3,6 Megawatt. Im Zusammenwirken haben die 80 Anlagen das Potenzial, 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr zu produzieren: CO2-neutral und ausreichend für etwa 400.000 Haushalte.

 

Adern des Windparks

Kabeldurchschnitt, Quelle: Parker Scanrope AS

Kabeldurchschnitt, Quelle: Parker Scanrope AS

Erst die Innerparkverkabelung ermöglicht es, den auf See produzierten Strom von den Windenergieanlagen zum Offshore-Umspannwerk zu transportieren. Die Kabel haben eine Gesamtlänge von etwa 111 Kilometern, 10 bis 14 Zentimeter Durchmesser und rundherum eine Stahldrahtummantelung mit außenliegender Kunststoffschicht.

Zentrales Element des Windparks

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Die Netzplattform in der Werft, Foto Vattenfall/Lousberg

Durch die Kabel fließt der Strom von den Turbinen zum Herzen des Windparks: der Offshore-Umspannplattform. Sie bildet die Schnittstelle zum Weitertransport der Energie über das Seekabel zum Festland. Der Strom wird hier von 33 in 155 Kilovolt umgewandelt und anschließend zu einer Konverterstation weitergeleitet.

 

 

 

 

Fakten

  • Turbinen: 80 x 3,6-120 MW Siemens
  • Leistung: 288 MW
  • Jährliche Stromerzeugung: 1,3 TWh
  • Fläche: 70 km²
  • Entfernung von der Küste: 90 km (70 km vor Sylt)
  • Baubeginn: Februar 2013
  • Geplante Inbetriebnahme: April 2015
Thomas Hellmund
Experte
1. April 2015

2006 konnte ich nach meinem Ingenieursstudium der Umwelttechnik als Trainee bei Vattenfall in Berlin einsteigen. Seit 2007 bin ich Projektmanager bei den Offshore-Windprojekten DanTysk und Sandbank. Hier verantworte ich das Genehmigungsmanagement und die technischen Standort-Rahmenbedingungen wie Wind-, Wellen- und Bodenverhältnisse. Somit bin ich "ein Mann der ersten Stunde" in Bezug auf Vattenfalls Offshore-Aktivitäten.

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