Alle Themen
RH_Landung
Experte
21. Oktober 2015
Zurück

Rettungsübung auf hoher See

Bis zu 110 Kilometer vom Land entfernt liegen zwei Offshore-Windprojekte von Vattenfall: DanTysk und Sandbank – mitten in der Nordsee und fernab der üblichen Rettungswege. Ein eigenes Rettungs- und Alarmierungssystem sorgt für die Sicherheit der Arbeiter vor Ort.

Mitten auf hoher See steht der Windpark DanTysk, Foto: Vattenfall

Mitten auf hoher See steht der Windpark DanTysk, Foto: Vattenfall

In den beiden Windparks DanTysk und Sandbank, bis zu 110 Kilometer vor der Küste gelegen, müssen die Arbeiter jeden Weg per Schiff erledigen. Bei glatter See ein Vergnügen, was allerdings nicht so häufig vorkommt. In der Regel herrscht auf hoher See taffer Wellengang. Das Transportschiff, ein 24 Meter langer Katamaran, buckelt über die Wellen. Da heißt es standfest sein und gut festhalten. Doch was tun, wenn einer fällt und sich verletzt?

Eigenes Rettungskonzept für hohe See

Die Verunfallte ist bei der Übung zum Glück nur ein Dummy, Foto: Vattenfall

Verunfallt ist bei der Übung zum Glück nur ein Dummy, Foto: Vattenfall

Ein Szenario, das die Kollegen am 1. Oktober innerhalb einer großen Rettungsübung durchspielen. Denn auf hoher See lässt sich nicht einfach ein Rettungswagen rufen. „Wir sind da draußen von jedem herkömmlichen Rettungsweg abgeschnitten und haben deshalb ein eigenes Rettungs- und Alarmierungskonzept“, erklärt Frank Ziech, der als Arbeitsschutzspezialist für den Windpark DanTysk bei Vattenfall die Übung koordiniert. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für maritimes Notfallmanagement, der GMN, einer Tochter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, durchgeführt. „Die Theorie ist gut, doch es muss auch im Notfall funktionieren.“

Praktische Anwendung muss klappen

Der Sicherheitsanzug rettet im Fall des Falles Leben, Foto: Vattenfall

Der Sicherheitsanzug wärmt und sorgt für Auftrieb, Foto: Vattenfall

Für den Überstieg an Bord zum Einsatzort müssen die Arbeiter einen Überlebensanzug anziehen. Doch das Anziehen ist bei Wellengang gar nicht so einfach. „Wir simulieren also den Fall, dass jemand beim Anziehen der Ausrüstung ins Straucheln kommt und mit dem Kopf aufschlägt und sich verletzt. Ab hier sind die Kollegen gefordert“, so Frank Ziech.

Erste Hilfe vor Ort

Rettung per Helikopter ist in den Windparks der einzig mögliche Weg, Foto: Vattenfall

Rettung per Helikopter ist in den Windparks der einzig mögliche Weg, Foto: Vattenfall

Auch wenn es nur eine Übung ist, zeigt sie doch, ob die Rettungswege funktionieren. „Wichtig sind zunächst die Erste Hilfe vor Ort und die Information des Kapitäns“, so Frank Ziech. Dieser löst dann Alarm aus. Das Signal läuft bei DanTysk-Traffic, der Marine-Koordinationsstelle des Windparks auf. Diese ist 24 Stunden am Tag besetzt und überwacht den Betrieb. Von dort wird zuerst die GMN informiert, die den Rettungshubschrauber anfordert. Seine Einsatzcrew ist tagsüber in 15 Minuten, nachts in 30 Minuten abflugbereit. „Aber allein die Flugzeit beträgt 32 Minuten von der Küste in St. Peter-Ording aus, wo der Hubschrauber stationiert ist.“ Deshalb prüft DanTysk-Traffic sofort, welche internen Mittel zur Verfügung stehen.

Weitere Wege, um zu helfen

Der Sanitäter des Windparks erhält einen Lagebericht, Foto: Vattenfall

Der Alarm erreicht den Sanitäter, Foto: Vattenfall

Die Koordinierungsstelle funkt den Offshore-Notfallsanitäter der beiden Windparks an und organisiert seinen Transport zum Notfallort. Je nachdem, wo der Unfall stattgefunden hat, braucht der Sanitäter allerdings auch bis zu 30 Minuten, um vor Ort zu sein. Hier übernimmt er die Betreuung des Patienten und bereitet ihn auf den Hubschraubertransport vor.

Einfaches Szenario, aber anspruchsvolle Übung

Der Katamaran mit dem Verunfallten an Bord fährt aus dem Windparkgebiet heraus, Foto: Vattenfall

Der Katamaran mit dem Verunfallten an Bord verlässt das Windparkgebiet, Foto: Vattenfall

Währenddessen fährt der Kapitän aus dem Windparkfeld heraus ins freie Wasser. Denn zwischen den Windanlagen kann der Hubschrauber das Boot schwer erreichen. Jetzt setzt die Hubschrauberrettung ein. „Das ist ein einfaches Szenario, komplizierter geht es natürlich immer. Aber auch so ist die Übung anspruchsvoll und zeigt, welche Maßnahmen noch optimiert werden müssen.“

Alles im Plan

Bei der Übung am 1. Oktober läuft alles nach Plan. Nach 80 Minuten fliegt der Hubschrauber mit dem Patienten in die Klinik an Land.

