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12. November 2014
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Gutes Klima für Erneuerbare?

Wie das Wetter wird, interessiert jeden. Doch selten gehen die Vorhersagen über sieben Tage hinaus. Für Investitionsentscheidungen für Erneuerbare Energien benötigt man jedoch eine Prognose für Jahrzehnte, um Investmentrisiken zu minimieren und die Marktentwicklung langfristig vorzuplanen. Ladislav Brezina ist Meteorologe bei Vattenfall und erforscht hier die Trends.

Ladislav Brezina ist Meteorologe bei Vattenfall und erforscht hier die Trends.

Ladislav Brezina ist Meteorologe bei Vattenfall und erforscht hier die Trends.

„Das Klima ändert sich, allerdings in Perioden von 100 Jahren und mehr und die Veränderung ist schwer vorhersagbar.“ Ladislav Brezina beruft sich dabei auf über 100 Jahre Klimadaten. 1775 startete die erste Temperaturaufzeichnung. Sedimentanalysen geben Auskunft über die Zeiten davor. Aber selbst die Vielzahl der Daten lasse keine konkreten Prognosen zu. „Wenn die Atmosphäre sich wie heute erwärmt, sieht man die Auswirkungen in der nächsten Dekade.“ Und die Auswirkungen könnten durchaus variieren: „Meist wird zunächst eine Gletscherschmelze als Konsequenz der Erwärmung vermutet. Da aber die warme Luft mehr Feuchtigkeit bindet, kann es zu stärkeren Niederschlägen kommen. Die Gletscher könnten aufgrund vermehrter Schneefälle auch wieder wachsen“, führt er als Beispiel an.

Keine starken Veränderungen in den nächsten 20 Jahren

Dass sich das Klima aktuell erwärmt, ist für Brezina Fakt. Die Frage sei mehr, ob dies weitergehen wird und wenn ja, wie. Er und seine Kollegen arbeiten deshalb mit zwei Szenarien: Im ersten stabilisiert sich die Temperatur in den nächsten zehn bis 15 Jahren. Im zweiten steigt sie exponentiell weiter an. „Prognosen geben Trends wieder, nicht genaue Daten zu einzelnen Jahren.“

Entsprechend legt Brezina die Trends für die nächsten 20 bis 25 Jahre dar: Grundsätzlich deute alles auf keine starken Veränderungen in Kontinentaleuropa hin. Bei den Niederschlägen erwarten er und seine Kollegen in beiden Szenarien eine Zunahme, der Meeresspiegel steige, doch hier nicht mehr als einen Meter.

Leicht bessere Aussichten für Stromerzeugung mit Wind und Sonne

Durch die Erwärmung könne sich die Atmosphäre klären und damit die Bewölkung abnehmen. Dieser Effekt wäre vor allem im Sommer zu beobachten. „Dies führt zu einer höheren Anzahl von Sonnenstunden. Da allerdings die Effizienz der Solarzellen bei steigenden Temperaturen abnimmt, führt dies nicht automatisch zu einer höheren Produktivität auf diesem Sektor.“

Noch differenzierter müsse man die Einflüsse beim Wind betrachten. Hier sei die Entwicklung schwer vorhersagbar, da die Entwicklung stark von lokalen Faktoren abhängig sei. „Im Norden könnte es windiger werden, bis maximal 15 Prozent mehr. Das ist kaum spürbar für die Betreiber von Windkraftanlagen bei einer Laufzeit von rund 20 Jahren.“

Kein höheres Risiko für Investoren

Betrachte man die Temperatur, so zeigen die Trends höhere Temperaturen für den Sommer. Dies beeinflusst den Verbrauch durch den vermehrten Einsatz von Klimaanlagen. Im Winter zeige sich ein ähnlicher Trend, hier mit einer Verringerung des Verbrauches. Dennoch bliebe das Risiko von Kälteeinbrüchen: „Damit müssen wir immer rechnen, heute wie in der Zukunft.“ Zusammenfassend seien keine starken Abweichungen von den jetzigen Klimabedingungen für die erneuerbaren Energien zu erkennen. „Wie gesagt, es ist keine konkrete Vorhersage möglich, es ist eher eine Risikoeinschätzung“, unterstreicht Brezina nochmal. Doch mit dem Risiko können Investoren rechnen.

Ladislav Brezina
Experte
12. November 2014

Für die Energiehändler von Vattenfall analysiere ich die aktuellen Wetterverhältnisse und Wettervorhersagen. Außerdem entwickle ich neue Tools für eine einfachere und bessere Entscheidungsfindung. Nach meinem Masterabschluss in Meteorologie & Klimatologie an der Fakultät für Naturwissenschaften im tschechischen Brno entwickelte ich als Projektmanager Wettermodelle für Windparks der CEZ Gruppe. Seit 2012 arbeite ich als Meteorologe bei Vattenfall Energy Trading GmbH in Hamburg.

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