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Qualifizierungsprogramm für Flüchtlinge
Experte
8. April 2016
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Weiterer Schlüssel zur Integration: Qualifizierungsprogramm für Flüchtlinge in Berlin

Arbeit gilt als Schlüssel der Integration. Doch der fällt nicht vom Himmel. Die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt braucht viele Helfer – Staat, Unternehmen und Bürger. Ein weiterer Schlüssel wird gerade geschmiedet: Das Qualifizierungsprogramm für Flüchtlinge im Aus- und Fortbildungszentrum der Vattenfall Wärme in Berlin.
Die Beteiligten am Qulifizierungsprogramm, Foto: Vattenfall

Die Beteiligten am Qualifizierungsprogramm, Foto: Vattenfall

Das Qualifizierungsprogramm soll helfen, die Chancen der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt wesentlich zu erhöhen. Dreimal finden die Maßnahmen in diesem Jahr statt. Zwei Gruppen von je fünf bis zehn Geflüchteten erhalten parallel dreimonatige Praxistrainings.

Dazu gehören die Vermittlung der deutschen Sprache, interkulturelles Wissen und ein berufliches Training – wahlweise entweder kaufmännisch-gewerblich oder technisch. Das kaufmännische Angebot umfasst das Erlernen von Computer-Kenntnissen und eine SAP-Grundlagenschulung; das technisch-gewerbliche Angebot vermittelt Kenntnisse der Metallverarbeitung.

Neuland für Unternehmen

Die Initiative ist Neuland für das Unternehmen. Dafür haben die Kollegen sich einen erfahrenen Kooperationspartner gesucht, Arrivo Berlin. Die Initiative zur beruflichen Integrierung von Flüchtlingen in den Berliner Arbeitsmarkt wählt geeignete Teilnehmer für die Qualifizierung aus. Sie betreut die Teilnehmer durchgängig, anfangs sogar täglich.

Einmal pro Monat finden Feedback-Gespräche statt. Am Pilot-Programm, das im Februar gestartet ist, nehmen derzeit elf Männer aus verschiedenen Herkunftsländern teil. Sie bringen sehr unterschiedliche Vorbildungen mit. Was sie eint, sind eine ausgeprägte Motivation und Wissensdurst.

Zwei Fragen an drei Beteiligte

Mit je zwei Fragen erzählen hier Vertreter der Beteiligten von ihrer Intention, Erfahrung und dem Hintergrund.

Anton Schünemann, Projektleiter bei Arrivo Berlin

Arrivo engagiert sich seit rund einem Jahr für die Qualifizierung von Flüchtlingen in Berlin. Sie haben alles neu aufgebaut. Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus diesem ersten Jahr mit?

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Anton Schünemann engagiert sich bei Arrivo Berlin, Foto: Vattenfall

 Arrivo Berlin ist Teil von „bridge“, dem Berliner Netzwerk für Bleiberecht, das sich seit über zehn Jahren mit geflüchteten Menschen auseinandersetzt und wurde initiiert von der Schlesischen 27, dem JugendKunst- und Kulturhaus, das sich seit Jahren mit der Arbeitsintegration von geflüchteten Menschen beschäftigt. Wir haben also nicht komplett bei Null angefangen.

Natürlich haben wir im Rahmen der groß angelegten Initiative von Arrivo Berlin noch so Einiges dazu lernen dürfen: Es gibt so viele Betriebe in Berlin, die gern Geflüchtete anstellen oder ausbilden möchten. Das Engagement überwältigt uns und ein Ende ist nicht absehbar.

Hinzu kommt, dass die Menschen, die so viel Leid in ihren Herkunftsländern oder auf den Fluchtwegen ausgehalten haben, sich unglaublich anstrengen, um den Erwartungen aller Beteiligten gerecht zu werden. Motivation, Lernbereitschaft und Offenheit unserer Projektteilnehmenden sind erstaunlich. Kurz zusammengefasst lässt sich also sagen, dass wir trotz der hohen bürokratischen Hürden, Betriebe und Geflüchtete erfolgreich zusammenbringen konnten.

Was ist das Besondere dieses Qualifizierungsprogrammes hier?

