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Berlin-Schöneweide aus der Vogelperspektive
Experte
21. März 2016
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Quartiersentwicklung Schöneweide in Berlin: Optimales Zusammenspiel

So etwas gab es in Schöneweide noch nie: Mitarbeiter von Bezirk und Unternehmen sitzen mit interessierten Bürgern und Wissenschaftlern an einem Tisch und „spielen“ gemeinsam die Zukunft des Standorts durch. So geschehen beim Workshop „Schöneweide Energie+“. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit lokalen Akteuren Ideen für nachhaltige Energie- und Infrastrukturlösungen im Quartier zu entwickeln.

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Interessierte Bürger und Wissenschaftler kamen zusammen, Foto: Vattenfall

Mit seinen freien Industrieflächen und der Nähe zur Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin gilt der Stadtteil im Südwesten Berlins als großer Hoffnungsträger für die Neuansiedlung von Unternehmen. Nach dem Vorbild von Adlershof und Buch soll hier im direkten Umfeld der Hochschule ein Wirtschaftszentrum entstehen. „Die enge Verknüpfung von innovativen Unternehmen und Wissenschaft liefert Ansiedlungsargumente für andere interessante Firmen,“ sagt Birgit Kahland vom Wärmebereich Vattenfalls. „Durch die Erschließung des Spreeufers gewinnt das Areal zunehmend auch für die Bewohner an Lebensqualität.“  

Spiel bereitet den Weg der Zusammenarbeit

Damit das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Stadtgesellschaft und Regionalmanagement bei der Quartiersentwicklung Schöneweide künftig reibungslos funktioniert, können die Teilnehmer im Workshop schon mal proben.

Viele von ihnen werden sich in den nächsten Jahren zum Thema Schöneweide wiedertreffen. Heute gilt es jedoch, die Entscheidungsprozesse der Zukunft zunächst einmal spielerisch zu simulieren. „Es ist sehr wichtig, dass die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse auf den Tisch kommen, bevor städtebauliche Veränderungsprozesse beginnen“, erklärt Kahland,  die an der Vorbereitung des Workshops mitarbeitete.

Wärme-Chef Gunter Müller nutzt die Begrüßungsrunde, um auf Vattenfalls Investitionen vor Ort aufmerksam zu machen. Allein in den Umbau des nahe gelegenen Heizkraftwerks Klingenberg fließen derzeit 100 Millionen Euro. Hinzu kommt der weitere Ausbau der Fernwärme im Bezirk.

Die Karten kommen auf den Tisch

Mit Monopoly- ähnlichen Tischkarten wurde simuliert. Foto: Vattenfall

Mit Monopoly- ähnlichen Tischkarten wurde simuliert. Foto: Vattenfall

Nach einer Kennlernrunde beginnt die Potenzialanalyse. Hierzu teilen sich die Experten entsprechend der vordefinierten Themen auf die Tische auf: Energie, Wassermanagement, Abfallwirtschaft, Verkehr und digitale Infrastruktur stehen zur Auswahl. Zunächst geht es darum, die jeweils vorherrschende Situation zu beschreiben und die wichtigsten Probleme und Herausforderungen zu benennen.

Als Spielfeld hilft ein großformatiger Druck mit einer Karte von Schöneweide, der von den Teilnehmern schon bald mit bunten Linien, Zeichen und Abkürzungen übersät wird. Würfelbecher sucht man in den Spielrunden vergeblich. Aber es gibt Spielkarten, die als Stichwortgeber dienen und für Projekte, Akteure, Ziele, Pläne, Statistiken oder Ideen stehen.

Gedankenaustausch voller Energie

Anschließend geht es darum, Lösungsansätze zu entwickeln. Ergebnisse, die gemeinsam erarbeitet werden, sind in der Regel belastbarer. Garantieren sie doch, dass unterschiedliche Ansichten berücksichtigt wurden. Die Körpersprache der meisten Beteiligten hat sich inzwischen deutlich verändert. War sie anfangs bei vielen Teilnehmern noch kontrolliert, ist nun deutlich zu sehen, wie engagiert diskutiert und gestritten wird. Theorie prallt auf Praxis, Regularien auf Visionen, Bürgerwünsche auf Wirtschaftsinteressen.

Gunther Müller zeigt auf Details der Karte, die bei der Energieplanung zu beachten sind, Foto: Vattenfall

Gunther Müller zeigt auf Details der Karte, die bei der Energieplanung zu beachten sind, Foto: Vattenfall

„Energie“ ist das Thema am Tisch Nr. 1, an dem die Vertreter von Vattenfall sitzen. Der Vorschlag, dem Bezirk ein nachhaltiges und integriertes Energiekonzept anzubieten, findet bei allen Beteiligten Zustimmung. Der Wärmebereich von Vattenfall hat damit zum Beispiel in Moabit schon gute Erfahrungen gemacht. Auch die Idee, gezielt Unternehmen und Institutionen anzusprechen, die eigene Klimaschutzvereinbarungen formuliert haben, trifft bei den Energieexperten auf Zustimmung.

An den anderen Tischen geht es derweilen ebenfalls hoch her. Die Themen reichen vom Aufbau eines Gebrauchtwarenhauses über den Breitbandausbau und die Erschließung neuer Verkehrswege bis zur Regenwassernutzung. Als das akustische Schlusssignal ertönt, sind sich alle einig, dass noch längst nicht alles ausreichend besprochen wurde.

Die Arbeit fängt jetzt erst an

Zur abschließenden Vorstellung der Ergebnisse stößt Bezirksbürgermeister Oliver Igel dazu. Von der Vielfalt der in der Kürze der Zeit entwickelten Ideen zeigt er sich angetan. Er dankt den Teilnehmern für ihr Engagement und fordert die Akteure auf, die neu gewonnenen Netzwerkkontakte auszubauen. Zudem lädt er sie ein, ihre Projektansätze weiterzuverfolgen und mit dem Bezirksamt zu diskutieren.

Gedanken, Ideen und Argumente werden notiert, Foto: Vattenfall

Gedanken, Ideen und Argumente werden für weitere Treffen dieser Art notiert, Foto: Vattenfall

Auch die Initiatoren zeigen sich mit dem Spielverlauf zufrieden. „Wir waren überrascht, wie deutlich die Schnittstellen zwischen den einzelnen Themenkomplexen zutage traten“, zieht Moderator Jonas Schorr vom Institut für Architektur an der TU Berlin stellvertretend Fazit.

„Die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an,“ sagt Kahland. Für uns heißt das, unser Energiekonzept so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen.“ Die ersten Ergebnisse aus dem Workshop Schöneweide Energie+ werden einem breiteren Publikum auf den Berliner Energietage im April 2016 zugänglich gemacht.

Mehr zum Workshop und das Quartier Schöneweide im Film: 

Birgit Kahland
Experte
21. März 2016

Ich bin Ingenieurin für Energie- und Verfahrenstechnik und bei der Vattenfall Europe Wärme AG für City Partnership Berlin zuständig. Effiziente und umweltfreundliche Energie für Berlin ist ein sehr wichtiges Thema, denn die Stadt wird in den nächsten Jahren stark wachsen – auf begrenzter Fläche. Wir haben jetzt die Chance, gemeinsam mit den Menschen vor Ort die Quartiere der Zukunft zu planen und sie so auf den Weg zu bringen, wie wir künftig leben wollen. Darüber freue ich mich.

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