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Kraftwerk Tiefstack um 1920, Quelle: Vattenfall
Experte
27. März 2018
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Heizkraftwerk Tiefstack hat Jubiläum

Nicht jeder Kraftwerksstandort kann auf eine so lange Tradition zurückblicken wie Tiefstack. Bereits seit über 100 Jahren wird hier Energie erzeugt. Immer wieder veränderten sich die Anlagen. In diesen Tagen feiert das jetzige Heizkraftwerk Tiefstack sein 25jähriges „Dienstjubiläum“ – eine Gelegenheit, auf seine Entwicklung zurückzublicken. Einer, der den Kraftwerksstandort seit mehr als 30 Jahren erlebt, ist Jens Feyerabend, Schichtleiter im Heizkraftwerk Tiefstack.

Am Kraftwerksstandort Tiefstack wird bereits seit über 100 Jahren Energie erzeugt: 1917 wurde mit dem Kraftwerk Tiefstack das erste Großkraftwerk der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) mit zwei Aggregaten von je zehn Megawatt Leistung in Betrieb genommen.

Logo der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW)

Die vier markanten Schornsteine prägten sein Erscheinungsbild und zierten das Logo der HEW. In dem Jahrhundert, das seitdem vergangen ist, wuchs mit der Stadt Hamburg auch die Leistung des Kraftwerks.

Immer wieder veränderte sich die Anlage. Heute steht am Standort Tiefstack ein Heizkraftwerk, das aus einer Grundlastanlage mit zwei Steinkohle gefeuerten Dampferzeugern sowie einer Turbine und einem Spitzenlast-Heizwerkteil mit zwei Erdgas/Heizöl gefeuerten Dampferzeugern besteht. Durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme in einem gekoppelten Prozess sind hohe Wirkungsgrade von über 90 Prozent erreichbar. In dieser sogenannten Kraft-Wärme-Kopplung kann das Heizkraftwerk neben 290 Megawatt (MW) Fernwärme bis zu 170 MW Strom erzeugen. Ist der Wärmebedarf sehr hoch, lässt sich die Brutto-Wärmeleistung unter Umgehung der Turbine auf circa 450 MW steigern.

Heizkraftwerk Tiefstack 2017. Foto: Vattenfall

In diesen Tagen feiert das jetzige, 1993 gebaute Heizkraftwerk Tiefstack sein 25jähriges „Dienstjubiläum“ – eine Gelegenheit, auf das letzte Vierteljahrhundert zurückzublicken. Einer, der dieses Kraftwerk von Anfang an erlebt hat, ist Jens Feyerabend, Schichtleiter im Heizkraftwerk Tiefstack.

Herr Feyerabend, erinnern Sie sich noch an die Inbetriebnahme des Kraftwerks?

Ja, denn der Übergang vom alten Kraftwerk ins neue war wie der Übergang von der Steinzeit in die Neuzeit. Tiefstack war damals das modernste Kraftwerk in Europa.

Und wie sieht das heute aus?

Auch heute noch hat das Kraftwerk beispielsweise bei der Rauchgasreinigungsanlage europaweit eine Vorreiterrolle. Staub-, Schwefeldioxid- und Stickoxid-Emissionen werden bis weit unter die gesetzlich geforderten Grenzwerte gemindert. Außerdem werden unsere „Abfallprodukte“ wie Flugasche, Schlacke und Gips von anderen Unternehmen verwertet. Diese Nebenprodukte aus dem Kraftwerksbetrieb entstehen im Verbrennungsprozess und im Rauchgasreinigungsprozess und werden vor allem in der Baustoffindustrie eingesetzt. Wir können uns mit unserer Anlage also auch heute noch sehen lassen.

Hat sich im Laufe der Jahre beim Betrieb des Heizkraftwerks etwas verändert?

Sehr viel. Der Betrieb des Kraftwerks ist heute ein anderes Geschäft als es damals war. Damals wurde noch viel von Hand gesteuert, heute ist alles automatisiert.

Warte Heizkraftwerk Tiefstack. Foto: Vattenfall

Die Warte ist für eine neue Leittechnik umgebaut worden. Das ganze Fernwärmesystem von Vattenfall wird heute von hier aus gesteuert – rund um die Uhr. Früher war das Heizkraftwerk Hafen gewissermaßen der Kopf der Fernwärme. Nach dessen Abriss war die Zentrale in der City Nord, seit 2002 ist sie in Tiefstack. Hier hat es immer Veränderungen gegeben.

Hat es auch Veränderungen an der Anlage gegeben?

Ja, denn obwohl die meisten bei Tiefstack zuerst an Kohle denken, haben wir auf dem Gelände auch eine mit Erdgas betriebene Gas- und Dampfturbinenanlage für Spitzenlast. Sie ist zwar weniger bekannt, steht aber schon seit 2009 in Tiefstack. Durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme können wir einen hohen Brennstoffausnutzungsgrad von über 90 Prozent erreichen.

GUD-Anlage im HKW Tiefstack. Foto: Vattenfall

Wissen Sie, wie viel das Heizkraftwerk leistet?

Mit der Anlage, wie sie heute hier steht, decken wir fast die Hälfte des Hamburger Fernwärmebedarfs. Und die Stromproduktion der vergangenen 25 Jahre beläuft sich auf rund 30 Milliarden Kilowattstunden.

Hat die Energiewende Auswirkungen auf das Kraftwerk?

Ja, wir müssen heute sehr viel flexibler auf die Anforderungen des Marktes reagieren. Die Einspeisung erneuerbarer Energien verändert sich mit Wind und Wetter. Dem müssen wir uns anpassen und das Kraftwerk heute deutlich flexibler fahren als noch vor einigen Jahren.

Warum arbeiten Sie gern in Tiefstack?

Ich bin ein altes Urgestein. Mein ganzes Berufsleben ist mit Tiefstack verbunden. Schon 1984 habe ich nach meiner Ausbildung in dem damaligen HEW-Kraftwerk angefangen. Und ich habe mich hier immer wohl gefühlt. Die Kraftwerksmannschaft ist wie eine Familie.

Sind weitere Veränderungen absehbar?

Wir haben das Ziel, auch die Fernwärmeversorgung Hamburgs immer umwelt- und klimaverträglicher zu machen. Als nächste größere Veränderung steht daher die Umrüstung des Kraftwerks von Kohle auf Gas an. Sie soll bis 2025 erfolgt sein.

Heizkraftwerk Tiefstack. Foto: Vattenfall

 

Jens Feyerabend
Seit 1984 ist er am Standort Tiefstack in der Produktion tätig, erst als Betriebswärter dann über die Jahre als Kraftwerker und später als Schichtleiter. Hier in Tiefstack gibt es fast nie Stillstand, das betrifft die Versorgung von Hamburg mit Fernwärme als auch Neu- und Umbauten an der Anlage.

Sie wollen einmal ein Kraftwerk besichtigen? Wir sind offen für interessierte Besucher. In Hamburg öffnen die Heizkraftwerke Tiefstack, HafenCity und Moorburg ihre Tore. Auch das Pumpspeicherwerk Geesthacht und die Fischaufstiegsanlage Geesthacht können besichtigt werden. Informationen erhalten Sie auf unserer Infoseite im Web.

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