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22. Mai 2017
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Fernwärme plus industrielle Abwärme – ein Beitrag zur regionalen Wertschöpfung in Hamburg

Wie kann die Wärmewende in den Städten gelingen? Wie lassen sich Erneuerbare und industrielle Abwärme in das bestehende Wärmesystem integrieren? Und welche politischen und wirtschaftlichen Aspekte gilt es neben den technischen außerdem zu berücksichtigen? Auf dem Tag zur „Erneuerbaren Zukunft der städtischen Fernwärme“ fügte Burkhardt Warmuth von der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH der aktuellen Diskussion mit dem Gedanken der regionalen Wertschöpfung einen weiteren Aspekt hinzu.

Ist die deutliche Reduzierung der Nutzung fossiler Brennstoffe – zum Beispiel durch die Nutzung industrieller Abwärme – bereits ein guter Schritt in Richtung nachhaltiger Energieversorgung, könnte bald ein weiterer Gesichtspunkt bei der Wärmewende in Hamburg eine Rolle spielen: der Aspekt der regionalen Wertschöpfung.

Modell des regionalen Wertschöpfungsprozesses

„Eine Stadt oder eine Region profitiert von ihren Ressourcen, das ist der Grundgedanke der regionalen Wertschöpfung“, so Burkhardt Warmuth. Eigene Ressourcen nutzen und gleichzeitig regionale Wertschöpfung schaffen, könnte ein Weg sein, die Umsetzung der Energiewende auch wirtschaftlich vertretbar zu gestalten. Da die Kosten der Energiewende zunehmend in der Diskussion stehen, ist die lokale Wertschöpfung von hoher Bedeutung für die politische und gesellschaftliche Akzeptanz von Projekten der Wärmeversorgung.

Doch wie lässt sich regionale Wertschöpfung aus Fernwärme mit Kraft-Wärme-Kopplung als Indikator für eine nachhaltige Stadtentwicklung ermitteln, bewerten und verständlich darstellen? Die Studie des AGFW – Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V. hat diese Fragen mit Beteiligung des Fraunhofer Instituts und Jung Stadtkonzepte untersucht. Wie ein roter Faden zieht sich ein Gedanke durch die Studie: Je besser man bereits vorhandene Ressourcen nutzt – sei es die Verwertung von Abfall oder Abwärme aus der Industrieproduktion, desto besser ist die regionale Wertschöpfung.

Wärmeszenarios im Vergleich: Gas oder Fernwärme?

Zwei Referenzszenarios wurden miteinander verglichen: Einerseits wurde untersucht, wie die Wertschöpfung aussähe, würde Hamburg bis 2040 mit Erdgas versorgt. Im anderen Modell wurde das bestehende Fernwärmenetz weiter genutzt, weiter ausgebaut und unter anderem industrielle Abwärme integriert; Heizöl und Gas wurden dabei sukzessive ersetzt. Bis 2040 würde der Anteil der Fernwärme schließlich 75 Prozent und Erdgas noch 25 Prozent betragen.

Für die Wertschöpfungsbilanz – also Umsätze und Geldflüsse in der Region – wurden Aspekte berücksichtigt wie Installation und Betrieb, Wartung und Instandhaltung des Energieversorgungssystems, Arbeitsplatzeffekte sowie der Geldmittelabfluss aus der Region durch den Einkauf von Brennstoffen.

Szenarios im Vergleich: Erdgas versus Fernwärme

Fernwärme plus Abwärme – mehr Wertschöpfung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass für ein Szenario mit Fernwärme und Nutzung von Abwärme weniger Mittel aufgewandt werden müssen als bei dem Szenario mit Gasversorgung. Bei letzterem sind zum Beispiel die Anlagentechnik und der Brennstoff nicht in der Region verfügbar und müssten von außerhalb beschafft werden. Konkret müssten für den Aufbau einer leitungsgebundenen Wärmeinfrastruktur bis zu 75 Prozent weniger Geldmittel für fossile Brennstoffe aufgewendet werden als bei einem rein gasbasierten Szenario.

Genauso deutlich sind die Effekte in Bezug auf die Nettoeinkommen und den Job-Markt. Der Anteil der regionalen Nettoeinkommen steigt bei dem leitungsbasierten, also dem mit Fernwärme versorgten System um mehr als das Dreifache im Vergleich zur Referenzvariante. Das betrifft vor allem die Bereiche Bau, Installation und Handwerk, aber ebenso die Bereiche Tiefbau, Architektur- und Ingenieurbüros und die Energieversorgung. Zudem profitieren alle Branchen von positiven Arbeitsplatzeffekten. Im Stellenmarkt verdreifacht sich auch die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

Auswirkungen der Szenarien auf dem Arbeitsmarkt

Ein Euro Umsatz – mehr Wertschöpfung – mehr Gewinn für die Stadt

Der Vorteil für Hamburg: Beim Ausbau der Fernwärme mit Abwärmenutzung würde die regionale Wertschöpfung um rund 220 Prozent im Vergleich zur Referenzvariante mit Gas steigen. Denn: Eine Investition von einem Euro sorgt für einen Umsatz in Höhe von rund 2,80 Euro und eine regionale Wertschöpfung von 1,68 Euro. Am Ende würde die Stadt Hamburg in einer Größenordnung rund 6 Prozent von höheren Steuereinnahmen und Gebühren profitieren – immerhin rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr verblieben so am Ende mehr in der kommunalen Kasse.

Das Fazit von Burkhard Warmuth: „Am Ende spart ein Wärmesystem mit Fernwärme und der Nutzung industrieller Abwärme nicht nur CO2 ein, weil weniger fossile Brennstoffe verbraucht werden. Die Investitionen in den Ausbau des Fernwärmenetzes wirken ebenso als Treiber für den Arbeitsmarkt und die lokale Wirtschaft, da die Ressourcen der Stadt genutzt werden und größtenteils dort verbleiben. Regionale Wertschöpfung ist also ein bedeutender Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung in Hamburg. Zwar ist die technische Umsetzung alles andere als einfach. Aber es lohnt sich: Am Ende überwiegen die Chancen für die Stadtentwicklung in Hamburg.“

Links

AGFW

Pressemitteilung über den Vertragsabschluss Aurubis und enercity vom 17.02.2017

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Burkhard Warmuth
Experte
22. Mai 2017

Seit nunmehr zehn Jahren arbeite ich in verschiedenen Funktionen im Bereich der Wärmeversorgung in Berlin und Hamburg. Gestartet als Trainee in den Heizkraftwerken mit Stationen in der Verteilung und im Vertrieb lernte ich die gesamte Wertschöpfungskette unseres Wärmegeschäfts kennen. Eines meiner ersten Projekte war damals die Errichtung der Solarthermie-Anlagen in der HafenCity West. Derzeit bin ich mit meinem Team verantwortlich für die Geschäftssteuerung der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH und kümmere mich um die strategische Ausrichtung unseres Geschäfts.

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