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Sonnenkollektoren in Zoneiland Almer
Experte
7. Juli 2017
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Wieder sonnige Aussichten für Solarenergie

Die jüngste Insolvenz des letzten großen Solarzellen-Herstellers scheint das vorläufige Ende der Branche in Deutschland zu sein. Andererseits lohnt sich Solarenergie vielfach wieder – ein Widerspruch? Nur auf den ersten Blick. Auch Vattenfall setzt auf Energie aus der Sonne und geht mit innovativen Konzepten in den Markt. Claus Wattendrup, bei Vattenfall verantwortlich für den Bereich Photovoltaik und Batterien, beschreibt die Entwicklung aus seiner Sicht.

Andere Branchengrößen hatten bereits vor Jahren aufgegeben: Von den großen Hoffnungen eines deutschen Solar Valleys bis zu der Serie von Insolvenzen deutscher Hersteller – das Schicksal der Vorzeigebranche Solarenergie schien nach den Boomjahren 2011/2012 besiegelt.

Ein Grund: niedrige Preise für Photovoltaikmodule und die Konkurrenz aus Fernost. Aber die Konkurrenz aus Asien mit niedrigen Preisen ist nur ein Teil des Gesamtbildes. Solarenergie lohnt vielfach wieder. Gerade wegen der gefallenen Preise tun sich neue Chancen für deutsche Unternehmen auf.

Zoneiland Almer – die Solaranlage mit angeschlossenen Wohnhäusern (Niederlande), Foto: Vattenfall

Für Claus Wattendrup lohnt sich ein genauer Blick: Die marktwirtschaftliche Situation der Hersteller sei die eine Seite, die Chancen des gesamten Energiesektors die andere. „In Deutschland wird der Niedergang der Hersteller oftmals mit der Erzeugung von Solarstrom in einen Topf geworfen. Zum Vergleich: In der IT-Industrie haben wir eine ähnliche Situation. PCs, Tablets und Mobiltelefone werden heute ebenfalls nicht mehr in Deutschland hergestellt. Niemand bezweifelt aber, dass IT und Digitalisierung die Grundlage für viele Bereiche unserer Wirtschaft darstellt. Es ist also eine ganz andere Frage, ob die Gewinnung von Solarenergie sinnvoll ist. Und hier hat sich in den letzten Jahren immens viel getan.“

Die Preise für Solarenergie fallen dramatisch

Die Preise für Solarmodule sind in den letzten Jahren weltweit kontinuierlich gefallen. Heute ist Solarstrom in vielen Ländern sogar günstiger als Windenergie. „Jahr für Jahr sind die Preise stärker gefallen als prognostiziert – und alles deutet darauf hin, dass sie weiter sinken. Im Jahr 2016 wurden weltweit Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von über 70 Gigawatt gebaut. Das ist mehr als bei jeder anderen Erzeugungstechnologie. Auch für Deutschland erwarte ich in Zukunft wieder stärkeres Wachstum.“

Potenziale für Photovoltaik nutzen

Wie also nutzt man am besten diese Potenziale? „Wie fast alle anderen Energieversorger auch sind wir spät dran. Ehrlich gesagt haben wir Photovoltaik anfangs nicht ernst genommen. Hier hat es jedoch eine Kehrtwende gegeben. Heute planen wir Solarparks in allen Ländern, in denen wir aktiv sind. Da wir in den letzten Jahren viele Windparks entwickelt und gebaut haben, haben wir beim Thema Photovoltaik eine gute Grundlage und können Synergien nutzen“, sagt Wattendrup.

Im Park Cynog (Wales) nutzen Solar- und Windanlagen einen Netzanschluss gemeinsamen, Foto: Vattenfall

Synergien lassen sich nutzen, wenn Photovoltaikanlagen an Standorten installiert werden, wo sich bereits Windparks oder Kraftwerke befinden. Dadurch werden zwei Energieerzeugungsarten an einem Standort in einem „Hybridkraftwerk“ kombiniert. Dabei liegt der Fokus zunächst auf der gemeinsamen Nutzung des Netzanschlusses. Ein weiterer Vorteil: Man bekommt ein „glatteres“ Einspeiseprofil. Sonne und Wind ergänzen sich daher gut. „Im letzten Jahr haben wir ein erstes Solar-/Wind-Hybridkraftwerk in Wales installiert, weitere Projekte entstehen derzeit in den Niederlanden. Dort haben wir auch gerade die Zusage erhalten, an zwei Kraftwerksstandorten Solarparks zu installieren. Für diese Projekte planen wir, unseren Kunden eine Beteiligungsmöglichkeit über ein Crowdfunding anzubieten.“

Privat oder Gewerbe – verschiedene Geschäftsmodelle für Solaranlagen

Solarpaneele auf Hausdächern, Foto: Vattenfall

Zu Zeiten des Booms in Deutschland wurden viele Aufdachanlagen mit einer sehr hohen Einspeisevergütung installiert. Dieses Geschäftsmodell hat sich stark gewandelt. Heute installieren viele Unternehmen und Privatkunden Solaranlagen, um von dem günstigen eigenerzeugten Sonnenstrom zu profitieren.

