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12. November 2014
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Netzentgelte: Pumpspeichern droht das Aus

Netzentgelte machen bestehende Pumpspeicherkraftwerke (PSW) unwirtschaftlich. Gleichzeitig kommt ihnen bei der Energiewende neben dem Ausbau erneuerbarer und leistungsfähiger Netzinfrastruktur eine entscheidende Rolle zu.

Beim Thema Speicher droht der Energiewende ein empfindlicher Rückschlag: Die 2008 eingeführten Netzentgelte könnten für viele bestehende PSW bald das wirtschaftliche Aus bedeuten. Auch Neubauprojekte wie Atdorf werden auf Eis gelegt. PSW sind derzeit jedoch die einzigen Stromspeicher, die in großem Maßstab verfügbar sind. In Deutschland sind aktuell 28 PSW mit einer Gesamtleistung von rund 7.000 Megawatt in Betrieb – genug, um rund 3.000 Windräder auszubalancieren. Sie nehmen überschüssigen Strom aus dem System auf, indem sie Wasser in ein höher gelegenes Reservoir pumpen und dort zwischenspeichern. Fehlt Strom im Netz, sind sie in der Regel in 90 Sekunden bei 100 Prozent Leistung.

Mehr als ein Stromspeicher

Darüber hinaus können PSW Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Anders als konventionelle Kraftwerke sind sie schwarzstartfähig und starten eigenständig im Turbinenbetrieb. Im Falle eines Blackouts sind sie damit Ausgangspunkt für die Wiederherstellung des Netzbetriebs. Schließlich leisten PSW mit ihrer Wasserregulierung einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Dies haben sie zuletzt beim Hochwasser im Jahr 2013 unter Beweis gestellt. PSW sind damit eine Lebensversicherung für die sichere Stromversorgung in Deutschland und aus Sicht der Übertragungsnetzbetreiber die einzigen Speicher, die gesicherte Leistung anbieten. Andere Speichertechnologien stecken dagegen noch in den Kinderschuhen. Druckluftspeicher, Power-to-Gas-Anlagen oder großtechnische Batterielösungen stellen interessante Ansätze dar. Sie haben jedoch Pilotcharakter, bedürfen weiterer Forschung und Entwicklung und sind noch lange nicht marktreif.

Speicher sind keine Endverbraucher

PSW sind Stromverbraucher und -produzenten zugleich. Die Bundesnetzagentur stuft sie jedoch seit 2008 als reine Letztverbraucher ein, mit der Folge, dass auch PSW Netznutzungsentgelte zahlen müssen. Dies verschlechtert ihre Wettbewerbsfähigkeit erheblich und diskriminiert sie gegenüber Anlagen in der Schweiz und in Österreich, die keine bzw. nur sehr geringe Netzentgelte bezahlen müssen. So wird die Deckung der Personal- und Wartungskosten immer schwerer. Notwendige Investitionen werden unrentabel, Wertschöpfung findet nicht mehr in Deutschland statt.

PSW sind keine Letztverbraucher, sondern unverzichtbarer Systembestandteil für die Versorgungssicherheit in Deutschland und das Gelingen der Energiewende. Auch die Deutsche Energie-Agentur fordert aus diesem Grund die Befreiung der PSW von den 2008 eingeführten belastenden Netzentgelten.

Verena Faber
Experte
12. November 2014

Ich arbeite im Bereich Regulatory Affairs Germany in Berlin und bin zuständig für den Bereich Bundespolitik und Regulierung. Hier befasse ich mich mit den Themen Klimaschutz, Wärme, Wasserkraft und Speicher.

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