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Offshore-Windpark
Experte
3. Juni 2016
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Frischer Wind im Wettbewerb

Deutschland debattiert die Zukunft der erneuerbaren Energien und einen Paradigmenwechsel bei deren Förderung. Die geplante Reform des EEG soll die Kostendynamik durchbrechen und die erneuerbaren Energien planbar und verlässlich ausbauen.

Die Offshore-Windenergie ist ein wichtiger strategischer Baustein in der Energie- und Klimapolitik Deutschlands. Gemäß den Zielen der Bundesregierung sollen in deutschen Gewässern bis zum Jahr 2020 6.500 Megawatt (MW) und bis zum Jahr 2030 15.000 MW Windenergie-Leistung errichtet werden. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2014 hat diese Ausbauziele bereits aufgegriffen. Sie schafft durch eine Steuerung des Ausbaus bis 2030 Planungssicherheit für eine Industrialisierung der Offshore-Windenergie. Diese verbindlichen Vorgaben machen die Kosten für den Verbraucher abschätzbar und geben sowohl Betreibern als auch Investoren Planungssicherheit.

Das neue EEG begünstigt Trend zur Kostensenkung

DanTysk Offshore-Windpark

Der Offshore Windpark DanTysk, Foto: Vattenfall

Mit einer verstärkt wettbewerblichen Förderung wie sie jetzt in der EEG Reform geplant ist, soll dieser Weg fortgesetzt werden. Unsere Nachbarn in Dänemark und den Niederlanden zeigen bereits heute, dass die Kosten für die Stromerzeugung aus Meereswind deutlich gesenkt werden können. Beide Länder haben klare Ziele für den Ausbau von Offshore-Wind definiert und setzen dabei konsequent auf das Marktinstrument der zentralen Ausschreibung. Und der Erfolg gibt diesem Modell Recht.

Auch Vattenfall setzt bei seinem auf Offshore fokussierten Windbereich auf das Kostensenkungspotenzial. „Wir wollen weiter wachsen. Das ist jedoch von den Rahmenbedingungen abhängig“, sagt Groebler, Chef der Windsparte bei Vattenfall. Die Novellierung sieht er deshalb auch als notwendig und richtig an. „Das EEG begünstigt vor allem einen notwendigen Trend, nämlich den Trend zur Kostensenkung.“

Ausschreibung führt zum kostengünstigsten Offshore-Projekt

Bereits im Februar 2015 konnte Vattenfall die Ausschreibung für den dänischen Offshore-Windpark Horns Rev 3 gewinnen. Mit einer Förderhöhe von 102 EUR pro MWh für die ersten 12 Jahre. Auf die gesamte Betriebszeit von Horns Rev 3 gerechnet, führt dies zu einem Preis von etwa 85 EUR pro erzeugter MWh. Damit ist Horns Rev 3 das bis dato kostengünstigste Offshore-Projekt, das Vattenfall realisiert.

Ein Blick in die Nachbarländer zeigt nach Groeblers Ansicht, dass Offshore-Windanlagen noch kostengünstiger werden können. Doch in Deutschland werden die Vorteile eines solchen Verfahrens bislang nicht konsequent genutzt. Der Grund liegt im aktuellen Verfahrensvorschlag für die Förderung von Windenergie auf See. Für sie soll die Ausschreibung in einem zentralen Modell erfolgen.

Windturbine eines Vattenfall Offshore-Windparks Foto: Vattenfall

Windturbine eines Vattenfall Offshore-Windparks Foto: Vattenfall

Zwei Windparks pro Jahr werden vorentwickelt. Auf dieser Grundlage konkurrieren Bieter in einer Ausschreibung um die Errichtung der Windparks. Aufgrund des Planungsvorlaufs kann die Umsetzung dieses Modells allerdings erst zeitversetzt beginnen.

Die Übergangsfrist von vier Jahren für den Offshore-Bereich sieht Groebler kritisch: „Aus meiner Sicht würde es der Akteursvielfalt gut tun, wenn man den Markt in Deutschland so schnell wie möglich öffnet. Ich glaube, für eine sinnvolle Kostenentwicklung sind Ausschreibungen der richtige Weg.“

Um einen funktionierenden Markt in Deutschland zu etablieren, brauche es Veränderung. Groebler: „Ich glaube daran, dass wir das süße Gift der Subventionen auch irgendwann hinter uns lassen müssen. Wie schnell das geht, müssen wir sehen. Die Akzeptanz für eine Industrie, die dauerhaft subventioniert wird, wird nicht dauerhaft halten.“

Der gewinnende Bieter muss Projekte auch umsetzen dürfen

Konkret sieht Groebler in der aktuellen EEG-Novelle die Gefahr, dass neue Bieter Ausschreibungen gewinnen, die damit verbunden Projekte aber trotzdem nicht realisieren können, weil der Altinhaber das Recht bekommen soll, das Projekt zum Zuschlagspreis selbst zu entwickeln„Wenn ein Bieter also viel Know-how und Zeit investiert und sich dennoch nicht sicher sein kann, ob er das Projekt tatsächlich verwirklichen kann, obwohl er das beste Angebot abgegeben hat, wird er sich eine Teilnahme an solch einem Verfahren reiflich überlegen.

Das schränkt letztlich den Wettbewerb ein“ sagt Groebler und plädiert für eine wettbewerbsneutrale Regelung, die Altinhabern von Projekten ihre Vorentwicklungskosten unabhängig von der Zuschlagsentscheidung ersetzt. Denkbar wäre ein Ausgleichsfond der aus den Projekten der Übergangsausschreibungen gespeist wird. „Das wäre eine preiswerte und im Sinne des Wettbewerbs klare Lösung“, so Groebler.

Das Beispiel Niederlande zeige, dass von so einer konsequenteren und schnelleren Umstellung auf Ausschreibungen in Verbindung mit klaren Ausbauzielen letztlich alle Akteure profitieren könnten. „Kern der Reform muss es sein, dass die Gesellschaft darauf bauen kann, so viel erneuerbaren Strom vom Meer so kostengünstig wie möglich zu bekommen.“ Das sei der Beitrag, den Offshore-Windenergie für die Energiewende leisten könnte.

Hannes Hönemann
Experte
3. Juni 2016

Ich kümmere mich um die deutschsprachigen digitalen Kanäle von Vattenfall. Unsere wichtigsten Zielgruppen finden wir in Berlin und Hamburg. Das sind auch weiterhin unsere wichtigsten Märkte in Deutschland. Mit der Energiewende wandelt sich auch das Unternehmen. Da gibt es viel zu erzählen.

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