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In der Warte des Kraftwerks Tiefstack | Mojdeh Mousavi im Gespräch mit einem Vattenfall Mitarbeiter
Experte
17. Juni 2016
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Integration junger Geflüchteter in die Berufswelt

Eigentlich hat sie Urlaub und ist mitten im Hausumbau, aber für diesen Termin kommt sie gern zwischendurch an ihren Arbeitsplatz. Denn es ist ein Herzensprojekt. Sabine Tolmin betreut das Besuchswesen im Hamburger Kraftwerk Tiefstack. Seit Kurzem veranstaltet sie einmal im Monat einen Workshop für jugendliche Flüchtlinge - Integration@WORKshops. Das Projekt hilft jungen Menschen die Arbeitswelt kennen zu lernen und einen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.
Sabine Tolmin im Infozentrum beim Workshop mit den jugendlichen Flüchtlingen, Foto: Vattenfall

Sabine Tolmin im Infozentrum beim Workshop mit den jugendlichen Geflüchteten, Foto: Vattenfall

Mehrere Schulklassen führt Sabine Tolmin, verantwortlich für das Besuchswesen bei Vattenfall in Hamburg, täglich durch das Kraftwerk in Tiefstack und erklärt, wie Strom und Wärme produziert werden. Durch diese Gespräche mit Lehrern von Hamburger Schulen wurde immer deutlicher, dass es an speziellen Angeboten für die jungen Geflüchteten in der Hansestadt fehlt. Sabine Tolmin wollte helfen und den jungen Menschen eine Perspektive aufzeigen.

Vom Schnuppertag zum Ausbildungsplatz

Die Schulbehörde hatte Mitte letzten Jahres Ausbildungsvorbereitungsklassen für Migranten (AvM) eingerichtet. Hier sollen die neu zugewanderten Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren die deutsche Sprache lernen und auf eine Ausbildung vorbereitet werden. „Ich möchte die Geflüchteten unterstützen, einen ersten Einblick in die Berufswelt zu bekommen und zu erfahren, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt. Vattenfall ist eines der großen Ausbildungsunternehmen in Hamburg und kann von einem Schnuppertag, über ein Praktikum bis hin zu einem Ausbildungsplatz einiges anbieten“, so Sabine Tolmin. Zusammen mit der Ausbildungsabteilung reifte die Idee und so finden seit Mai 2016 für rund 30 Schülerinnen und Schüler aus AvM-Klassen jeden Monat vierstündige „Integration@WORKshops“ statt.

Neuland für alle

Auszubildende Jessica Meyns erklärt welche Ausbildungsmöglichkeiten es bei Vattenfall gibt, Foto: Vattenfall

Auszubildende Jessica Meyns erklärt, welche Ausbildungsmöglichkeiten es bei Vattenfall gibt, Foto: Vattenfall

Treffpunkt ist das Informationszentrum des Kraftwerks Tiefstack. Sabine Tolmin war vor dem ersten Workshop gespannt: „Ich betreue seit mehr als 20 Jahren Führungen und Besuchergruppen, aber hierfür haben wir uns ganz anders vorbereitet. Wir wussten nicht, wie die Deutschkenntnisse sind oder was über das Ausbildungssystem in Deutschland bekannt ist. Diese Workshops sind für uns alle Neuland.“

Die Schüler haben fragen an die Auszubildende Jessica Meyns, Foto: Vattenfall

Die Schüler haben Fragen an die Auszubildende Jessica Meyns, Foto: Vattenfall

Zur Unterstützung und um auch eine Brücke unter Gleichaltrigen zu bilden, ist auch Jessica Meyns mit dabei. Sie macht eine Ausbildung zur Industriekauffrau und kann so den jungen Geflüchteten von ihrem Job erzählen und erklären, welche Ausbildungsmöglichkeiten es im Unternehmen gibt. „Es ist eine tolle Erfahrung für mich, den Geflüchteten etwas aus meinem Arbeitsalltag zu berichten, was man bei einer Bewerbung zu beachten hat oder worauf es in einem Vorstellungsgespräch ankommt. Es ist bewegend, was für Schicksale viele hinter sich haben, und ich freue mich, so einen kleinen Teil zur Integration beizutragen. Ich hoffe einige von den Kursteilnehmern werde ich wieder sehen, wenn sie ein Praktikum oder einen Schnuppertag bei uns machen“, so Jessica Meyns.

Auf Entdeckungstour durch das Kraftwerk

Führung durch das Kraftwerk Tiefstack, Foto: Vattenfall

Führung durch das Kraftwerk Tiefstack, Foto: Vattenfall

Nach der Theorie gibt es einen Blick hinter die Kulissen: Für die mehr als 30 Schülerinnen und Schüler geht es auf Entdeckungstour durch das Kraftwerk Tiefstack. Mojdeh Mousavi und ihre Mitschüler waren alle noch nie vorher in einem Kraftwerk. „Ich bin technisch interessiert und finde es spannend, mir das anzusehen und zu hören, was für Praktikumsplätze angeboten werden“, so die 18-Jährige.