Das Besondere zeigt sich in zweierlei Hinsicht. Einerseits bietet Vattenfall fachspezifische Qualifizierungsmöglichkeiten an, die geflüchteten Menschen sowohl Orientierung als auch einen wichtigen Einblick in den deutschen Arbeitsmarkt liefern. Andererseits wird die berufsspezifische Expertise, durch einen Deutschkurs ergänzt, der neben der sprachlichen Weiterbildung auch auf interkulturelle Thematiken eingehen wird. Die Kombination aus fach- und sprachspezifischer Weiterbildung liefert Perspektive und ist unersetzlich für eine gelingende Arbeitsintegration und somit auch für eine gesamt-gesellschaftliche Zukunft.

Ibrahim Moussa, Teilnehmer:

Ibrahim Moussa kommt aus dem Tschad und ist seit September 2014 in Deutschland.

Wie sind Sie zu diesem Qualifizierungsprogramm gekommen?

Ibrahim Moussa kommt aus dem Tschad und ist seit September 2014 in Deutschland, Foto: Vattenfall

Ibrahim Moussa kommt aus dem Tschad und ist seit September 2014 in Deutschland, Foto: Vattenfall

Ich werde seit September 2015 von Arrivo betreut. Mir wurde die Teilnahme an dem Praktikum bei Vattenfall angeboten und ich wollte sehr gerne daran teilnehmen.

Was gefällt Ihnen daran?

Die Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Kulturen, was sehr interessant ist. Der Umgang unter den Teilnehmern, aber vor allem auch von den Mitarbeitern von Vattenfall ist sehr gut. Die Metallbearbeitung macht mir sehr viel Spaß.  Es ist anders als bei den Praktikumsbetrieben wo ich bisher war. Hier erhält man sehr viel Unterstützung und kann viel lernen.

Ich hoffe, dass ich bei Vattenfall oder bei einen anderem Unternehmen eine Ausbildung in einem elektrotechnischen Beruf oder als Mechatroniker machen kann.

Ulf Stockmeier, Leiter Personal der Vattenfall Wärme:

Warum engagiert sich Vattenfall für die Qualifizierung von geflüchteten Menschen?

Ulf Stockmeier von der Vattenfall Wärme

Ulf Stockmeier ist Ansprechpartner bei der Vattenfall Wärme für das Programm, Foto: Vattenfall

Geflüchteten Menschen Hilfe zu leisten, ist eine humanitäre Verpflichtung, die jeden einzelnen von uns trifft. Hilfe in Form von Qualifizierung für den beruflichen Arbeitsalltag anzubieten, ist darüber hinaus der Versuch, aktiv zur Integration von Flüchtlingen in die deutsche Gesellschaft beizutragen.

Wir alle wissen, dass dies keine leichte Aufgabe wird.  Sprachliche und kulturelle Hürden sind zu überwinden. Aber: Wenn wir diese Aufgabe nicht jetzt angehen, wann dann? Die Hilfe wird jetzt benötigt. Und wir sind uns sicher, dass die zu uns kommenden Flüchtlinge anschließend bessere Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt und damit bei der Integration in die deutsche Gesellschaft haben werden.

Wie bekommen Sie diese Qualifizierung in Ihrem Aus- und Fortbildungszentrum zusätzlich zum Ausbildungsbetrieb hin?

Das Qualifizierungsprogramm beeinträchtigt den normalen Ausbildungsbetrieb nicht. Wir haben sie so organisiert, dass sie neben dem normalen Ausbildungsalltag stattfinden kann. Die gewerblich technischen Qualifizierungsmaßnahmen starten, wenn unsere Auszubildenden die Werkstätten verlassen haben.

Themenschwerpunkt Engagement für Flüchtlinge

Flüchtlinge integrieren und den neu Ankommenden eine Chance geben – diesem Ziel hat sich auch Vattenfall verschrieben. Berufsvorbereitungskurse und Integrationsprojekte sollen Migranten den Weg in Ausbildung und Berufsleben erleichtern. Im Rahmen seiner Jugendarbeit kümmert sich Vattenfall aber auch um die Jüngeren unter den Neuankömmlingen.

Integration junger Flüchtlinge in die Berufswelt

 

Barbara Meifert
Experte
8. April 2016

Als gelernte Politikwissenschaftlerin und Journalistin habe ich mittlerweile mein Herz für die handfeste Infrastruktur entdeckt. Ich kommuniziere die Berliner Wärme und habe langsam eine Vorstellung, wer alles beteiligt ist und was passieren muss, damit meine Wohnung warm wird.

  • Fischer

    Stehen dadurch weniger Ausbildungsplätze für Deutsche zur Verfügung?

    • Vattenfall Deutschland

      Nein, die Qualifizierungsmaßnahme führen wir unabhängig von der klassischen Ausbildung durch.

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