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Die mobile Heizzentrale auf dem Weg nach Bernau
Experte
11. November 2016
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Mobile Heizcontainer aus Berlin bringen Wärme nach Bernau

Wenn‘s brennt, sind Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sofort zur Stelle. Nach einem Brand in einem Bernauer Blockheizkraftwerk halfen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion diesmal auch Vattenfall Kollegen. Spontan haben sie den Transport von zwei mobilen Heizzentralen ins benachbarte Bernau organisiert und diese dort in Betrieb genommen.

Der Brand in einem Bernauer Blockheizkraftwerk am 9. November trennte 700 Haushalte von der Fernwärmeversorgung. Die Wiederversorgung der Kunden hatte dann für die ortsansässigen Stadtwerke oberste Priorität.

Das Rohrleitungs- und Anlagenbauunternehmen MRA brachte die Hilfe ins Rollen. „Eine logistische Meisterleistung“, nickt Steffen Seidler von der MRA anerkennend und resümiert: „Gegen 13 Uhr bekam ich den Hilferuf von den Stadtwerken Bernau aufs Handy; eine Ersatzversorgung musste unverzüglich her. Ich trommelte meine Mitarbeiter zusammen. Aus jahrelanger Zusammenarbeit mit Vattenfall wusste ich von zwei mobilen Heizcontainern, die in Berlin-Treptow stehen. Das war unser großes Glück. Üblicherweise dauert die Bereitstellung eines solchen Containers drei bis sechs Tage.“

Es war Teamarbeit im Handumdrehen

Der Heizcontainer von Vattenfall ist angeliefert, Quelle: Bernau LIVE

Der Heizcontainer von Vattenfall Wärme ist angeliefert, Quelle: BernauLIVE

Steffen Seidler aktivierte seine Kontakte zu Vattenfall. Jetzt ging alles ganz schnell und die Nachtschicht fing an zu rotieren. Nico Frodl von Vattenfall übernahm beherzt Verantwortung und Initiative und organisierte den Transport für die beiden Heizcontainer.

In Windeseile mussten alle Bauteile demontiert und verladefertig sein. Insgesamt vier Module umfasst die Leihgabe für die Stadtwerke Bernau: zwei Container mit je einem Kessel, ein Container mit Öltank sowie einer mit Pumpstation gingen auf die Reise ins nördliche Berliner Umland.

„Allein der mobile Öltank ist sieben Meter lang und hat einen Durchmesser von zwei Metern. Den packt man nicht mal so eben auf einen Anhänger. Dafür braucht es Erfahrung und Fingerspitzengefühl“, erzählt Nico Frodl von der nächtlichen Aktion.

Der 100 Tonnen Kran im Einsatz, Foto: Vattenfall

Der 100-Tonnen-Kran im Einsatz, Foto: Vattenfall

Ein Heizcontainer umfasst 15 m² und wiegt 14 Tonnen. Überdimensional war deshalb auch der 100-Tonnen-Verladekran. Ein Gerät dieses Ausmaßes ist nur schwer zu bekommen, erst recht in so kurzer Zeit. Aber die Teams von MRA und Vattenfall Wärme stemmten auch dieses Problem im Handumdrehen mit Firmen aus der Region.  

Erfolgreiche Aktion bei Nacht und Nebel

Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine „Nacht-und-Nebel-Aktion“, als gegen 22:30 Uhr der erste von vier Schwerlasttransportern nach Bernau fuhr. Eine Stunde später waren alle Sattelschlepper und der 100-Tonnen-Kran am Einsatzort. Mit dabei Nico Frodl und sein Team sowie die MRA-Teams.

Nun mussten alle Anlagenteile vor Ort wieder aufgebaut und angeschlossen werden. „Ständig klingelten um uns herum die Handys“, erinnert sich Nico Frodl. Aber alles verlief reibungslos. MRA Manager Steffen Seidler schwärmt: „Es war beeindruckend, wie schnell die Heizcontainer an ihrem Platz standen. Schon um 2 Uhr konnten wir loslegen und die Rohrleitungen verbinden.“  

Trotz Nacht und Dunkelheit wurde akribisch geprüft, Foto: Vattenfall

Bei Nacht und Nebel wurde akribisch gearbeitet, Foto: Vattenfall

„In wenigen Stunden hatten wir alle Anlagenteile sowie die Container untereinander gekoppelt“, freut sich Steffen Seidler, als er in Bernau vom Hof fährt. Seit zwölf Uhr mittags sei die Station in Betrieb und heize auf die erforderlichen 85 Grad Celsius auf. Mit ihren 2,3 Megawatt decken die beiden Anlagen vorerst die Grundlast ab. Einer schnellen Wiederversorgung aller 700 Haushalte stand somit nichts mehr im Weg.

Ab sofort überwachen Nico Frodl und seine Vattenfall Kollegen per Funk die Betriebszustände ihrer Container in Bernau. Sind die Brenner in Betrieb? Wie hoch ist der Tankfüllstand? Arbeitet die Umwälzpumpe? All das wird nun direkt in Berlin gecheckt.

Ein außergewöhnlicher Arbeitstag liegt hinter allen Beteiligten. Steffen Seidler ist müde aber erleichtert: „Hut ab vor allen Protagonisten für diese Leistung. Das war einfach Weltklasse!“ Ihm und allen Beteiligten steckte noch in den Mittagsstunden des Folgetages das Adrenalin in den Knochen.

Links auf themenverwandte Blogbeiträge

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Heiß begehrt in Berlin: Umweltfreundliche Vattenfall Fernwärme

Weiterführende Links

Nachlese zum Heizhausbrand auf BernauLive
MRA GmbH & Co. KG

Steffen Seidler
Experte
11. November 2016

Nachdem ich 2002 in Darmstadt mein Studium zum Bauingenieur abgeschlossen hatte, lernte ich für die nächsten sechs Jahre den Ingenieurbau in New York kennen. Seit 2008 bin ich Geschäftsführender Gesellschafter bei der MRA GmbH & Co. KG. Das Familienunternehmen ist Arbeitgeber für 130 Menschen. Unser Tagesgeschäft umfasst unter anderem den Rohrleitungs- und Tiefbau für Fernwärme, Anlagenbau, Gas, Wasser und Kanalbau, sowie den Kabelleitungsbau. Mit Vattenfall verbindet uns eine jahrelange Zusammenarbeit. Gemeinsam haben wir einzigartige Bauprojekte umgesetzt, wie zum Beispiel die Querung der Müggelspree in Berlins Südosten.

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