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Aktion Kiss Kiss Berlin
Experte
6. Mai 2016
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Küsschen für Berlin – Gegen Rassismus und Homophobie

Was haben Homophobie, Vattenfall und eine Torte gemeinsam? Die Aktion Kiss Kiss Berlin. An 13 verschiedenen Orten findet dieses Jahr die Tortenschlacht für gesellschaftliche Vielfalt, Gleichstellung, Toleranz und Respekt statt. Es sei ein Zeichen für ein buntes und weltoffenes Berlin, sagt Bastian Finke, Gründer des schwulen Anti-Gewalt-Projektes MANEO, das die Kampagne organisiert.

Am 9. Mai 2016 findet die Aktion Kiss Kiss Berlin statt, bei der sich Vattenfall als Partner beteiligt. Was steckt hinter der Kampagne? Und wofür steht das Projekte MANEO? Ein Besuch beim Gründer des Projektes MANEO Bastian Finke führt mitten in den Schöneberger Kiez, direkt am Nollendorfplatz. Wir durchqueren das gemütliche Café des Projektes und kommen in seinem Büro ins Gespräch:

Das Logo der Aktion Kiss Kiss Berlin; Foto MANEO

Das Logo der Aktion Kiss Kiss Berlin; Foto MANEO

Mit der Kampagne Kiss Kiss Berlin will das Projekt MANEO mobilisieren, aktivieren und Engagement fördern. Dabei geht es nicht nur um Homophobie. Die Kampagne steht für gesellschaftliche Vielfalt, Akzeptanz, Toleranz und Gleichberechtigung. „Also eigentlich für die Grundprinzipien unserer Demokratie. Wir wollen explizit ein Zeichen gegen jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit setzen“, erklärt Finke.

Gegen Rassismus und Homophobie

Die Kampagne startet jedes Jahr seit 2006 immer am 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus, und endet jeweils am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie. An diesem Tag im Jahr 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität von der Liste der psychischen Erkrankungen gestrichen. „Das ist noch gar nicht so lange her und zeigt, in welchem gesellschaftlichen Umfeld wir uns bewegen. Die Zeitspanne ist also nicht ohne Hintersinn gewählt.“

Party, Kiss-In und Kuchen

Eine bunte Torte für I Kiss Kiss Berlin; Foto: MANEO

Eine bunte Torte für I Kiss Kiss Berlin; Foto: MANEO

Die Kampagne setzt sich aus drei Säulen zusammen: Partys, deren Einnahmen teilweise als Spende an MANEO gehen, ein Kiss-Inn am 17. Mai 2016 und den Anschnitten von Regenbogenkuchen. „Wenn wir mit Menschen darüber reden, müssen wir immer berücksichtigen, wo wir sie antreffen und wie“, sagt Finke. „Wir suchen Formen von Zugängen, die leicht zu verdauen sind. Liebe geht durch den Magen. Wir möchten ein schwieriges Thema leicht servieren. Das klappt über einen Regenbogenkuchen wunderbar.“

Bürgermeisterin, Polizei und Feuerwehr machen mit

Ein Regenbuchenkuchen für die Aktion, Foto: MANEO

Ein Regenbuchenkuchen für die Aktion, Foto: MANEO

Die Regenbogenkuchen als Aktion gibt es seit vier Jahren. Viele Institutionen machen mit. „Die Berliner Polizei, die Feuerwehr oder auch die Berliner Abgeordneten sind seit Jahren dabei. Hier suchen wir immer neue Bereiche für die Aktion Kiss Kiss Berlin.“ So erfolgt dieses Jahr ein Anschnitt mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Dilek Kolat im Berliner Rathaus, im Berliner Abgeordnetenhaus oder bei einer Einsatzhundertschaft der Polizei.  

Berlin ist positives Beispiel

„Mit den Kooperationen werben wir natürlich auch für uns und zeigen zudem, was es alles gibt“, erläutert Finke. So ist Berlin das einzige Bundesland mit hauptamtlichen Ansprechpartnern bei der Polizei, Staatsanwaltschaft und der Bundespolizei Direktion Berlin für Lesben, Schwule, Bi- und Transpersonen (LSBT). „Hier wird Gewalt und Diskriminierung ernst genommen. Hier kann man sich engagieren. Man ist nicht allein. Das soll Mut machen und auch, das ist mein Hoffen, in die Institutionen oder Unternehmen wie Vattenfall, die an der Aktion teilnehmen, hinein wirken.“  

