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Experte
19. November 2015
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Kraftwerk Moorburg ist offiziell eingeweiht

Nicht nur politische und wirtschaftliche Prominenz war am 19. November mit dabei, als Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz zusammen mit Vattenfalls CEO Magnus Hall und dem Deutschlandchef des Unternehmens Tuomo Hatakka feierlich das Kraftwerk einweihte. Der BUND hatte parallel nach Moorburg zur Demonstration geladen und so machten ganz unterschiedliche Fraktionen dem Kraftwerk ihre Aufwartung.

 

Der offizielle Knopfdruck durch Tuomo Hatakka, Olaf Scholz und Magnus Hall, Foto: Vattenfall

v. li. Symbolischer Knopfdruck durch Tuomo Hatakka, Olaf Scholz und Magnus Hall, Foto: Vattenfall

Rund 10 Jahre liegt die Entscheidung für die jetzige Anlage zurück und doch wird das Kraftwerk heute von vielen als Relikt aus einer anderen Zeit beschrieben – obwohl es „state of the art“ ist. Um den wachsenden Strom- und Fernwärmebedarf der Hansestadt zu decken, will Vattenfall 2004 ein neues Kraftwerk bauen. Unter der CDU-Regierung von Ole von Beust gibt es zu dieser Zeit mehr als ein grünes Licht für den Bau. Hatte das Unternehmen selbst ursprünglich eine Kapazität von 700 Megawatt für die Anlage geplant, will  der damalige Senat mehr. Er regt die Planung eines weiteren Blockes an, um die Fernwärmeversorgung der Stadt zu sichern. 2006 gibt das Unternehmen die Mittel für den Bau einer 1.654 Megawatt-Anlage frei.

Technische Entscheidung wird zur politischen

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Protest vor Ort, Foto: Vattenfall

Im November 2007 erhält das Unternehmen die Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn. Zu diesem Zeitpunkt ist die Diskussion zur Umweltverträglichkeit des Kraftwerks schon in vollem Gange. Vor der öffentlichen Anhörung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens reichen 1.700 Bürger, Verbände und Organisationen ihre Bedenken und Beschwerden ein. Ergänzend dazu übergibt ein Bündnis aus Umweltschützern und Parteien der Hamburger Bürgerschaft eine Petition mit rund 12.000 Unterschriften.

Kompromiss mit neuem Konzept

Bauprojektleiter Udo Gade und Kraftwerksleiter Karsten Schneiker erzählen moderiert durch Kommunikationschef Ivo Banek von der Bauzeit, Foto: Vattenfall

Bauprojektleiter Udo Gade und Kraftwerksleiter Dr. Karsten Schneiker erzählen von der Bauzeit, Foto: Vattenfall

Die schwarze CDU-Regierung ist inzwischen durch eine schwarz-grüne Koalition abgelöst. Das Bauprojekt wird zum Anlass einer politischen Auseinandersetzung innerhalb des neu besetzten Senats. Am Ende genehmigt die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk den Bau im Oktober 2008 – mit hohen Auflagen. Vattenfall und BUND klagen. Im Kern geht es um die wasserrechtliche Erlaubnis und um die Frage, in welchem Maß die Nutzung von natürlichen Ressourcen akzeptabel ist.

Rund 500 Gäste folgten der Einladung zur Einweihung, Foto: Vattenfall

Rund 500 Gäste folgten der Einladung zur Einweihung, Foto: Vattenfall

Um den Betrieb des Kraftwerks zu ermöglichen, ändert Vattenfall das Konzept des Kraftwerks und baut einen Kühlturm. Auch eine geänderte wasserrechtliche Genehmigung ermöglicht schließlich eine bessere Nutzung der Durchlaufkühlung. Ein Kompromiss für fast alle Beteiligten, denn der BUND fordert weiterhin, das Kraftwerk ausschließlich mit Kühlturm zu betreiben. Die ursprüngliche Idee, die Wärme über eine Leitung unter der Elbe in die Stadt zu führen, setzt sich aufgrund des andauernden Protestes nicht durch. Die Frage der Fernwärmeversorgung für den Westen Hamburgs ist bis heute nicht entschieden.

Trotz aller Gegenrufe: modern und effizient in der Erzeugung

Olaf Scholz betonte, dass das Kraftwerk wichtig für den Wirtschaftsstandort Hamburg sei, Foto: Vattenfall

Olaf Scholz betonte, dass das Kraftwerk wichtig für den Wirtschaftsstandort Hamburg sei, Foto: Vattenfall

Während all dieser Auseinandersetzungen geht es in Moorburg voran. Das gigantische Bauprojekt hat seine eigenen Herausforderungen. Aufgrund von technischen Problemen kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Doch Ende Januar 2015 kann zunächst der erste Block, Ende August der zweite in Betrieb genommen werden. In der ersten Revision im Herbst sind Nacharbeiten an der Turbine notwendig.

