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Experte
9. März 2016
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Sichere Wärmeversorgung für Hamburg

Nicht nur auf der Konferenz Sustainable Built Environment wird dieser Tage in Hamburg unter anderem über die nachhaltige Wärmeversorgung diskutiert. Die Hansestadt selbst sucht nach einem Konzept für die Wärmeversorgung.

Energieexperte Christian Maaß äußerte in der Zeitung „Hamburger Abendblatt“ die Befürchtung, dass Hamburg weit abgeschlagen hinter anderen Metropolen in Punkto Energiewende rangiert. Ein Knackpunkt ist die Modernisierung des Heizkraftwerks Wedels. Wärme-Chef Pieter Wasmuth hat dazu seine Sicht niedergeschrieben: 

Angelpunkt der Diskussion: Das Heizkraftwerk Wedel, Foto: Vattenfall

Das Heizkraftwerk Wedel, Foto: Vattenfall

Warme Wohnungen im Winter. Jederzeit warm duschen oder baden können – das ist für uns kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit. Wie diese ständige Verfügbarkeit von Wärme sichergestellt wird, interessiert normalerweise niemanden. Doch derzeit berät der Hamburger Senat darüber, wie das Wärmekonzept für die Zukunft aussehen soll. Für das Erreichen der Hamburger Klimaschutzziele soll sich etwas ändern; auch bei der an sich schon relativ klimaverträglichen, weil mit gut 90 Prozent auf Kraft-Wärme-Kopplung basierenden Fernwärme. Da scheint eine Modernisierung des Heizkraftwerks in Wedel nicht der richtige Weg und stößt bei einigen in der Stadt auf Kritik.

Sichere Wärmeversorgung hat Priorität

Diese Modernisierung, die Vattenfall in den Sommermonaten 2016 bis 2018 vornehmen will, ist jedoch für die Sicherstellung der Wärmeversorgung des Hamburger Westens unumgänglich. Wir haben seit Jahren darauf hingewiesen, dass Wedel ohne Investitionen nach 2016 nicht mehr betrieben werden kann. Rund 120.000 Hamburger Haushalte werden von der Anlage beliefert, wohl kaum ein Bewohner möchte  auf eine warme Wohnung oder gar warmes Wasser verzichten.

Genau das wäre jedoch das Ergebnis, wenn Vattenfall nicht in das Kraftwerk investieren würde. Derzeit gibt es keine bestehende Erzeugungsanlage, mit der die Wärmeversorgung im Westen der Stadt gewährleistet werden kann. Jede künftige Ersatzlösung muss geplant, beantragt und genehmigt werden. Es dauert erfahrungsgemäß Jahre bis sie realisiert ist. Zwei Konzepte zum rechtzeitigen Ersatz wurden abgelehnt, die Lebensdauerverlängerung der Bestandsanlage ist eine logische Konsequenz.

Modernisierung von Wedel notwendig

Die Pressemitteilung zur Modernisierung des Heizkraftwerks Wedel, Foto: Vattenfall

Die Pressemitteilung zur Modernisierung des Heizkraftwerks Wedel, Foto: Vattenfall

Das  Kraftwerk Wedel  leistet der Hansestadt und ihren Bewohnern stets treue Dienste. Dienste, die nach mehr als 50 Jahren eine Modernisierung für den Weiterbetrieb notwendig machen. Einerseits, um zukünftige schärfere Emissionsgrenzwerte sicher einhalten zu können; andererseits, um einen altersbedingten Ausfall von Anlagenteilen so weit wie möglich zu verhindern. Die Kosten für diese Modernisierungsmaßnahmen trägt Vattenfall.

Einvernehmen mit der Stadt

Die Freie und Hansestadt Hamburg ist seit 2012 mit 25,1 Prozent Anteilseigner der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH. Investitionsentscheidungen trifft sie gleichberechtigt und auf Augenhöhe. Im Nachgang des Volksentscheides hat Vattenfall der Freien und Hansestadt Hamburg eine Kaufoption für die verbleibenden 74,9 Prozent der Unternehmensanteile eingeräumt.

Für den jetzt eingetretenen Fall, dass bis 2015 keine Entscheidung für den Neubau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) getroffen wird, beträgt der Mindestpreis 950 Mio. Euro. Er schließt die Übernahme des Bestandskraftwerks in Wedel ein. Auch wenn formal die Vattenfall Wärme AG in die Ertüchtigung des Bestandskraftwerks investiert, geschieht dies im Einvernehmen mit dem künftigen Eigentümer Vattenfall Wärme Hamburg GmbH.

Der Verantwortung gerecht werden

Vattenfall hat nach dem Volksentscheid bewusst auf eine Einigung mit der Stadt gesetzt und einen harten Konflikt mit einer langen gerichtlichen Auseinandersetzung vermieden. Die Entscheidung über das künftige Konzept und die Struktur der Wärmeerzeugung und -versorgung in Hamburg liegt bei der Stadt. Vattenfall beteiligt sich konstruktiv an den Beratungen über das künftige Wärmekonzept und bringt seine Expertise ein.

Bis über dieses Konzept entschieden ist und eine alternative Versorgungsmöglichkeit zum Kraftwerk in Wedel realisiert ist, muss die alte Anlage weiterlaufen. Hier keine Investitionen mehr zu tätigen, die dafür sorgen, dass das Heizkraftwerk trotz seines Alters zuverlässig arbeitet, wäre fahrlässig und unverantwortlich den Menschen gegenüber, die darauf vertrauen, dass wir unserer Verantwortung für die Wärmeversorgung gerecht werden.

Der Beitrag von Pieter Wasmuth ist auch im Hamburger Abendblatt vom 5./6. März erschienen.

Der Beitrag von Pieter Wasmuth ist auch im Hamburger Abendblatt vom 5./6. März erschienen.

Pieter Wasmuth
Experte
9. März 2016

Mein Herz schlägt für den Norden, nicht nur privat sondern auch dienstlich. Als Geschäftsführer der Vattenfall Wärme Hamburg und der Vattenfall Nuclear Energy sowie als Generalbevollmächtigter für Hamburg und Norddeutschland, bin ich für einen Teil der Geschäfte des Unternehmens in dieser Region verantwortlich. Dabei sind die konventionelle Energieerzeugung und die erneuerbare für mich kein Widerspruch, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Schließlich komme ich als ehemaliger Vorstand der REpower Systems AG auch aus dieser Branche. Es ist eine spannende Aufgabe, die Energiewende zu begleiten.

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