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Das Kernkraftwerk Brunsbüttel
Experte
12. Oktober 2016
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Kavernen in Brunsbüttel werden geräumt

In den unterirdischen Lagerstätten (Kavernen) des Kernkraftwerks Brunsbüttel lagern Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall und Reaktorkomponenten aus dem Leistungsbetrieb und Umbaumaßnahmen. Die Leerung der ersten zwei von sechs Kavernen im Kernkraftwerk Brunsbüttel wurde beendet.

Die Leerung der Kavernen 2 und 4, die am 29. Februar 2016 begonnen worden war, wurde abgeschlossen: Alle 188 Fässer wurden aus den Kavernen gehoben und zum Teil bereits in endlagerfähige Container verpackt. Zum Vorgehen, zum aktuellen Stand und wie es weitergeht, berichtet Björn Dahl im Interview.

Björn Dahl, Sie haben die Kavernenentleerung technisch begleitet. Wie genau lief die Entleerung der Kavernen 2 und 4 ab?

Die Hebung des ersten Fasses aus dem Regalsystem, Foto: Vattenfall

Die Hebung des ersten Fasses aus dem Regalsystem, Foto: Vattenfall

In den Kavernen sind die Fässer in einem Stellgitter übereinander in Stapeln gelagert und wir haben wenig Platz zum Manövrieren. Deshalb haben wir die Fässer mit einem ferngesteuerten Kran herausgehoben und anschließend gleich für die Endlagerung vorbereitet. Das heißt: Der Inhalt von 83 Fässern mit Filterharzen wurden in endlagerfähige Container umgesaugt. 89 Fässer mit Verdampferkonzentrat wurden in Überfässer eingestellt, nachgetrocknet und anschließend temporär ins Fasslager verbracht. Zum Ende haben wir die Kavernengitter entfernt und den Kavernenboden gereinigt.

Was waren dabei die Herausforderungen?

Hier wird das letzte Fass aus dem Regalsystem entnommen, Foto: Vattenfall

Hier wird das letzte Fass aus dem Regalsystem entnommen, Foto: Vattenfall

Wir haben voriges Jahr speziell für die Handhabung der Fässer verschiedene Greifvorrichtungen entwickelt. Fässer ohne oder mit geringfügigen Auffälligkeiten werden am Deckel gehandhabt. Fässer mit mittelschweren oder starken Auffälligkeiten werden über einen Deckel-Boden-Greifer gehandhabt. Ein Fass hat sich beim Einstellen ins Überfass verkantet und beim wiederholten Heben und Senken riss der Fassmantel ein. Dabei haben sich Teile des Fassmantels gelöst. Das geschah aber komplett im Überfass, das damit wie beabsichtigt als zuverlässiger Schutz funktionierte. Bei einem anderen Fass war der Deckel lose und wir konnten das Fass mit dem Bodengreifer anheben – das war Millimeterarbeit. Aber gerade hier haben sich die von uns entwickelten Greifer bewährt. Alle Arbeiten fanden außerdem in einer lüftungstechnischen Einhausung statt und wir haben kontinuierlich radiologische Messungen durchgeführt. Dabei gab es keine Freisetzung von Radioaktivität. 

Warum müssen die Kavernen überhaupt geleert werden?

Die schematische Darstellung zur HAndhabung von Fäassern mit Verdampferkonzentraten, Grafik: Vattenfall

Die schematische Darstellung zur Handhabung von Fässern mit Verdampferkonzentraten, Grafik: Vattenfall

Die Kavernen und die Fässer waren konzeptionell zunächst nicht für eine längerfristige Aufbewahrung vorgesehen. Die Fässer sollten nach Schacht Konrad als bundesweitem Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden. Und Schacht Konrad sollte ursprünglich Mitte bis Ende der 90’er Jahre fertiggestellt werden. Weil sich das aber verzögerte, wurden die Fässer in den Kavernen des Kraftwerks abgestellt. Zuletzt waren uns die Jahre 2014 beziehungsweise 2019 als Fertigstellungstermine für Schacht Konrad genannt worden. Aktuell rechnet das Bundesumweltministerium mit einer Inbetriebnahme zwischen 2022 und 2025.

Wie ist der weitere Zeitplan?

In den übrigen vier Kavernen haben wir noch mehr als 400 Fässer. Die Arbeiten dürften noch bis Mitte 2018 dauern. Voraussichtlich Ende Oktober wollen wir die Leerung der Kavernen 1 und 3 in Angriff nehmen. Die Arbeiten in diesen Kavernen mit insgesamt 194 Fässern werden wohl bis Ende des Jahres 2017 dauern.

Wie geht es mit den geborgenen Fässern weiter?

Die Fässer werden endlagergerecht konditioniert, sprich für die Endlagerung vorbereitet. Sie werden entweder getrocknet und direkt in Endlager-Container eingestellt oder ihr Inhalt wird in Endlager-Container umgesaugt. Die leeren Fässer werden als radioaktiver Abfall entsorgt.

Was passiert mit den Kavernen?

Nach dem alle Kavernen geleert sind, werden die Kavernengitter demontiert und die Oberflächen gereinigt und dann verschlossen.

Links

Vattenfall holt erste Fässer aus den Kavernen
Spezialgreifer für Fässer in Brunsbüttel
Neue Phase für Rückbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel
Eine endliche Geschichte: Die Fässer in Brunsbüttel 

Björn Dahl
Experte
12. Oktober 2016

Ich bin seit 2010 im Kernkraftwerk Brunsbüttel tätig. Nach meinem Studium der Allgemeinen Verfahrenstechnik in Flensburg habe ich bei einem Hamburger Ingenieurbüro gearbeitet und für das Kernkraftwerk Krümmel bei der Errichtung des Standort-Zwischenlagers mitgewirkt. Anschließend war ich für fünf Jahre bei der EnergieSystemNord in Kiel und habe als unabhängiger Sachverständiger nach §-20 Atomgesetz die atomrechtliche Aufsichtsbehörde hier in Schleswig-Holstein zu Fragen der Kerntechnik beraten. Im Kernkraftwerk Brunsbüttel gehöre ich mittlerweile zur Betriebsleitung des Standort-Zwischenlagers und beschäftige mich als Projektleiter um die Entsorgung radioaktiver Abfälle, zu denen auch unsere Fässer in den Kavernen gehören. Mit einem eingespielten und hervorragenden Team aus Ingenieuren, Technikern und Facharbeitern beschäftige ich mich seit 2012 um eine sichere Handhabung dieser Fässer.

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