Trotz aller Widrigkeiten: Moorburg gehört zu den effizientesten Kohlekraftwerken in Europa. Es verursacht rund ein Viertel weniger Kohlendioxidemissionen als ältere Anlagen. „Das Kraftwerk Moorburg ist wichtig, weil es zur Netzstabilität beiträgt und weil beim weiteren Ausbau der regenerativen Energien die unvermeidliche Volatilität zum Beispiel des Windangebots ausgeglichen werden kann“, so Bürgermeister Olaf Scholz bei der Einweihung.

Kein Widerspruch zum Klimaschutzengagement

Konzernchef Magnus Hall sprach über den Spagat zur Energiewende, Foto: Vattenfall

Konzernchef Magnus Hall sprach über den Spagat zur Energiewende, Foto: Vattenfall

Die Entwicklung, die der Energiemarkt in den letzten Jahren genommen hat, konnte in diesem Ausmaß niemand vorhersehen. „Wenn ich heute in Hamburg bin, um ein modernes Kohlekraftwerk einzuweihen, und in zwei Wochen in Paris, um unsere Unterstützung für ein ehrgeiziges Klimaabkommen deutlich zu machen, ist dies kein Widerspruch“, betont Magnus Hall auf der Feier. „Es zeigt das Dilemma, in dem nicht nur wir als Unternehmen uns befinden: Die Umstellung, so wichtig sie auch ist, muss auch den Notwendigkeiten des Energiesystems und der Versorgungssicherheit gerecht werden.“

Parat in 15 Minuten

Tuomo Hatakka ist stolz auf die flexible Anlage in Hamburg, Foto: Vattenfal

Tuomo Hatakka ist stolz auf die flexible Anlage in Hamburg, Foto: Vattenfal

Das gilt umgekehrt: Die konventionellen Kraftwerke müssen sich an neue Erfordernisse anpassen und sehr viel schneller auf Schwankungen in der Produktion aus erneuerbaren Energien reagieren können, als das jemals in der Vergangenheit erforderlich war. „Moorburg kann seine Leistung innerhalb von 15 Minuten um bis zu 600 MW nach oben oder unten verändern. Das bedeutet, dass das Kraftwerk innerhalb einer Viertelstunde etwa 200 Windkraftanlagen ersetzen oder auch im gleichen Zeitraum die eigene Produktion so weit drosseln kann, dass die selben Windkraftanlagen ihre Erzeugung ins Netz speisen können,“ sagt Tuomo Hatakka. Moorburg ist den Herausforderungen der Energiewende und den Anforderungen des zukünftigen Energiemarktes gewachsen.

 

Alle Reden können Sie hier abrufen:

  • Rede Olaf Scholz, Bürgermeister Hamburg
    • Rede Olaf Scholz, Bürgermeister Hamburg

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  • Rede Magnus Hall, CEO Vattenfall
    • Rede Magnus Hall, CEO Vattenfall

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  • Rede Tuomo Hatakka, Deutschlandchef Vattenfall
    • Rede Tuomo Hatakka, Deutschlandchef Vattenfall

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  • Rede Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter Vattenfall GmbH für Hamburg und Norddeutschland
    • Rede Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter Vattenfall GmbH für Hamburg und Norddeutschland

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Schauen Sie auch in den Talk mit Kraftwerksleiter Dr. Kasten Schneiker und Bauprojektleiter Udo Gade, moderiert von Kommunikationschef Ivo Banek:

  • Talk mit Udo Gade und Dr. Kasten Schneiker, Moderation Ivo Banek
    • Talk mit Udo Gade und Dr. Kasten Schneiker, Moderation Ivo Banek

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Weitere Informationen
Die offizielle Pressemitteilung finden Sie unter www.vattenfall.de/newsroom.
Weitere Informationen zum Kraftwerk gibt es unter kraftwerke.vattenfall.de/moorburg.

Folgende Artikel sind zum Kraftwerk Moorburg bis jetzt erschienen:
Warum Hamburg das Kraftwerk Moorburg langfristig braucht
Neue Ausstellung im Kommunikationszentrum des Kraftwerks Moorburg
Das Kraftwerk Moorburg ist in Betrieb
100 Tage erfolgreich in Betrieb
Erfolgreicher Aufstieg: Fünf Jahre Fischtreppe Geesthacht.

Gunhild Nasner
Experte
19. November 2015

Seit 1998 arbeite ich für die Kommunikation in Hamburg – und war in dieser Zeit verantwortlich für eine weite Palette an Themenbereichen: von Werbung und Publikationen bis zu unterschiedlichsten Veranstaltungen. Die Kommunikation für Kraftwerksprojekte ist seit 2007 mein Thema, Schwerpunkt dabei: die Kommunikation für das Kraftwerk Moorburg. In jedem Bereich ist für mich die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Themen immer wieder spannend: Beispielsweise gehört zur Kommunikation des Kraftwerks Moorburg auch die Fischtreppe bei Geesthacht als eine der zahlreichen Naturschutzmaßnahmen – ein fließender Übergang zu Fragen von Passierbarkeit von Flüssen und Lebensbedingungen für heimische Fischarten.

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