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Die Große Schwinge der Förderbrücke F60
Experte
12. September 2016
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Fitnesskur für die Förderbrücke F60

Es tut sich was im Tagebau Nochten: Nach über 40 Jahren Einsatz erhält die Förderbrücke F60 eine Fitnesskur. Die Modernisierung mit riesigen Dimensionen läuft seit Anfang Juni; Höhepunkt ist der Austausch der Großen Schwinge und des darüberliegenden Rolltisches.
03.09.2016 F 60 ohne Schwinge, Foto: Vattenfall

03.09.2016 F 60 ohne Schwinge, Foto: Vattenfall

Grell-orange leuchtet die Hilfskonstruktion inmitten der Förderbrücke F60 im Tagebau Nochten. Wie ein Fensterrahmen umrandet sie die entstandene Lücke, in der sich noch vor wenigen Wochen der Rollentisch und die Große Schwinge befanden.

Tonnenschwere Bauteile werden ausgetauscht

10.08.2016 Abtransport Rollentisch, Foto: Vattenfall

10.08.2016 Abtransport Rollentisch, Foto: Vattenfall

Der 240 Tonnen-schwere Rollentisch ist bereits seit 14 Tagen demontiert. „Dafür musste die Brücke auf der Baggerseite um einen halben Meter angehoben werden“, erklärt Projektleiter Rene Zimpel. Parallel liefen die Vorbereitungen zum Austausch der Großen Schwinge. „Hier haben die Arbeiter in den letzten vier Wochen Stahlteile von circa 450 Tonnen zusammengefügt. Das gibt es auch nicht alle Tage.“ Für die Stahlbeton-Fundamente wurden 450 m³ Beton aus 56 Mischern vergossen. 28 Betonelemente unter der Gleisanlage sollen die Hilfskonstruktion abstützen. Sie wiegen 490 Tonnen.

Mit sechs Kilometern pro Stunde zum Zielort

Die neue große Schwinge der Förderbrücke F 60, Foto: Vattenfall

Die neue Große Schwinge der Förderbrücke F 60, Foto: Vattenfall

Ein weiteres Highlight für den Maschinenbauer war die Ankunft der neuen Großen Schwinge. Wegen ihrer 315 Tonnen musste sie von zwei großen Kränen an die richtige Stelle gehievt werden. Eine Stunde habe der Transport mit einem speziellen Schwerlastmodul gedauert – bei einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde. „Das war beeindruckend, was heute technisch alles möglich ist“, staunt Zimpel. „Ich habe zum ersten Mal einen solchen Schwerlasttransport live gesehen und es ist alles nach Plan gelaufen.“ Aktuell läuft der Einbau der Großen Schwinge. Die Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr an dem Großprojekt.

Ingenieurskunst vom Feinsten

Bereits seit 2012 laufen die umfangreichen Vorbereitungen für die Fitnesskur. Außerdem galt es, für die erforderliche Stillstandszeit von 13 Wochen, die Versorgung der Lausitzer Kraftwerke zu sichern. „Wir beeinflussen die Gesamtplanung des Reviers“, so Zimpel. „Ich bin deshalb glücklich, dass wir bis heute wirklich zügig durchgekommen sind. Die Rechnung ist aufgegangen. Zahlreiche Ingenieure haben zwei Jahre lang geplant und die 1.000 Seiten-umfassende Technologie haut bis heute fast auf den Punkt genau hin. Hut ab vor dieser Leistung.“

Hintergrund:
Seit 1974 ist die Förderbrücke F60 in Betrieb. 3,6 Milliarden Kubikmeter Abraum wurden seither über ihre Bänder gefördert. 800 Millionen Tonnen Braunkohle legte die riesige Anlage frei. Ihre Laufzeit war ursprünglich auf 40 Jahre konzipiert. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder technische Anpassungen. Dies hat zu einer Erhöhung der Eigenlast der gesamten Brücke geführt. Um einen sicheren Einsatz zu gewährleisten, wurde die Brücke statisch neu betrachtet. Zudem soll das Risiko minimiert werden, dass der Stahl aufgrund der langen Einsatzzeit bei extrem tiefen Temperaturen spröde werden und brechen könnte. Das Projekt wird hauptsächlich in Zusammenarbeit mit Firmen aus der Region wie TAKRAF Lauchhammer, PST Plauen, DFA Meerane, ABB Cottbus, Actemium Schwarze Pumpe und vielen mehr realisiert. Der jetzt laufende Austausch der Großen Schwinge und des darüber liegenden Rollentisches ist die Kür der Übung. Die Arbeiten sollen Ende Oktober abgeschlossen sein.
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02.09.2016 Die alte und die neue große Schwinge der Förderbrücke F 60
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René Zimpel
Experte
12. September 2016

Förderbrücken sind die größten Geräte im Tagebau der Lausitz. Seit 2007 kümmere ich mich um die technischen Riesen. Mein Einsatzort ist das technische Büro in Schwarze Pumpe. Hier war ich schon als Trainee nach meinem Maschienenbaustudium. Die Fitnesskur für die Förderbrücke im Tagebau Nochten ist in diesem Umfang ein einzigartiges Projekt, das wir gemeinsam mit vielen regionalen Vertragspartnern – häuptsächlich aus Sachsen und Brandenburg - stemmen.

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