Afsaneh Majidi mit Lehrerin Anja Gavillet in der Warte im Kraftwerk Tiefstack. Sie möchte gerne etwas kaufmännisches lernen, Foto: Vattenfall

Afsaneh Majidi mit Lehrerin Anja Gavillet in der Warte im Kraftwerk Tiefstack. Afsaneh möchte gern etwas Kaufmännisches lernen, Foto: Vattenfall

Anders als Afsaneh Majidi die auch aus Afghanistan kommt: „Ich kann mir eher vorstellen, im Büro zu arbeiten und etwas Kaufmännisches zu machen. Mich interessiert, was für Möglichkeiten es hier gibt und wie eine Ausbildung abläuft.“ Die Jugendlichen kommen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien oder Eritrea. Fast alle sind unbegleitet nach Deutschland gekommen. Die Klasse der Schule Burgstraße ist seit März 2015 zusammen, im Sommer soll der Abschluss gemacht werden. Anja Gavillet ist die Klassenlehrerin: „Es ist eine fantastische Veranstaltung und ich danke allen für das Engagement und dass sie sich so gut sprachlich und inhaltlich auf die jugendlichen Geflüchteten eingestellt haben.“

Blick in die Zukunft

Ghodratullah Azizi rechts neben dem Mitarbeiter, Foto: Vattenfall

Ghodratullah Azizi rechts neben dem Mitarbeiter, Foto: Vattenfall

Sabine Tolmin ist bei ihrem Rundgang in der Leitwarte angekommen. Hier können die Schülerinnen und Schüler sich mit den Mitarbeitern unterhalten, Fragen stellen und erklären lassen, was an den vielen Monitoren passiert. Aber auch welche Ausbildung erforderlich ist, um so einen Job zu machen. Ghodratullah Azizi kommt aus Afghanistan und ist sowohl kaufmännisch als auch technisch interessiert: „Eine Mischung aus Computerarbeit und Handwerk wäre toll.“

Blick auf die Elbe, Foto: Vattenfall

Blick auf die Elbe, Foto: Vattenfall

Nach fast vier Stunden endet der Workshop in 30 Meter Höhe auf der Kraftwerksterrasse mit dem Blick auf die Elbe. „Meine Schülerinnen und Schüler sind begeistert und nehmen viele Eindrücke mit. Es ist beispielhaft, wie Vattenfall sich engagiert und so für jugendliche Geflüchtete Chancen für eine Ausbildung und die Karriere schafft. Wir sind glücklich, da wir nun neue Informationen haben, auf deren Grundlage wir unsere Jugendlichen individuell beraten und in ihre berufliche Zukunft begleiten können“, so Lehrerin Anja Gavillet. Der Tag geht auch für Sabine Tolmin zu Ende, zurück zum Hausumbau. „Es war eine schöne und besondere Erfahrung heute. Ich freue mich auf den nächsten Integrations-Workshop und hoffe, den jungen Geflüchteten so eine Hilfestellung für ihren Berufseinstieg zu geben.“

Gruppenfoto vor dem Kraftwerk Tiefstack, Foto: Vattenfall

Gruppenfoto vor dem Kraftwerk Tiefstack, Foto: Vattenfall

Interessiert an einem Integrations-Workshop oder einer Kraftwerksführung? 

Sabine Tolmin
Telefon: 040-6396 6225
E-Mail:  sabine.tolmin@vattenfall.de

Flyer Tiefstack_AvM Klassen

Weitere Informationen

Führungen bei Vattenfall in Hamburg

Heizkraftwerk Tiefstack

Blog-Artikel: Technik zum Anfassen in Tiefstack

Flüchtlings-Engagement von Vattenfall in Hamburg

 

Themenschwerpunkt Engagement für Geflüchtete

Geflüchtete Menschen integrieren und den neu Ankommenden eine Chance geben – diesem Ziel hat sich auch Vattenfall verschrieben. Berufsvorbereitungskurse und Integrationsprojekte sollen Migranten den Weg in Ausbildung und Berufsleben erleichtern. Im Rahmen seiner Jugendarbeit kümmert sich Vattenfall aber auch um die Jüngeren unter den Neuankömmlingen.

Qualifizierungsprogramm für Gefüchtete

Anja Gavillet
Experte
17. Juni 2016

Ich bin im zwanzigsten Jahr Lehrerin an der Beruflichen Schule Burgstraße. Seit meinem Referendariat arbeite ich vor allem mit Schülerinnen und Schülern, die einen besonderen Förderbedarf haben. Hier ist eine besonders hohe Zahl Jugendlicher dabei, die einen Migrationshintergrund haben, vor allem als Flüchtlinge. Seit fast 10 Jahren bin ich Förderbeauftragte unserer Schule und habe ein Förderkonzept entwickelt, das Lehrern und Schülern helfen soll ressourcenorientiert zu arbeiten, um diese Schüler erfolgreich zu Schul- bzw. Ausbildungsabschlüssen zu führen. Mein Beruf hat sich in den letzten Monaten dahingehend verändert, dass die Notwendigkeit der seriösen Förderung von Schülern mit besonderem Förderbedarf, besonders denen mit Migrationshintergrund, gesellschaftlich und schulpolitisch endlich angekommen ist.

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    27. März 2018

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