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Montage der Power-to-Heat-Anlage im UW Karoline, Foto: Bengt Lange
Experte
30. November 2017
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Elektrokessel und Trafo für Hamburgs erste Power-to-Heat-Anlage Karoline

Im Hamburger Karolinenviertel wird eine der zurzeit größten Power-to-Heat-Anlagen in Deutschland installiert. Die flexibel einsatzbereite Anlage soll in Spitzenlastzeiten Wärme erzeugen und kann zukünftig auch Windstrom in Wärme zum Heizen umwandeln. So wird die Nutzung fossiler Energien und somit auch CO2-Emissionen verringert.

Für die neue Power-to-Heat-Anlage im Hamburger Karolinenviertel sind die wichtigsten Komponenten mittlerweile vor Ort. Ende November wurde der neue 45-Megawatt-Transformator geliefert und eingehoben. Zuvor waren bereits Wärmetauscher und Elektrokessel montiert worden. Die Fertigstellung des Projekts ist für 2018 geplant.

Der Trafo – immerhin ein 60-Tonnen – wird direkt vom Trailer in die Box eingebracht. Foto: Bengt Lange

Der fünf mal sieben Meter große Trafo wurde direkt vom Trailer in die Box eingehoben – Arbeiten, die nur am Wochenende erfolgen können. Denn das Verteil- und Abspannwerk, in dem sich die Anlage befindet, liegt an einer viel befahrenen Straße gegenüber dem Messegelände und grenzt direkt an das Wohngebiet Karolinenviertel an.

Die Lage in der Hamburger City

Das Umspannwerk Karoline in der Hamburger Karolinenstraße wird zukünftig die Power-to-Heat-Anlage beherbergen. Foto: Bengt Lange

Für Projektleiter Bernd Gross ist die zentrale Lage des Projektes mitten in der Hamburger Innenstadt nach wie vor die größte Herausforderung.

„Für Anlieferung und Einheben der Schwerlastkomponenten stehen uns direkt am Gebäude nur einige Parkplätze und der Bürgersteig zur Verfügung. Wir bemühen uns natürlich, die Auswirkungen für die Menschen, die hier leben und arbeiten, so gering wie möglich zu halten. Wir informieren die Anwohnern über unsere Schritte und sind mit ihnen im Kontakt. Die logistische Herausforderung besteht aber weiterhin.“

Power-to-Heat-Anlage wandelt Strom in Wärme um

Die neue Anlage kann zukünftig Strom aus Wind in Wärme umwandeln. Bei einem kurzfristigen Überangebot von Strom aus regenerativen Energien – insbesondere Windenergie aus Schleswig-Holstein – kann überschüssiger Windstrom genutzt werden, um Wasser zu erwärmen, der dann in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Indem erneuerbarer Strom für die Wärmeerzeugung oder für industrielle Prozesse genutzt wird, werden wichtige Schritte in Richtung Energiewende erreicht.

Projekt ist im Zeitplan

„Der Trafo wird nun im Gebäude weiter installiert; gleichzeitig erfolgt die Verkabelung der technischen Komponenten. Die Elektroschränke sollen dann im Dezember kommen. Wir liegen im Zeitplan und wollen 2018 fertig sein.“ 

Wie funktioniert eine Power-to-Heat-Anlage?

  • Sie funktioniert praktisch wie ein Durchlauferhitzer, der überschüssigen Windstrom nutzt, um Wasser zu erwärmen.
  • Dieses kann dann in das Fernwärmenetz eingespeist oder für industrielle Prozesse genutzt werden.
  • Dadurch wird die Nutzung fossiler Energien zur Wärmeerzeugung reduziert – und damit auch CO2-Emissionen, Stichwort Dekarbonisierung.
  • Zudem wird damit Strom genutzt, der sonst bei bestimmten Bedingungen zwar vom Verbraucher bezahlt, aber gar nicht erzeugt worden wäre.

 

Der Elektrokessel im Karoviertel – Fit für die Zukunft

Karoline ist Teil des Programms SINTEG / NEW 4.0

Die Erneuerung des Elektrokessels ist Teil des Förderprogramms „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. In Modellregionen werden in den nächsten Jahren Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Energiewende erprobt. In der Modellregion Norddeutschland – Hamburg und Schleswig-Holstein – hat sich unter dem Titel „NEW 4.0“ ein ganz konkretes SINTEG-Schaufenster gebildet. Die Kooperation aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik will länderübergreifend zeigen, wie die Gesamtregion mit 4,5 Millionen Einwohnern bis 2035 zu 100 Prozent sicher und zuverlässig mit regenerativem Strom versorgt werden kann. Dabei geht es in Norddeutschland vor allem um die Integration von Windenergie.

Webseite Elektrokessel Karoline

Mehr zum Programm SINTEG

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Wie funktioniert Power-to-Heat?

Bernd Gross
Experte
30. November 2017

In wechselnden Teams bin ich seit 2010 bei Vattenfall – und habe meist in Projekten für Erzeugungsanlagen gearbeitet. Davor habe ich viele Erfahrungen im Bereich der Erneuerbaren Energien sammeln können, z.B. als Betriebsleiter für ein Biomasseheizkraftwerk. Seit Mitte letzten Jahres bin ich Projektleiter in einem engagierten und schlagkräftigen Team für die „Erneuerung Elektrokessel Karoline“. Das Spannende an Projekten ist die Zusammenarbeit – ohne ein Miteinander der Menschen kommt die Technik nicht voran – nur so lassen sich Probleme, Kosten- und Termindruck bewältigen. Beim Projekt Karoline – immerhin Vattenfalls ältester Energiestandort in Hamburg – bin ich gern vor Ort unterwegs.