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25. April 2015
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Die Gesichter der Braunkohledemo

Deutschland diskutiert und protestiert. Anlass ist die geplante so genannte Klimaabgabe. Am 25. April gingen auf zwei Veranstaltungen mehrere tausend Bundesbürger auf die Straße.

Die Motivation hinter den beiden Veranstaltungen kann kaum unterschiedlicher sein. Die einen bilden eine Anti-Kohle-Kette quer durch den Braunkohletagebau Garzweiler II, um für den Stopp der Kohlebagger und der Klimakiller ein Zeichen zu setzen. Die anderen treffen sich in Berlin, um sich gegen den sozialen Blackout ganzer Regionen zu  wehren. Ich habe mich in Berlin einmal auf der Straße umgehört und stelle Ihnen hier einige der Demonstranten und ihre Motivation vor:

„Meine Forderung ist, die Energiewende intelligent zu gestalten. Und nicht voreilig in der Energiewende zu handeln. Zurzeit geht es ohne konventionelle Kraftwerke nicht.“ Dirk Zapf

Robert Räcow und Angelika Römgens sind aus Kerpen. Er ist Azubi im 1. Lehrjahr als Vermessungstechniker, sie lernt Kauffrau für Bürokommunikation im 3. Lehrjahr, beide bei RWE.

Robert Räcow und Angelika Römgens sind aus Kerpen. Er ist Azubi im 1. Lehrjahr als Vermessungstechniker, sie lernt Kauffrau für Bürokommunikation im 3. Lehrjahr, beide bei RWE.

 „Ich bin heute hier um für unseren Arbeitsplatz zu demonstrieren. Dass die Politik einsieht, dass rund 30.000 Arbeitsplätze gefährdet sind. Und das auch in Zukunft die Geschwister von mir einen sicheren Arbeitsplatz haben, wenn Sie bei RWE sich bewerben.“  Robert Räcow
„Ich bin hier um für die Arbeitsplätze zu demonstrieren und für eine gute Ausbildung mit guten Chancen bei RWE.“  Angelika Römgens

Ralf Liebchen aus Weiweiler vom Stahlbau Trepel, zurzeit im Kraftwerk Weiswasser eingesetzt als Partnerfirma der RWE

Ralf Liebchen aus Weiweiler vom Stahlbau Trepel, zurzeit im Kraftwerk Weisweiler eingesetzt als Partnerfirma der RWE

„Auch Fremdfirmen bauchen ihren Arbeitsplatz in der Zukunft bei RWE, deshalb bin ich hier.“ Ralf Liebchen

Martin Charlupsky von RWE Ceskà Republika 2.v.r.) ist mit 80 Kollegen aus Prag und Ostrava aus Tschechen dabei.

Martin Charlupsky von RWE Ceskà Republika 2.v.r.) ist mit 80 Kollegen aus Prag und Ostrava aus Tschechen dabei.

„Wir möchten Solidarität zeigen. Weil wir ein Konzern sind. Wenn die Kollegen die Arbeitsplätze hier verlieren, dann können wir in Tschechien auch negative Effekte erwarten. Das bedeutet, negative Effekte durch die Entscheidungen der Bundesregierung Deutschlands zeigen sich auch bald in Tschechien. Jede Entscheidung betrifft die Branche in ganz Europa.“ Martin Charlupsky

Horst Wetzel ist Rentner und Anwohner des zukünftigen Tagebaus Jänschwalde Nord

Horst Wetzel ist Rentner und Anwohner des zukünftigen Tagebaus Jänschwalde Nord„

Ich habe es wie viele andere satt, von der grünen Politik vorangetrieben zu werden. Ich habe selbst 15 Jahre Projektarbeit im Bereich der Erneuerbaren gemacht und weiß, dass die Stromversorgung nur mit fluktuierenden Energieträgern nicht geht.  Das Stichwort ist Dunkelflaute, wenn es also dunkel ist und kein Wind weht.
1989 hatten wir rund 300 Millionen Tonnen Braunkohle, heute werden in Ostdeutschland noch etwa 65 bis 70 Millionen Tonnen genutzt. Die Differenz von 230 Millionen entspricht etwa der Menge CO2, mit der Deutschland aktuell in die Wertung geht, die 25 Prozent Einsparung, die immer ausgewiesen wird. Alles nachzulesen in diesem Blog .“ Horst Wetzel

Holger Sattler kommt aus Höhenmölsen und arbeitet für die Mibrag, Mitteldeutsches Revier. Er ist zusammen mit 1.400 Kollegen in Bussen angereist.