Effektive Vorbereitung notwendig

Frank Ziech beobachtet die Übung genau, um die Abläufe noch beser zu machen, Foto: Vattenfall

Frank Ziech beobachtet die Übung genau, um die Abläufe zu optimieren, Foto: Vattenfall

„Um die sichere Arbeit in einem Windpark auf hoher See zu ermöglichen, gibt es nicht nur regelmäßige Übungen“, erzählt Frank Ziech. Schon vor Beginn der Arbeiten müssen alle, die den Windpark betreten, eine ärztliche Eignungsprüfung bestehen und diverse Offshore-Trainings durchlaufen. „Da kommt einiges zusammen: Im Endeffekt machen alle ein zweitägiges Erste-Hilfe-Training, ein Überlebenstraining auf hoher See und eines, um aus einem gesunkenen Helikopter zu entkommen. Weiter geht es mit Kursen zur Brandvermeidung und zum richtigen Lasten-Tragen. Außerdem steht ein Höhentraining auf dem Programm; hier müssen die Kollegen in 110 Metern Höhe aus einer Gondel aussteigen und sich abseilen. „Die Kurse werden in regelmäßigem Turnus wiederholt und natürlich durch die Übungen vor Ort ergänzt. Gute Vorbereitung ist auf hoher See lebensrettend.“

Hier erhalten Sie einen Eindruck vom Sicherheitstraining:

 

Fakten zu DanTysk 

Das Projekt ist ein Joint Venture zwischen Vattenfall (51 %) und den Stadtwerken München (49 %).

Lage: Deutsche Nordsee, etwa 70 km  vor Sylt. Der Standort umfasst eine Fläche von 70 km²
Netzanschluss: Offshore-Netzanschluss Sylwin (wie bei DanTysk)
Turbinen: 80 x 3,6-120 MW Siemens
Leistung: 288 MW
Inbetriebnahme: April 2015

Artikel über das Projekt DanTysk:
Pionierarbeit und ständiger Lernprozess
Wirtschaftsfaktor Offshore-Windpark
Offshore-Windpark DanTysk in Betrieb
Erstes Offshore-Hotel für Monteure,

Fakten zu Sandbank

Das Projekt ist ein Joint Venture zwischen Vattenfall (51 %) und den Stadtwerken München (49 %). Ab 2017 soll der Windpark  400.000 deutsche Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen.

Investitionsvolumen: 1,2 Milliarden EUR
Lage: Deutsche Nordsee, etwa 90 km westlich von Sylt. Der Standort umfasst eine Fläche von 66 km².
Netzanschluss: Offshore-Netzanschluss Sylwin (wie bei DanTysk)
Turbinen: 72 4-MW-Anlagen von Siemens
Leistung: 288 MW
Inbetriebnahme: 2017

Artikel über das Projekt Sandbank:
Der Offshore-Windpark Sandbank wächst
Mit neuer Methode gegen Altlasten im Meer
Neue Technik für Sandbank-Fundamente
Erfolgreicher Praxistest für neues Schallschutzkonzept

Frank Ziech
Experte
21. Oktober 2015

Seit mehr als zehn Jahren bin ich als HSE-Manager in Sachen Sicherheit unterwegs. Bevor ich zu Vattenfall kam, sammelte ich Erfahrung als Bauleiter und Sicherheitsexperte bei großen Baustellen, unter anderen die der Europa Passage sowie der Elbphilharmonie in Hamburg. Dann ging es so zu sagen auf See: Seit 3.5 Jahren begleite ich das Projekt DanTysk und arbeite jetzt auch für das nächste Offshore-Windprojekt Sandbank.

  • Experte
    Stefan Volkmer Stefan Volkmer
    14. November 2016

    Kopf hoch! Nichts verpassen! Sicherheit geht vor!

    Wenn Auszubildende sich über Gefahren im Arbeitsalltag informieren, kann der Enthusiasmus auch schon mal mit den jungen Leuten durchgehen; und es entstehen gleich drei Videoclips. Sicherheit geht vor, und das [...]
  • Experte
    Janek Plathe Janek Plathe
    23. September 2016

    Offshore Wind – mit gutem Gefühl arbeiten

    Weit draußen in der Nordsee steht der Windpark DanTysk. Nebenan wird gerade der Windpark Sandbank gebaut. Damit die Serviceteams, die an den Windparks arbeiten, nicht täglich die knapp 100 Kilometer [...]
  • Experte
    Benjamin Koss Benjamin Koss
    16. September 2016

    Leidenschaft für Offshore-Wind

    Damit eine einsame Meeresfläche, weit draußen vor der Küste zu einem geschäftigen Windpark wird, bedarf es einer Unmenge an Planungs-, Koordinations-, Vertrags- , Ingenieur- und Bauleistung. Und vor allem braucht [...]