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Tuomo Hatakka, Deutschland-Chef von Vattenfall
Experte
20. März 2017
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Auf Energiewende ausgerichtet

Neben der Energiewende treiben Energieversorgungsunternehmen Schlagworte wie Klimaneutralität, Elektromobilität oder Digitalisierung um. Viele Herausforderungen gilt es seit mehreren Jahren anzunehmen. Wie Wandel und Wachstum gelingen können, berichtet Tuomo Hatakka, Deutschlandchef von Vattenfall im Interview.

Vattenfall ist seit mehreren Jahren dabei, sich neu aufzustellen, umzubauen und für die Energiewende fit zu machen. Als Chef von Vattenfall in Deutschland erzählt Tuomo Hatakka wie das Unternehmen seine Zukunft gestaltet.

Weg von Kernenergie und Kohlekraft hin zu erneuerbaren Energien. Wie sieht Vattenfalls Zukunft aus?

Tuomo Hatakka: Wir wollen unsere Erzeugung CO2-frei gestalten. Wir hatten bis vor kurzem noch einen CO2-Ausstoß von 84 Millionen Tonnen. Durch den Verkauf der Braunkohlesparte in der Lausitz an tschechische Investoren sind es jetzt nur noch 24 Millionen Tonnen. Auch diese wollen wir schrittweise reduzieren, um bis 2050 CO2-frei zu werden.

Wie wollen Sie die Klimaneutralität erreichen?

Um in Berlin und Hamburg eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen, ersetzen wir beispielsweise in Berlin Steinkohle durch Gas. Zusätzlich werden wir den Anteil von erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung mit modernen Power-to-Heat Anlagen erhöhen und das Potential der industriellen Abwärme besser nutzen. Dazu investieren wir allein in Berlin in den kommenden fünf Jahren rund zwei Milliarden Euro. Mehr als eine Milliarde Euro fließt dabei in neue klimaschonende Erzeugungsanlagen und den Ausbau der Fernwärme. Die Hälfte davon ist für die Fertigstellung des Kraftwerks Lichterfelde und den Bau des neuen Gaskraftwerks Marzahn eingeplant. Weitere Investitionen sind für den Ausbau des Fernwärmenetzes und für Power-to-Heat-Anlagen vorgesehen. Auch in das Berliner Stromnetz investieren wir mehr als vor einiger Zeit kalkuliert.

Gleichzeitig will Vattenfall auch wachsen. Was sind die Ziele?

In Deutschland wollen wir im Bereich Wärme mit unserem Kundenstamm in den nächsten Jahren um 25 Prozent wachsen. Von derzeit 1,7 Millionen auf über zwei Millionen Kunden. Dort gibt es auch ein riesiges Potenzial, Wind- und Sonnenstrom aus dem Umland in den Metropolen Hamburg und Berlin zu speichern. Wir werden weiter im Endkundengeschäft wachsen, mehr dezentrale Lösungen anbieten und sehr konsequent unser Windgeschäft ausbauen. 

Das Unternehmen fit zu machen bedeutet nicht nur Investitionen zu tätigen. Auch die Anforderungen an die Belegschaft ändern sich. Damit geht oft auch ein Personalabbau einher.

Es geht darum, unsere Zukunft zu gestalten. Wir müssen Wachstumschancen identifizieren, nutzen und gleichzeitig in allen Bereichen unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Wir haben bereits in den Jahren 2009 und 2010 vor der politisch geforderten Energiewende mit dem Umbau und der Konsolidierung angefangen.

Im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern haben wir auch schon damals begonnen, das Personal an den Zukunftsplan anzupassen. Aktuell haben wir zwei laufende Umstrukturierungsprozesse. Den Kundenservice bauen wir bereits seit rund fünf Jahren um und derzeit schauen wir uns konzernweite administrative Prozesse in den Bereichen Personal und Finanzen an. Dort könnten etwa 200 von unseren rund 7.000 Stellen in Deutschland in den nächsten Jahren betroffen sein.

Gleichzeitig stellen wir aber auch Personal ein. Die Digitalisierung unseres Strom- und Fernwärme-Netzes ist für uns ein unverzichtbarer Prozess. Hierfür benötigen wir Experten. Europaweit stellen wir 130 neue Mitarbeiter in den kommenden zwölf Monaten im Windenergiebereich ein, in dem bereits heute 700 Menschen arbeiten. Zudem suchen wir gezielt nach Ingenieuren, die dezentrale Energielösungen entwickeln. Die Entwicklung hört ja bei Photovoltaik-Anlagen und der Windkraft nicht auf.

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Seit 2009 bin ich bei Vattenfall und leite dort den Bereich Media Relations & Editorial in Deutschland. In der Zwischenzeit haben sich die Marktbedingungen erheblich verändert. Das war und ist eine Herausforderung für die Branche und für Vattenfall - und macht meinen Job jeden Tag aufs Neue herausfordernd und spannend zugleich. Es macht wirklich Freude diesen Wandel begleiten und auch ein Stück mitgestalten zu dürfen. Mit solchen Umbrüchen konnte ich in meinen vorherigen Positionen als Leiter der Kommunikationsabteilungen bei Fujitsu Siemens Computers und Nokia Siemens Network oder BenQ Mobile Erfahrungen sammeln. Berlin ist nicht nur Zentrum meines beruflichen Alltags, auch privat schätze ich die Möglichkeiten der pulsierenden Hauptstadt insbesondere in Kombination mit der wunderbaren Natur im Umland.