Zurück

Was macht man, wenn eine Rohrleitung undicht wird? Alles rausreißen und neu machen? Es geht auch anders. Im Heizkraftwerk Reuter  West sind die Leitungen zur Kühlwasserrückführung nach 27 Jahren Einsatz nicht mehr dicht. In den Niederdruckleitungen wird jetzt ein Verfahren aus der Abwasser-Rohrsanierung angewandt: es wird ein Kunststoffrohr ins alte Stahlrohr eingebracht.

arrow
arrow
Leitungen_Reuter©Vattenfall
Kühlwasserrücklaufleitung im HKW Reuter, ganz oben bereits mit Liner saniert, darunter die zu sanierende zweite Leitung, Foto: Vattenfall

Kühlwasserrücklaufleitung im HKW Reuter, ganz oben bereits mit Liner saniert, darunter die zu sanierende zweite Leitung, Foto: Vattenfall

Im Keller des Heizkraftwerkes ist nicht viel Platz. Schmale Gänge führen entlang an den bis zu 60 Zentimeter breiten Rohren. Sie sind in mehreren Etagen durch die Räume gebaut. Beschriftungen sorgen für die Übersicht, denn die Leitungen sind fast alle im selben Grünton gestrichen. Ein Strang von insgesamt vier Rohren bildet die Kühlwasserrücklaufleitung von Block E. Vor sechs Jahren wiesen zwei der Leitungen bereits wiederholt Undichtigkeiten auf. Die Stahlleitungen mussten saniert werden. „Das bedeutet einen erheblichen Aufwand und Kosten“, sagt Stefan Heine, der im HKW Reuter für den Wartungsservice zuständig ist. Deshalb wurden Alternativen gesucht.

Schlauchliner bietet neuen Lösungsansatz

Ein Stück des Schlauliners im unausgehärteten Zustand. Der Schlauchliner ist auf der Außenseite mit einer UV-Schutzfolie beklebt, das verhindert die Aushärtung während des Einbaus, Foto: Vattenfall

Ein Stück des Schlauliners vor der Bearbeitung. Er ist auf der Außenseite mit einer UV-Schutzfolie beklebt, das verhindert die Aushärtung während des Einbaus, Foto: Vattenfall

Heine erinnerte sich an ein Gespräch mit seinem ehemaligen Nachbarn; dabei ging es um sogenannte Schlauchliner. Diese gleichem einem Schlauch, der in das bestehende Rohr eingebracht, angepasst und ausgehärtet wird. „Wir hatten vor einiger Zeit schonmal überlegt, ob das Linerverfahren auch für den Einsatz im Heizkraftwerk geeignet ist“, erzählt Heine. Doch damals blieb es bei der Überlegung. Diesmal griff die Kraftwerksleitung Heines Idee auf.

 

Der Schlauchliner wird mit Luft befüllt und stellt sich dadurch leicht auf, der Lampenzug kann jetzt eingezogen und justiert werden, Foto: Vattenfall

Der Schlauchliner wird mit Luft befüllt und stellt sich dadurch leicht auf, der Lampenzug kann jetzt eingezogen und justiert werden, Foto: Vattenfall

Erster Test vor mehr als fünf Jahren

Die Firma BKP Berolina bot einen Test an. Der Schlauchliner, der im HKW Reuter zum Einsatz kam, war eine Weiterentwicklung für den Niederdruckbereich und wurde in die beiden Leitungen eingebracht. Er bestand aus mehreren Lagen Glasgewebe und Polyesterharz und hatte einen unwesentlich geringeren Durchmesser als das schadhafte Rohr. In dieses eingebracht, mit Druckluft aufgeblasen und mittels UVA-Licht ausgehärtet, passte er sich optimal an die Innenwand des Stahlrohrs an und bildete dann ein Rohr im Rohr. Dieses Verfahren wird seit Jahrzehnten erfolgreich zur Sanierung von Regen- und Schmutzwasserkanälen eingesetzt.