Holger Sattler kommt aus Höhenmölsen und arbeitet für die Mibrag, Mitteldeutsches Revier. Er ist zusammen mit 1.400 Kollegen in Bussen angereist.

Ich bin für den Erhalt des Mitteldeutschen Reviers, in unserer Region sind wir der größte Arbeitgeber. Nach der Wende haben schon viele Betriebe geschlossen. Und wenn jetzt noch die Braunkohle wegfällt, dann ist das zarte Pflänzchen der Industrialisierung bei uns wieder weg. Viele Ausländer kommen auch zu uns. Wenn man die wirtschaftliche Grundlage hier entzieht, werden die sozialen Spannungen größer. Dann wäre das Ziel, dass die Politik hat, dass es für die Heimat eine Zukunft geben soll, gefährdet. Wir als Bergleute sind Kumpels und stehen zu unserem Wort. In Sachsen-Anhalt haben wir schon mehr als die geforderten 40 Prozent gebracht.
Höhenmölsen ist ca. zu 99 Prozent an die Fernwärme angeschlossen. Das ist ein gutes Konzept, aber es müsste beim Ausstieg alles umgestellt werden. Das ist nicht sinnvoll.“ Holger Sattler

smid

Karsten Smid ist Greenpeace-Aktivist und während ein paar seiner Kollegen ein Plakat gehisst haben und an der Fassade baumeln, ist er mit einer Handvoll Kollegen mitten in der Menge am Diskutieren.

„Wir sind hier, weil wir für Jobs mit Zukunft sind. Und die Erneuerbaren Energien bringen solche Jobs. Die Zukunft lässt sich nicht aufhalten, sie lässt sich gestalten und darüber wollen wir mit den Gewerkschaften reden.“ Karsten Smid

Reinhold Laurich, vom Rheinischen Revier RWE Power aus Bergheim bei Köln. Die Wasserwirtschaft hat dort 600 Mitarbeiter, ca. 500 sind mit in Berlin dabei.

Reinhold Laurich, vom Rheinischen Revier RWE Power aus Bergheim bei Köln. Die Wasserwirtschaft hat dort 600 Mitarbeiter, ca. 500 sind mit in Berlin dabei.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass Herr Gabriel gar nicht weiß, was er da macht, er wird von dem Herrn Baake beeinflusst. Er will eigentlich Bundeskanzler werden und das geht nur mit den Grünen, dafür ist er bereit, die Bergleute zu opfern.“

Harald Simonsen (2. v. r.) kommt vom Technikzentrum Frechen im Rheinischen Revier von RWE. Er ist mit ca. 500 Kollegen da.

Harald Simonsen (2. v. r.) kommt vom Technikzentrum Frechen im Rheinischen Revier von RWE. Er ist mit ca. 500 Kollegen da.

„Ich bin zwar über 50 Jahre alt, aber ich habe trotzdem Angst um meinen Arbeitsplatz. Die Veränderungen, die uns erwarten würden, wenn alles so kommt, sind bedrohlich für uns.“

Jörg Leonhardt ist mit seiner Abteilung von 10 Mann aus dem Kraftwerk Niederau0em, Bergheim bei Köln dabei.

Jörg Leonhardt ist mit seiner Abteilung von 10 Mann aus dem Kraftwerk Niederau0em, Bergheim bei Köln dabei.

„Ich bin hier, weil die Politik uns vergackeiert. Sie erzählen uns was vom Ökostrom und wenn der nicht da ist, kaufen wir den dreckigen Strom aus dem Ausland ein und unsere Kraftwerke schließen wir. Auch mit den Atomkraftwerken ist es das gleiche: wir müssen zu machen und hinter der Grenze werden Neue gebaut. Das passt doch nicht.“ Jörg Leonhardt

Caren Lehmann arbeitet bei Vattenfall Europe Information Services in Cottbus. Sie ist dort Betriebsrätin. Viele Kollegen sind mitgekommen – wie Angelika Konschak, Bärbel Trieb und Holger Hennig.

Caren Lehmann arbeitet bei Vattenfall Europe Information Services in Cottbus. Sie ist dort Betriebsrätin. Viele Kollegen sind mitgekommen – wie Angelika Konschak, Bärbel Trieb und Holger Hennig.