Selbstbehauptung stärkt Lebensgefühl

Bastian Finke, Gründer des Projekts MANEO, Foto: MANEO

Bastian Finke, Gründer des Projekts MANEO, Foto: MANEO

Finke hofft, dass sich so Menschen zusammenfinden, die für ihre Identität einstehen. „Wir kennen aus dem Sport und anderen Bereichen, dass die Förderung von Selbstbehauptung und Selbstwert, auch immer zur Folge hat, dass das eigene Ich gestärkt wird und damit auch das Lebensgefühl und das Dasein verbessert.“  

Geschichten gesucht

MANEO unterstützt die Kooperationspartner bei Initiativen. So auch das Diversity Netzwerk Vattenfall, welches vor einem Jahr gegründet wurde. Diese Hilfe, das Empowerment, ist eine elementare Tätigkeit des Projektes „Ich denke, es ist ein tolles Zeichen in Unternehmen hinein, um  Menschen aufmerksam auf das Thema und auch auf uns zu machen. Das, was wir hier in Berlin als schwules Anti-Gewalt-Projekt machen, ist keine Selbstverständlichkeit.“ Ab Mai läuft auch wieder die Aktion „Was ich erlebt habe“. Hier gibt das Projekt Erfahrungen wieder, die Menschen mit Homophobie oder Transphobie gemacht haben. „Mitmachen können unmittelbar Betroffene, aber auch Angehörige oder Zeugen. Wichtig ist uns, Menschen zu sensibilisieren.“ Ein Bewusstsein soll geschaffen werden, dass jeder etwas tun kann. „Das wollen wir erreichen und dazu sind diese Geschichten gut. Sie zeigen die Palette der Homophobie und Transphobie und sensibilisieren.“  

Vielfalt braucht es überall

Kontaktdaten zu MANEO, Foto: MANEO

Kontaktdaten zu MANEO, Foto: MANEO

Finke hofft so, auch weiter Unterstützung für sein Projekt zu finden. „Jeder kann in den Dialog gehen, sich engagieren, einfach etwas machen. Egal was. Setzt euch dafür ein, dass Vielfalt ins Vereinsleben, in die Nachbarschaftshilfe, wo auch immer, kommt. Tut was.“

Mehr Informationen:

Das Projekt MANEO gibt es seit 1990. Es ist das älteste schwule Anti-Gewaltprojekt seiner Art in Deutschland und wird von der Berliner Senatsverwaltung teilgefördert. Vier Kernbereiche umfassen die Tätigkeitsfelder: Die Opferhilfeberatung, das Erfassen von Gewalttaten, Gewaltprävention und die Förderung von bürgerlichem Engagement sowie der ehrenamtlichen Mitarbeit. Letzteres ermöglicht die vielen Aktionen und Initiativen, mit denen das Projekt immer wieder das Thema Homophobie ins Gespräch bringt.

Die Kampagne „Kiss Kiss Berlin“ startete 2006 in Berlin. Sie begann am 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus und endet am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie. Der Anschnitt der Regenbogenkuchen ist nur ein Element der Kampagne. Weitere Aktionen sind die Ausgabe von Blumensamen („für ein buntes Berlin“) und Veranstaltungen in Berliner Clubs. Mit den Aktionen will MANEO als Organisator ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus, Homophobie, Transphobie, gegen jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, damit für gesellschaftliche Vielfalt, Gleichstellung, Toleranz und Respekt setzen.

Berliner Toleranzbündnis
Website MANEO

Bastian Finke
Experte
6. Mai 2016

Mit 17 habe ich mich zum ersten Mal ehrenamtlich engagiert. Auf einer Interrailtour bin ich in Nordirland mit den dortigen Unruhen konfrontiert worden. Ein Schlüsselerlebnis. In Berlin habe ich unter anderen für die Bahnhofmission gearbeitet, bevor ich vor 26 Jahren zu MANEO kam. Mit dem Projekt haben wir Aufbauarbeit geleistet. So ist beispielsweise 1993 das Lesbisch-Schwule Straßenfest in Berlin-Schöneberg entstanden. Die Idee, die ich damit verknüpft hatte, war eine Einladung an alle Berlinerinnen und Berliner zum Dialog mit unseren vielfältigen LSBT-Szenen im Vorfeld des Christopher Street Days. Dieses Element des Dialoges spiegelt sich in vielen unserer Aktionen wieder, wie aktuell in der Kampagne Kiss Kiss Berlin.

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