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Elektronikerinnen für Betriebstechnik in der Ausbildung
Experte
31. August 2016
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Digitalisierung erobert die Berufsausbildung

Das neue Ausbildungsjahr startet am 1. September. Neu auf dem Lehrplan steht dabei das digitale Lernen. Bei Vattenfall in Berlin sind 94 Auszubildende und duale Studenten neu an Bord. Insgesamt ca. 350 Auszubildende und duale Studenten bildet Vattenfall am Standort Berlin aus.

Rund 350 Auszubildende und duale Studenten starten am 1. September 2016 bei Vattenfall in Berlin in ein neues Ausbildungsjahr. 94 Azubis und duale Studenten sind neu an Bord. Und für all diese Fachkräfte von morgen steht eine gemeinsame Aufgabe im Lehrplan: digitales Lernen. Wie Digitalisierung immer mehr die Berufsausbildung erobert, erklärt Harry Budwilowitz, Leiter des Ausbildungszentrums in der Naumburger Straße in Neukölln:

Lorenzo Patsch, Dipl.-Ing. für Elektrotechnik und re. Klaus Drasdo Ausbilder bei Vattenfall für Elektroniker für Betriebstechnik, Foto: Vattenfall

Lorenzo Patsch, Dipl.-Ing. für Elektrotechnik und (re.) Klaus Drasdo Ausbilder bei Vattenfall für Elektroniker für Betriebstechnik, Foto: Vattenfall

Kreidetafel und Computerräume, waren gestern, von E- Learning spricht kaum noch jemand, heute ist die Berufsausbildung digital. Was verstehen Sie darunter?

Digitale Bildung beschreibt den gesamten Lernprozess unter Nutzung der digitalen Medien. Ohne sie geht nichts mehr. Anders als bei der Aneignung von reinem Fachwissen kann die Fachkompetenz für den Umgang mit digitalen Medien nicht einmalig erworben werden. Das Wissen auf diesem Gebiet muss aufgrund der ständigen technologischen Entwicklung kontinuierlich angepasst werden. Um mit der sich rasant entwickelnden digitalen und damit auch vernetzten Arbeitswelt mitzuhalten, müssen wir alle modernen technischen und technologischen Möglichkeiten in die Ausbildung intergieren.

Doch oft heißt es, Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe hätten den Anschluss im Umgang mit der Digitalisierung verpasst. Ist bei Ihnen die Ausbildung auf der Höhe der Zeit?

Auszubildende im Hightech-Labor, Foto: Vattenfall

Auszubildende im Hightech-Labor, Foto: Vattenfall

Wir haben unser Ausbildungsportfolio 2015 angepasst und 20 technische Auszubildende mehr eingestellt. Beim Ausbau der Ausbildungswerkstätten haben wir in modernstes Ausbildungsequipment investiert und somit auch in digitale Medien. Die Digitalisierung der Ausbildung findet sich bereits in der Ausbildungsordnung wieder und wir passen unsere Rahmenbedingungen der Ausbildung immer mehr der digitalen Arbeitswelt in unserem Unternehmen an. Das heißt, unsere Ausbildung ist sehr praxisnah und an die Prozesse des Unternehmens orientiert. Nicht zuletzt zeigen 3.400 Bewerbungen, dass unser Unternehmen in der Ausbildung einen sehr guten Ruf genießt.

Wie schaut praxisnahe Ausbildung konkret aus?

Wir starten mit unseren Auszubildenden am 1. September auch mit neuen Werkstattausstattungen und neuen Laborraumausstattungen ins neue Ausbildungsjahr und somit mit modernsten Lernsystemen und -modulen sowie Netzwerktechnik. Dort können die Auszubildenden Produktions- und Arbeitsprozesse simulieren sowie auf den Einsatz neuer Technologien passende Antworten finden. An Notebooks arbeiten sie intensiv mit Programmen der Steuerungs- und Regelungstechnik, die sich vor allem mit der Modellierung, Analyse und Visualisierung von Prozessen und Systemen befasst. Der reale Bezug wird dann bei den Praxiseinsätzen in den Bereichen des Unternehmens hergestellt und angewandt.

