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Der Elektrokessel im UW Karoline wird durch eine neue Power-to-Heat-Anlage ersetzt
Experte
10. April 2017
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Der Elektrokessel im Karoviertel – Fit für die Zukunft

Mit der Erneuerung eines Elektrokessels im Hamburger Karolinenviertel wird die Anlage zugleich fit für die Zukunft gemacht. Der Kessel wird nicht nur als kurzfristig und flexibel einsatzbereite Anlage in Spitzenlastzeiten Wärme erzeugen, sondern kann zukünftig sogar Windstrom in Wärme zum Heizen umwandeln. So kann die Nutzung fossiler Energien und somit auch CO2-Emissionen verringert werden.

Die Erneuerung des Elektrokessels ist Teil des Förderprogramms „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. In den Modellregionen werden in den nächsten Jahren erprobt, wie die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Energiewende aussehen müssen.

Einer der Schlüsselfaktoren dabei ist die Sektorenkopplung, also die Koppelung verschiedener Verbrauchssektoren wie Verkehr, Industrie und Wärme. Projektleiter Bernd Gross spricht über eine Baustelle mitten in der Stadt, den G20-Gipfel und die Erfolgsfaktoren für eine Energieerzeugung ohne fossile Energien.

Das Umspannwerk Karoline in der Hamburger Karolinenstraße wird zukünftig die Power-to-Heat Anlage beherbergen, Foto: Bengt Lange

Was macht dieses Projekt besonders – im Gegensatz zum Bau oder Modernisierung von anderen Anlagen im Stadtgebiet?

Da ist zum einen die Stadtlage. Das Verteil- und Abspannwerk, in dem sich die Anlage befindet, liegt an einer viel befahrenen Straße und grenzt direkt an das Wohngebiet Karolinenviertel an. Wir haben hier kaum Platz für die Baustelleneinrichtung und mussten leider auch schon abschleppen lassen. Das ist insgesamt eine logistische Herausforderung.  

Hinzukommt, dass wir im Juli 2017 dem G20-Gipfel Platz machen müssen. Während der Woche stehen praktisch alle Arbeiten still. Dann koordinieren wir die Arbeiten auch eng mit dem Hausherrn, der Stromnetz Hamburg GmbH. Von der Versorgung des Verteil- und Abspannwerkes hängen mehrere Stadtviertel ab.  

Was tut Vattenfall, um die Auswirkungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten?

Da der Umbau in einem Gebäude stattfindet, werden Beeinträchtigungen durch Staub oder Baulärm nicht stattfinden, jedenfalls nicht, wie man es von einer offenen Baustelle erwartet. Aber natürlich brauchen wir Platz für die Baucontainer; und es wird zeitweise mehr Lieferverkehr geben. Die Anwohner haben wir zu Projektbeginn bereits informiert. Mit der Elbkinder-Kita Karolinenstraße gegenüber stehen wir im persönlichen Kontakt. Mögliche Situationen können wir so gegebenenfalls direkt besprechen.

Die neue Anlage kann zukünftig Strom aus Wind in Wärme umwandeln …

…. ja, genau. Es ist geplant, die Anlage bei einem kurzfristigen Überangebot von Strom aus regenerativen Energien – insbesondere Windenergie aus Schleswig-Holstein – einzusetzen.

Die Anlage funktioniert wie ein Durchlauferhitzer, der überschüssigen Windstrom nutzt, um Wasser zu erwärmen, das dann in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Dadurch verringern wir die Nutzung fossiler Energien zur Wärmeerzeugung und reduzieren gleichzeitig die CO2-Emissionen. Zudem wird damit Strom genutzt, der sonst bei bestimmten Bedingungen zwar vom Verbraucher bezahlt, aber gar nicht erzeugt worden wäre.

Das Projekt ist Teil des Programms SINTEG. Was bedeutet das?

Hinter SINTEG verbirgt sich das „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“. Mit dieser Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums soll eine regulatorische Landschaft geschaffen werden, in der die Energiewende auch tatsächlich verwirklicht werden kann. Dabei geht es in der Modellregion Norddeutschland vor allem um die Integration von Windenergie. Schließlich müssen für eine erfolgreiche Energiewende alle erneuerbaren Anlagen miteinander vernetzt sein.

Stichwort Sektorenkopplung – ist das ein Schlüsselfaktor?

Wir müssen es auch erreichen, die einzelnen Verbrauchssektoren wie Verkehr, Haushalte, Industrie und Wärme miteinander zu verbinden. Das heißt, dass erneuerbarer Strom immer mehr auch für die Wärmeerzeugung oder für industrielle Prozesse genutzt werden soll, bei denen bisher fossile Energien eingesetzt wurden. Am Beispiel des E-Boilers können wir herausfinden, wie unter anderem die gesetzlichen Rahmenbedingungen angepasst werden müssen. Wir sind zuversichtlich, dass dieser Prozess auf einem guten Weg ist.

Was ist als nächstes geplant?

Zurzeit sind wir schon gut beschäftigt. Der alte Kessel wird gerade mittels Trennschweissen zurückgebaut, als nächstes kommt dann die Bautechnik für erforderliche Durchbrüche und neue Wände. Der neue Kessel wird voraussichtlich im Sommer angeliefert. Dann werden wir auch mit der Anlagentechnik, z.B. der Verrohrung, starten. Der Trafo – immerhin ein 60-Tonnen-Aggregat – soll im Herbst kommen. Insgesamt wollen wir im Sommer 2018 fertig sein.

Links

Webseite Elektrokessel Karoline

Mehr zum Programm SINTEG

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Bernd Gross
Experte
10. April 2017

In wechselnden Teams bin ich seit 2010 bei Vattenfall – und habe meist in Projekten für Erzeugungsanlagen gearbeitet. Davor habe ich viele Erfahrungen im Bereich der Erneuerbaren Energien sammeln können, z.B. als Betriebsleiter für ein Biomasseheizkraftwerk. Seit Mitte letzten Jahres bin ich Projektleiter in einem engagierten und schlagkräftigen Team für die „Erneuerung Elektrokessel Karoline“. Das Spannende an Projekten ist die Zusammenarbeit – ohne ein Miteinander der Menschen kommt die Technik nicht voran – nur so lassen sich Probleme, Kosten- und Termindruck bewältigen. Beim Projekt Karoline – immerhin Vattenfalls ältester Energiestandort in Hamburg - bin ich gern vor Ort unterwegs.

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