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Zusammen geschaltete Elektroautobatterien
Experte
28. September 2016
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Neues Leben für eine gebrauchte Batterie

Recyceln ist gut, direktes Weiterverwenden ist besser – getreu diesem Motto erhalten gebrauchte Batterien aus Elektrofahrzeugen jetzt ein zweites Leben. Zu einer großen Einheit zusammengeschaltet speichern sie überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien und unterstützen so die Energiewende.

„Was ist das alles?“ Eine solche Reaktion ist Daniel Hustadt vertraut. Das äußere Erscheinungsbild des Stromspeichers im Hamburger Hafen erfüllt offensichtlich nicht immer die Erwartungen der Besucher. Von außen sieht er tatsächlich aus wie ein x-beliebiger großer Kasten, ein auf dem Kai vergessener Container.

Der Stromspeicher, ein schmuckloser Kasten, der viel Nutzen bringt, Foto: Vattenfall

Der Stromspeicher, ein schmuckloser Kasten, der viel Nutzen bringt, Foto: Vattenfall

Dieser Kasten hat es jedoch in sich: Im Inneren verborgen ist eine Anlage, die für die Sicherheit der Stromversorgung wichtig ist und die den weiteren Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien unterstützt.

„Gemeinsam mit BMW und Bosch haben wir hier ausgediente Batterien aus mehr als 100 Elektrofahrzeugen zu einem stationären Speicher zusammengeschaltet. Ausgedient haben sie nämlich nur als Fahrzeugbatterien, weil sie den hohen Anforderungen des Einsatzes im Auto nicht mehr gewachsen sind. Für andere Zwecke sind sie aber noch eine wertvolle Ressource beispielsweise für die Zwischenspeicherung von überschüssigem Wind- und Solarstrom“, erklärt der Projektleiter Hustadt.

Strom in Sekunden

So funktioniert der Stromspeicher, Grafik: Vattenfall

So funktioniert der Stromspeicher, Grafik: Vattenfall

Der neue Stromspeicher hat eine Größe von zwei Megawatt und eine Speicherkapazität von etwa 2,8 Megawattstunden (MWh). Damit könnte er einen durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt sieben Monate lang mit Strom versorgen. Eingesetzt wird der Speicher allerdings im Primärregelenergiemarkt. Er dient also dazu Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Im Primärregelenergiemarkt muss Strom innerhalb weniger Sekunden zur Verfügung stehen. Insbesondere Batteriesysteme sind hier gut geeignet, da sie sehr schnell die benötigte Energie liefern oder aufnehmen können. Die Batterien werden also entsprechend den Anforderungen des Stromnetzes ge- und entladen. Diese Fähigkeit, innerhalb von Sekunden Strom liefern oder aufnehmen zu können, wird zunehmend wichtiger. Denn zukünftig wird es weniger konventionelle Anlagen geben, die diese Anforderung erfüllen. Dafür werden Anlagen wie Batteriespeicher aufgrund fallender Batteriepreise deutlich attraktiver und werden einen großen Beitrag zur Netzstabilisierung leisten.

Testfeld HafenCity

„Bevor wir diesen größeren Speicher hier im Hafen gebaut haben, haben wir mit zwei kleineren Anlagen in der HafenCity erste Erfahrungen gesammelt. In einem Fall dient dort ein kleiner Speicher als Puffer für eine Schnellladestation, im zweiten Fall speichern wir Strom aus unserer Solaranlage auf dem Heizwerk und erhöhen so den Eigenverbrauch aus dieser Anlage“, erläutert Hustadt.

Schnellladestation mit Stromspeicher 

Daniel Hustadt bei der Einweihung mit Senator Horch, Pieter Wasmuth, Cordula Thielitz von Bosch und Dr. Bernhard Blättel von BMW, Foto: Vattenfall

Daniel Hustadt bei der Einweihung mit Senator Frank Horch, Pieter Wasmuth von Vattenfall, Cordula Thielitz von Bosch und Dr. Bernhard Blättel von BMW, Foto: Vattenfall

In der Hamburger HafenCity ist an einer Schnellladestation für Elektrofahrzeuge ein Stromspeicher integriert. Dieser Speicher wird bei hohem Aufkommen von erneuerbaren Energien im Netz aufgeladen und gibt bei Bedarf den Strom wieder an Elektrofahrzeuge ab. Wenn Elektrofahrzeuge nicht nur mit Strom aus dem öffentlichen Netz, sondern gleichzeitig auch aus der stationären Batterie geladen werden, wird das Stromnetz während des Ladevorgangs weniger stark belastet, somit wird eine teure Verstärkung des Netzes überflüssig.

Lokale Speicherung von Solarstrom 

Das zweite Einsatzgebiet ist die lokale Speicherung von Solarstrom zur Erhöhung des Eigenverbrauchs. Speichert der Solaranlagenbetreiber die Sonnenenergie in einer Batterie zwischen, statt sie ins Stromnetz einzuspeisen, kann er den erzeugten Strom auch zu Zeiten nutzen, in denen die Sonne weniger oder gar nicht scheint. Dadurch muss er weniger Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen, spart also Geld.

Ein Blick in den Stromspeicher-Kasten, Foto: Vattenfall

Ein Blick in den Stromspeicher-Kasten, Foto: Vattenfall

Die Idee, Batterien als steuerbare Anlagen im Stromnetz weiter zu verwenden und so die Stabilität des Stromnetzes zu unterstützen, entstand vor drei Jahren. Vattenfall und die BMW Group haben damals vereinbart, gemeinsam Einsatzmöglichkeiten für Elektroautobatterien zu untersuchen. Die Partner erhoffen sich dabei nicht nur neue Erkenntnisse über mögliche Einsatzgebiete für diese Batterien, sondern auch zum Alterungsverhalten und der Speicherkapazität der gebrauchten Lithium-Ionen-Batteriemodule.

Links

Vattenfall Pressemeldungen
Zukunft Stromspeicher
Blog-Artikel: Das zweite Leben der E-Mobility Batterien

Daniel Hustadt
Experte
28. September 2016

Als Diplom-Wirtschaftsingenieur für Energie- und Umweltmanagement fing ich Anfang 2006 bei Vattenfall Trading Services in Hamburg an. Seit 2008 bin ich als Projektleiter im Business Development zuständig für die Entwicklung und Etablierung innovativer Projekte. Dazu gehört zum Beispiel die Wasserstoffstation in der Hamburger HafenCity und seit Ende 2014 auch das Thema Batterieanwendungen.

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