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Get Nord 2016: Stand der Wärme Hamburg
Experte
21. November 2016
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Trends auf der GET Nord: Digitalisierung in der Wärmeversorgung

Die GET Nord in Hamburg - vom 17. bis 19. November 2016 - ist die einzige gemeinsame Fachmesse für Elektro, Sanitär, Heizung und Klima im Norden. Zu dem größten Branchentreff kamen über 500 nationale und internationale Aussteller. Die Vattenfall Wärme Hamburg präsentierte sich mit einem eigenen Stand, um Kontakte zu pflegen und Trends aufzunehmen. Eines der diskutierten Themen: Die Digitalisierung in der Wärmewirtschaft – zum Beispiel mit intelligenten Zählertechnologien.
GetNord 2016, Hamburg Messe, Foto: Nicolas Maack

Get Nord 2016, Hamburg Messe, Foto: Nicolas Maack

Fast scheint es: Alle Jahre wieder! Alle zwei Jahre treffen sich alle, die in den Branchen Elektrotechnik, Sanitär, Heizung und Klima einen Namen haben. Die Aussteller präsentierten nicht nur ein breit gefächertes Angebot an Produkten, Systemen und Dienstleistungen, sondern auch Trends und Innovationen von morgen. Wer also nach neuen Impulsen sucht und dabei die entscheidenden Kontakte knüpfen will, ist hier richtig.

Oliver Kober, Leiter Übergabestationen bei der Wärme Hamburg, kommt von seinem ausgiebigen Messerundgang zurück. Sein Eindruck:
„In vielen Gesprächen geht es um Konzepte für die technische Haus- und Gebäudeausstattung – Smart Home, Smart Meter sind nur einige der Stichworte. Außerdem geht es weiterhin um Verknüpfungen mit erneuerbaren Energien: Solarthermie, Biogasanlagen und Brennstoffzellentechnik. Die Frage, welche Ideen und Technologien in Zukunft für unser Geschäft prägend sein werden, bewegt auch uns.“ Sein Fazit: „Das Thema Smart, also der Trend zur Digitalisierung aller Bereiche der Gebäudetechnik, macht auch vor der Fernwärmeversorgung nicht Halt.“

Anlagen werden intelligent

Stand der Wärme Hamburg auf der Get Nord 2016, Foto: Vattenfall

Stand der Wärme Hamburg auf der Get Nord 2016, Foto: Vattenfall

Die kabellose Vernetzung von Stationen bedeutet konkret: Energiesparende Funkmodule im batteriebetriebenen Wärmezähler nutzen die Energie der dort verbauten Batterie und können Daten im Abstand weniger Sekunden senden – und das über viele Jahre hinweg. Diese hohen Übertragungsraten waren vor wenigen Jahren noch nicht realisierbar. Dadurch entsteht jetzt die Möglichkeit, Anlagen- und Verbrauchszustände in Echtzeit zu visualisieren. Außerdem lässt sich die Übergabestation aus der Ferne bedienen, weil alle Messstellen und der Wärmezähler über Funk verbunden sind.

Die Vorteile sind vielfältig

Wenn man auf der Messe die Schlagworte Digitalisierung, smart, intelligent usw. hört, könnte man den Eindruck gewinnen, dass alles was digitalisierbar ist, auch digitalisiert wird. Aber bringt der Fernzugriff auf die Zähler an den Übergabestationen auch echte Vorteile?

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Detail der Übergabestation auf dem Stand der Wärme Hamburg, Foto: Vattenfall

Wenn in der Wohnung intelligente Regler am Heizkörper über das Smartphone angesteuert werden können, so wird sich das Verbrauchsverhalten zu einer Art „Heat on Demand“ verändern. Dies wird in naher Zukunft auch Auswirkungen auf die Steuerung der Wärmemengen an der Übergabestation im Heizungskeller haben. Hinzu kommt: Wenn der Kunde seinen Verbrauch analysieren möchte, werden die ihm bisher in der Rechnung genannten monatlichen Stichtagsverbräuche nicht mehr ausreichen, da sie nur eine rückwirkende Betrachtung zulassen. Der Blick auf den Energieverbrauch geht also weg von der Vergangenheit hin zur Gegenwart und in die Zukunft. Ob der Nutzer sich täglich mit der smarten Technik beschäftigen will, wird sich zeigen. Komfort entsteht meines Erachtens erst dann, wenn die Technik bzw. der Versorger ihm das abnimmt. Hier entsteht ein völlig neues Anforderungsprofil für uns.

Get Nord 2016: Fernwärmeübergabestation auf dem Stand der Wärme Hamburg, Foto: Vattenfall

Get Nord 2016: Fernwärmeübergabestation auf dem Stand der Wärme Hamburg, Foto: Vattenfall

Aber auch wir als Versorger haben Vorteile durch die neue Technik: Wir können das Kundenverhalten genauer erfassen und unser Wärmenetz genauer an die Verbräuche anpassen und zum Beispiel Pumpenenergie einsparen.

Auch bei einer Fehlersuche können wir dann sehr viel schneller sein. Es muss nicht erst ein Monteur zur Wohnanlage fahren und im Keller die Übergabestation untersuchen. Die Störungsursache kann der Kollege an der Störungsannahme in Zukunft direkt beim Anruf des Kunden am Bildschirm verfolgen und vielleicht schon korrigieren. Damit können wir dem Fernwärmekunden schlicht mehr Service anbieten.“

Hohe Anforderungen

Oliver Kober stellt aber auch klar: „Bei allen Vorteilen: Sicherheit ist für uns ein großes Thema; das steht an erster Stelle. Die flächendeckende Einführung von Smart-Metern im Stromnetz ab 2017 wird nicht nur eine große Dynamik in den Markt bringen, sondern Sicherheitsstandards etablieren, die ebenso die Wärmeversorgung beeinflussen werden. Aber natürlich soll die Digitalisierung das Leben auch für die Wohnungsunternehmen einfacher machen. Denn Nutzerfreundlichkeit und einfache Installation werden mehr und mehr als selbstverständlich vorausgesetzt.“  

Und die Herausforderungen?

„Bei allen Veränderungen müssen wir die Kosten im Blick behalten. So müssen wir zum einen genau prüfen, was der Kunde wirklich möchte und zum anderen, was unsere Arbeit effizienter macht. Derzeit gibt es noch viele konkurrierende Systeme am Markt und es ist noch nicht absehbar, welche Systeme sich am Ende durchsetzen werden. Wir bleiben aber am Ball und werden auch weiterhin die neuesten Techniken auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen. An der Funk-Übertragungstechnik wird wohl grundsätzlich kein Weg vorbei gehen.“

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Get Nord 2016
Vattenfall Wärme Hamburg

Oliver Kober
Experte
21. November 2016

Seit 2006 leite ich den Bereich Übergabestationen bei der Wärme Hamburg. Mit meinen Kollegen kümmere ich mich um u.a. um Betrieb, Inbetriebnahme und Wartung von Fernwärme-Übergabestationen, um die Wärmemessung und -ablesung – aber auch um Zukunftsthemen wie Optimierung und Digitalisierung.

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