Nach erfolgreicher Probezeit Marktreife erlangt

Der Schlauchliner legt sich optimal an das Altrohr an. Passstücke aus Glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) erleichtern das Anbinden des Schlauchliners an die Kühlwasserrücklaufleitung, Foto: Vattenfall

Der Schlauchliner legt sich optimal an das Altrohr an. Passstücke aus Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) erleichtern das Anbinden an die Kühlwasserrücklaufleitung, Foto: Vattenfall

Der Test  im HKW hat sich inzwischen bewährt. Nach erfolgreicher Probezeit von mehr als fünf Jahren werden jetzt auch die weiteren zwei Leitungsstränge mit dem gleichen Verfahren saniert. Es hat also seine Marktreife erreicht. „Für uns bietet es eine gute und günstige Alternative zum Austausch“, so Heine. Zwar kann der Schlauchliner nur in geraden Stücken eingebracht werden, sein Einsatz minimiert aber erheblich die Kosten und den Aufwand. „Wir haben keine Probleme mit dem bereits ausgetauschten Stück in den letzten Jahren gehabt“, erzählt Heine begeistert.

 

Neues verfahren spart Zeit und Geld

Die Kontrolle der Aushärtung findet mittels Computer- und Videoüberwachung statt. Die Lichtquelle verfügt über zwei Kameras, eine vorne und eine am Ende des Lampenzugs, Foto: Vattenfall

Die Aushärtung wird per Computer- und Videoüberwachung kontrolliert. Die Lichtquelle verfügt über zwei Kameras, eine vorn und eine am Ende des Lampenzugs, Foto: Vattenfall

Die Anschlüsse an die Biegungen sind problemlos per Flansch machbar. Zwar könne man die sanierten Rohre dann nicht mehr schweißen, aber das sei auch nicht notwendig. Veränderungen diesbezüglich seien nicht absehbar. „Das Verfahren spart jede Menge Zeit“, freut sich Heine. Das Einbringen und Aushärten des Schlauchliners ist in einem Tag erledigt. Die Arbeitsvorbereitungen wie Planung und Säuberung des Rohres von den Ablagerungen der Gebrauchsjahre dauern allerdings etwas länger. „Für den jetzt bearbeiteten Abschnitt von 31 Metern haben wir insgesamt eine knappe Woche gebraucht. Bei einem Austausch wären wir noch nicht einmal mit den Vorbereitungen fertig.“  Jetzt kann innerhalb einer Revision der gesamte Strang saniert werden. Die Bauausführung liegt bei der Firma Stehmeyer + Bischoff. Drei Rohrabschnitte von rund 40,67 und  31 Metern wurden mit dem Berolina LP-Liner saniert und durch Flansche an die Bögen angebunden. Dabei geht es Stück für Stück in Etappen voran. Schließlich ist alles wieder dicht.

Stefan Heine
Experte
15. Juli 2015

Ich bin bereits seit 33 Jahren am Standort in Berlin Spandau. Als gelernter Mechaniker war ich Jahrelang Blockmeister im Schichtdienst, zunächst im Heizkraftwerk Reuter, dann ab 1987 im Heizkraftwerk Reuter West. Inzwischen bin ich von der Schicht herunter und arbeite als Techniker. Meine Schwerpunktaufgaben liegen in der Wartung der Anlage.

  • Experte
    Silvia Teich Silvia Teich
    27. Juli 2016

    Pflanz-Workshop im Gemeinschaftsgarten

    Stadtgrün und Natur sind meine Themen als freie Journalistin. Seit zehn Jahren pflanze und ernte ich in meinem Kleingarten, der [...]
  • Experte
    Gerard Nijboer Gerard Nijboer
    18. Juli 2016

    Millimeterarbeit für neue Heißwassererzeuger

    Seit Ende 2015 koordiniere ich als Projektmanager das Projekt Heißwassererzeuger in Wilmersdorf. Es ist toll zu sehen, wie gut hier [...]
  • Experte
    Charlotte Hintzmann Charlotte Hintzmann
    8. Juli 2016

    Ein Heizkraftwerk aus den Augen einer Illustratorin

    Nach meinem Kommunikationsdesignstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und einer einjährigen Tätigkeit für die Berliner Grafikdesignagentur Lücken-Design hat es mich vor [...]