Klingt ein bisschen so, als werden Auszubildende heute zu digitalen Alles-Könnern ausgebildet? 

Sonja Lorenz (li.) und Sarah Peter: werdende Elektronikerinnen für Betriebstechnik, Foto: Vattenfall

Sonja Lorenz (li.) und Sarah Peter: werdende Elektronikerinnen für Betriebstechnik, Foto: Vattenfall

Es geht darum, die derzeitigen digitalen Qualifikationsanforderungen des Unternehmens und die Anforderungen von morgen zu erkennen und in den Ausbildungsprozess zu integrieren. Die Auszubildenden müssen mit der nötigen Medienkompetenz ausgestattet werden und die notwendigen IT Programme bedienen und steuern. Das war vor Jahren noch anders und der Umfang, den die Auszubildenden mit digitalen Medien zu Recherche, Kommunikations-, Lern- und Arbeitszwecken verbringen, ist enorm angestiegen. Auch smarte Technologien wie die intelligente Netzsteuerung halten immer mehr Einzug ins Arbeitsleben. Hier geht es ums Vernetzen und Kommunizieren und darum, Daten digital zu übertragen, zuverlässig zu verwalten und zu überwachen. Somit werden die Herausforderungen und die Entwicklung die die Ausbildung erfährt nicht kleiner.

Bedarf es aufgrund der Digitalisierung neuer Berufsbilder?

Diese Thematik wird schon seit einigen Jahre diskutiert. Eine Berufsfeldanalyse vom Bundesinstitut für Berufsbildung aus dem Jahre 2014, dessen Expertenteam ich ebenfalls angehörte, kam zu dem Schluss, dass alle Elektroberufe zu diesem Zeitpunkt ihre Daseinsberechtigung hatten. Doch die ständige Veränderung von Produktions- und Arbeitsprozessen sowie der Wandel neuer Technologien lässt das Thema nicht ruhen, ist aktueller denn je und wird weiterhin vom Bundesinstitut für Berufsbildung behandelt und untersucht.  

Wie steht es um die Ausbilder? Sind sie fit für die digitale Ausbildung ihrer Schützlinge?

So wie sich die Fachkräfte in der Industrie weiterbilden, bilden sich auch unsere Ausbilder kontinuierlich und mit großem Engagement fort. Sie müssen immer auf dem Stand der neuesten Technik sein, um diese weiter zu vermitteln. Zudem kennen sie sich in den Kraftwerken und auch im Netzbereich bestens aus, wissen was dort ansteht und gefordert wird. Und mit einem Durchschnittsalter unserer Kollegen von 49 Jahren haben wir ein sehr ausgewogenes Ausbilder-Team. Mit Constanze Wruck – sie ist gerade mal 25 Jahre – haben wir seit einem Jahr in Berlin auch erstmals eine weibliche technische Ausbilderin für Mechatroniker und Industriemechaniker. Doch ob jung oder alt – unser Ziel ist hochqualifizierter Nachwuchs für eine digitale Arbeitswelt.

Mehr Informationen

Vattenfall Karriere
Blog-Artikel: Ausbildung ist nur eine Grundlage

 

 

 

Harry Budwilowitz
Experte
31. August 2016

Im Instandhaltungsbereich des Heizkraftwerks Reuter West habe ich 1987 meine Unternehmenslaufbahn begonnen. Zehn Jahre später wechselte ich in den Ausbildungsbereich und war dort unter anderem als Koordinator für die technische Ausbildung zuständig. Im Jahr 2010 übernahm ich die Leitung der Ausbildung in Berlin. Seitdem sorge ich für den qualifizierten Nachwuchs für Vattenfall in der Hauptstadt.

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