„Ich bin hier, weil ich für die Kohle bin. Schon die dritte Generation arbeitet in meiner Familie für die Kohle, mein Sohn ist auch bei Vattenfall. Im Moment ist die Kohle das preisgünstigste und sicherste.“ Caren Lehmann

„Aber eigentlich sind wir hier, weil das gesamte Gebiet  am Aussterben ist. Von der Regierung wird ja keine Umstrukturierung aufgebaut, so wird es einen Blackout geben. Wir sind für den Erhalt der Region. Wenn Ausstieg, dann geplant, mit Ansiedlung anderer Industrien und Arbeitsplätzen. Unsere Kinder wissen sonst nicht, wo sie ihre Lehre machen sollen.“ Angelika Konschak

„Und ich möchte, dass Gabriel wahrnimmt, dass kein CO2 eingespart wird, wenn hier alles geschlossen wird. Dann freuen sich die Nachbarn in Tschechien und Polen.“  Holger Henning

Dirk Zapf arbeitet im Steinkohlekraftwerk Völklingen Wenne von der Steag Power Saar. Er ist zusammen mit 100 Leuten angereist.

Dirk Zapf arbeitet im Steinkohlekraftwerk Völklingen Wenne von der Steag Power Saar. Er ist zusammen mit 100 Leuten angereist.

„Meine Forderung ist, die Energiewende intelligent zu gestalten. Und nicht voreilig in der Energiewende zu handeln. Zurzeit geht es ohne konventionelle Kraftwerke nicht.“ Dirk Zapf

Thomas Weidisch kommt aus Rating und arbeitet bei einem Zulieferer für die Borsig Baustellen GmbH

Thomas Weidisch kommt aus Rating und arbeitet bei einem Zulieferer für die Borsig Baustellen GmbH

 „Um unseren wichtigsten Kunden zu unterstützen und deren Arbeitsplätze und natürlich auch unsere zu sichern. Borsig macht die Instandhaltung der RWE Kraftwerke. Wir sind ein Werkzeugzulieferer und mit 5 Leuten dort am Arbeiten.“ Thomas Weidisch

Von Vattenfall aus Hamburg ist eine Delegation von 25 Kollegen mit dem Bus vor Ort. Michael Hoepfner-Denecke von der Vattenfall Nuclear Energy ist einer von Ihnen, Christian Wystub von der Fernwärme ein anderer.

Von Vattenfall aus Hamburg ist eine Delegation von 25 Kollegen mit dem Bus vor Ort. Michael Hoepfner-Denecke von der Vattenfall Nuclear Energy ist einer von Ihnen, Christian Wystub von der Fernwärme ein anderer.

„Natürlich sind wir aus Solidarität mit den Kollegen aus der Lausitz hier. Das Thema ist natürlich auch, dass wir aus der Kernenergie heraus fürchten, dass die Entwertung der Braunkohle auch Konsequenzen für uns hat.“ Michael Hoepfner-Denecke

„Es hat alles miteinander zu tun. Wenn es der Lausitz schlecht geht, sind wir alle die Leidtragenden.“ Christian Wystub

Da ich nur an einem Platz zur selben Zeit sein kann, hier ein paar Links zur Anti-Kohlekette: rp-online, Zeit

Hintergrund

Mitte März hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in einem Eckpunkte-Papier gefordert, die ältesten und klimaschädlichsten Kraftwerke in Deutschland mit einer Abgabe zu versehen. Die Pressemitteilung und damit alles weitere Material des Bundeswirtschaftsministeriums finden Sie hier.

 

Daniela Sasonow
Experte
25. April 2015

Für Vattenfall arbeite ich seit 2000 in der Kommunikation. Im Rahmen des Social Media Projektes habe ich diesen Blog mit aufgebaut. An meinem Job reizt mich die Themenvielfalt, die das Unternehmen bietet. Auch nach Jahren gibt es immer noch völlig neue Themen für mich zu entdecken, neue Menschen kennenzulernen und Aspekte zu durchdenken. Kommen Sie mit auf die Themenreise, ich freue mich auf Ihre Anregungen und Kommentare.

  • D. Müller

    Hm, sehr viele Zitate – z.T. mit verschwörungstheoretischem Klang – von Braunkohlebefürwortern (immerhin hängt ja das eigene Einkommen daran), gegen ein knappes Statement des Greenpeace-Aktivisten. Wirkt doch sehr einseitig auf mich. Fast lustig auch das: „Ich habe es wie viele andere satt, von der grünen Politik vorangetrieben zu werden.“ Soweit ich weiss werden wir seit 10 Jahren maßgeblich von der CDU in verschiedenen Koalitionen regiert.
    Ich wünsche mir hier mehr REALITÄTSSINN, das würde wohl auch insgesamt überzeugender ankommen.