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Das erste Kraftwerk Deutschlands am Berliner Gendarmenmarkt 1885
Experte
13. Februar 2017
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Geschichte der Berliner Energieversorgung – Teil 1

Neue technische Erfindungen sind Voraussetzung für große Entwicklungen. Meilenstein für Meilenstein hat Stadttechniker Hilmar Bärthel (1921 - 2016) in seinen Fachwerken zusammengefasst. Los geht die historische Reise durch das Erbe der Elektropolis. Die wichtigsten Stationen skizzieren wir nun in den nächsten Ausgaben unseres Blogs.
Auszug aus: Kraftwerke in Berlin - Das Erbe der Elektropolis

Auszug aus: Kraftwerke in Berlin – Das Erbe der Elektropolis

Berlin hatte als Großstadt immer auch die Funktion einer Wirtschaftsmetropole. In den letzten zwei Jahrzehnten des 19. und den ersten des 20. Jahrhunderts war die Stadt an der Spree geprägt durch die technische Entwicklung und den Aufstieg der Elektroenergie und der Elektrizitätswirtschaft.

Die Jahre 1884 bis 1899 – Vom Gleichstrom zum Drehstrom

Kraftwerk Oberspree 1910

Kraftwerk Oberspree 1910

Michael von Dolivo-Dobrovolsky, 1903

Michael von Dolivo-Dobrovolsky, 1903

Es zeigte sich schon bald, dass der Gleichstrom den steigenden Bedürfnissen nicht mehr gewachsen war. Der spätere Chefkonstrukteur der AEG, Michael von Dolivo-Dobrowolski, hatte ab 1894 das Großkraftwerk Oberspree projektiert. Es produzierte erstmalig den noch heute gebräuchlichen Drehstrom mit einer Spannung von 6.000 Volt. 1897 ging es mit einer Anfangsleistung von 4,9 MW in Betrieb.

1899 erwarb es die Stadt Berlin. Gleichzeitig entwickelte der Ingenieur einen Drehstrommotor und war an der Schaffung weitreichender Kabelnetze für die neue Energieart beteiligt. 

Ab 1899 – Kraftwerk Moabit wird gebaut

Kraftwerk Moabit, 1900

Kraftwerk Moabit, 1900

Die Stadt Berlin projektierte und baute mit dem Kraftwerk Moabit ihr zweites Drehstromkraftwerk im Norden der Stadt. Dieses ging schon 1900 mit einer Kapazität von 7,2 MW in Betrieb. Ab etwa 1899 erfolgte zur Senkung des Brennstoffbedarfs der Übergang zum Heißdampfprozess. Dessen technische Parameter galten bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg im gesamten deutschen Kraftwerksbau.

Thomas A. Edison (re.) und Emil Rathenau im Kraftwerk Moabit, 1911

Thomas A. Edison (re.) und Emil Rathenau im Kraftwerk Moabit, 1911

Ab 1900 wurden schrittweise Wander- oder Kettenroste zur Erhöhung der Kesselleistung entwickelt und eingeführt. Die Rostflächen konnten erheblich vergrößert werden. Die schwere Muskelarbeit zur Kesselbeschickung entfiel. Nachfolgend ergab sich die Notwendigkeit, mechanische Förderanlagen zum Kohlentransport bis an die Kessel heran und zum Ascheabtransport zu schaffen. Die Kohlenförderbahnen wurden hoch über die Kessel geführt. Sie entluden automatisch in Bunker, die über den Kesseln angeordnete waren.

Die Jahre 1902 bis 1905 –AEG-Dampfturbinen erhöhen den Anspruch

Ab 1902 begannen in den beiden Berliner Kraftwerken die ersten Versuche mit Dampfturbinen, die von der AEG mit den Professoren Riedler und Stumpf entwickelt worden waren. Um 1904/05 standen funktionssichere AEG-Dampfturbinen zur Verfügung. Ihre Leistungsfähigkeit betrug anfänglich mehr als das Doppelte der Leistung der Dampfmaschinen (ca. 5,6 MW je Turbine) und steigerte sich rasch weiter. Der Platzbedarf dagegen verringerte sich auf ein Viertel.

Die Jahre von 1907 bis 1913 – Kraftwerk Rummelsburg entsteht

100kV UW Rummelsburg, Freileitungseinführung, 1921

100kV UW Rummelsburg, Freileitungseinführung, 1921

Das neu errichtete Kraftwerk Rummelsburg wurde ausschließlich mit Turbinen von insgesamt 13,5 MW ausgestattet. In städtischen Kraftwerken kamen von nun an bei Neubestückungen nur noch Dampfturbinen zum Einsatz. Im Jahr 1913 gab es in den Berliner Kraftwerken 16 Turbinen mit Generatoren von insgesamt 110 MW Kapazität.

Das Jahr 1918 – Neue 110-kV-Leitung versorgt Berlin

Einen wesentlichen technischen Fortschritt stellte der kurzfristige Bau einer 132 Kilometer langen 100-kV-Doppel-Freileitung zum Bezug von Fernstrom aus dem Bitterfelder Braunkohlerevier dar. Die Freileitung erreichte Berlin 1918 am Kraftwerk Rummelsburg, übertrug anfänglich 40.000 kW und erhöhte damit die Versorgungssicherheit für Berlin bedeutend.

Weitere interessante Meilensteine über Berlins Stadttechnik von Dr. Hilmar Bärthel lesen Sie in Kürze hier im Vattenfall Blog.

Hilmar_Bärthel_klDr. Hilmar Bärthel
Der promovierte Ingenieur und Techniker Hilmar Bärthel wurde 1921 im thüringischen Gera geboren und studierte nach dem 2. Weltkrieg in Berlin und Dresden. In jahrzehntelanger Arbeit an der deutschen Bauakademie und für den Ostberliner Magistrat erwarb er ein einzigartiges Fachwissen über die Infrastruktur der Stadt. Hilmar Bärthel war Chefingenieur für den unterirdischen Bauraum beim Magistrat von (Ost-)Berlin, Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Dresden sowie am Lehrstuhl für Architektur der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.
Nach seiner Pensionierung widmete er sich als Autor intensiv der Geschichte der Wasser- und Gasversorgung sowie der Stadtentwässerung und Stromversorgung Berlins.

Links auf themenverwandte Blogbeiträge

Berlin als System – Zum Tod des Stadttechnikers Hilmar Bärthel
Geschichte der Berliner Energieversorgung – Teil 2

 

Dr. Hans Achim Grube
Experte
13. Februar 2017

Nach dem Architektur-Studium an der TU Berlin, der Universitá Firenze und dem Diplom an der TH Darmstadt arbeitete ich bei dem Architekten Max Dudler. Danach wurde ich im damaligen Bundesbauministerium Referent für Bauangelegenheiten des Bundes in Berlin, zuständig für den Umzug von 5 Bundesministerien nach Berlin. 1996 wurde ich Leiter der Bauabteilung der 1997 privatisierten Bewag. Zu den interessanten Aufgaben gehörte u.a. Konzepte für die nicht mehr betriebsnotwendigen, zum Teil denkmalgeschützten Abspannwerke und Kraftwerke zu finden, die eine technische und wirtschaftliche Nachnutzung ermöglichten. Die Forschungen von Dr. Hilmar Bärthel waren dafür eine wichtige Grundlage. In meiner Zeit bei Bewag / Vattenfall von 1996 bis 2007 wurden so mehr als 12 Großabspannwerke von Hans Heinrich Müller, mehrere Kraftwerke und viele ehemalige Bürogebäude erfolgreich um- und wiedergenutzt.

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