Claus Wattendrup: „Gewerbekunden bieten wir die Möglichkeit, eine Solaranlage bei uns zu pachten. Wir übernehmen dabei die gesamte Abwicklung, von der Installation bis zum Betrieb. Der Kunde hat den Vorteil, dass er keine Anfangsinvestition stemmen muss und Stromkosten spart. Diese Art der dezentralen Stromerzeugung wird in den nächsten Jahren stark wachsen. Zudem ist Sonnenenergie die ideale Ergänzung für die prognostizierte Zunahme von Elektro-Mobilität oder für verbesserte Speichertechnologien.“

Solar-Kompetenzen ergänzen

Solaranlage HafenCity Hamburg, Foto: Vattenfall

Vattenfall richtet sich mit seinen eigenen Kompetenzen konsequent auf die neuen Geschäftsmodelle aus. „Das Know-how, das man für die Realisierung von Freiflächenanlagen braucht, ist ähnlich gelagert wie im Bereich Onshore Wind. Bei dem Ausbau von kleineren, dezentralen Anlagen haben wir zwar bereits Kompetenzen, wollen uns aber auch hier noch verstärken und zusätzliche Fachleute am Markt holen. Es mag sein,“ so das Fazit von Claus Wattendrup, „dass das Bild der Solarenergie in Deutschland sehr von den jüngsten Insolvenzen der Solarpanel-Hersteller geprägt ist. Tatsache ist aber, dass bei den weiterhin stark sinkenden Kosten große Potenziale für eine günstige und saubere Stromerzeugung bestehen. Das sind gute Aussichten für weiteres Wachstum.“

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Links

Pressemitteilung: Vattenfalls größter Onshore-Windpark dreht erstmals auf größter Leistung

Webseite Windpark Pen y Cymoedd (in englischer Sprache)

Pen y Cymoedd aus der Vogelsperspektive:

Ausblick auf die Preisentwicklung bei Solar (in Englisch):
Solar Power Will Kill Coal Faster Than You Think – Bloomberg New Energy Finance’s outlook shows renewables will be cheaper almost everywhere in just a few yearsk

Bloombergs New Energy Outlook:
Kosten für Energie aus Wind und Sonne sinken weiter (in Englisch)

Claus Wattendrup
Experte
7. Juli 2017

Bei Vattenfall leite ich das europaweite Solar- und Batteriegeschäft. Mit meinen Teams bauen und betreiben wir Solarparks und Batterien in mehreren Ländern. Außerdem bieten wir Kunden innovative Produkte zur umweltfreundlichen Stromversorgung an. Es ist sehr spannend, diesen neuen Geschäftsbereich von Vattenfall aufzubauen. Was mir dabei hilft, sind meine vorherigen Erfahrungen als Unternehmensberater und Gründer zweier Unternehmen.

  • Rene Weck

    Klingt gut, aber warum macht ihr an der Pfählung des Windrades welche Unterwasser ist nicht an den Seiten einfach Wasserturbinen oder Wasserrad ran welche sich in ebe und flut immer drehen und die vorhandene Kabelinfrastruktur zur Stromübertragung mit nutzt. So kann auch gleichmässiger Strom gewonnen werden. Die Pfählung ist doch eh da, also nutzt das doch einfach, das bringt einen riesen finanziellen Gewinn. Mega Ertrag bei fast keinen Installationskosten.Als Möglichkeit für den Anfang wäre da z.b. die Aqualibre Stromboje mit 70kw Leistung um das nur als Anfangsprojekt vorzuschlagen.Natürlich besteht immer die Möglichkeit 1 bis 2 Unterwasserturbinen in der Strömungsrichtung anzubringen und so die Gezeiten zu nutzen. Mit der Aqualibre wären aber schon alle Gutachten da z.B. wegen Treibgut und Fischschutz es soll ja nichts geschreddert werden. Also kauft die Firma auf und macht was draus.

  • Rene Weck

    Alternativ kann ja auch ein Ring an der Pfählung angebracht werden wo die Wasserturbinen an der Strömung ausgerichtet werden können. Ist ja beim Windrad identisch.Ein Kombikraftwerk aus Wind und Wasserenergie macht doch Sinn.

    • Claus Wattendrup

      Hallo Herr Weck, wir schauen uns das immer wieder an, aber derzeit sind die entsprechenden Lösungen noch sehr teuer und eher Forschungsprojekte als kommerzielle Angebote. Beste Grüße, Claus Wattendrup

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