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22. April 2016
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Vattenfall verkauft Braunkohlesparte – die Woche danach

Vattenfall verkauft seine Braunkohlesparte in der Lausitz an die tschechische EPH-Gruppe und ihren Finanzpartner PPF. Das teilten die Vertragspartner am Montag, 18. April 2016, mit. Wie ist diese Nachricht im Unternehmen, bei den Betriebsräten und in der Politik aufgenommen worden? Was ist dazu im Laufe der Woche passiert? Ein Rückblick.

Stockholm, 18. April, 16 Uhr – Pressekonferenz

Pressekonferenz zum Verkauf der Braunkohlesparte am 18.4.2016 in Stockholm. Foto: Vattenfall

Pressekonferenz zum Verkauf der Braunkohlesparte am 18.4.2016 in Stockholm. Foto: Vattenfall

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Lars G. Nordström, Vattenfalls Präsident und CEO Magnus Hall, und CFO Ingrid Bonde treten vor die Presse und verkünden die Übernahme von Vattenfalls Braunkohlesparte durch das tschechische Konsortium EPH/PPF: „Wir haben heute ein wichtiges Geschäft für Vattenfall unterzeichnet. Der Verkauf der Braunkohlesparte ist hinsichtlich unserer Strategie sowie den aktuellen und zu erwartenden Marktbedingungen richtig. Wir verstärken damit unsere Fokussierung auf eine nachhaltige Energieerzeugung. Unsere Erzeugung wird nach dem Verkauf mehr als 75 Prozent erneuerbar oder CO2 -arm sein. Heute sind es etwa 50 Prozent“, sagt Magnus Hall.

Auch die Käufer, die tschechische Energiegesellschaft EPH und die Investmentgesellschaft PPF Investments, äußerten sich am Montag: „Wir wollen das Braunkohlegeschäft zuverlässig, effizient und im Sinne seiner Angestellten führen und dabei die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Interessen der Region berücksichtigen“, sagt Jan Špringl, Mitglied im EPH-Vorstand.

Cottbus, 19. April – erste Stimmen

Tagebau und Kraftwerk Jänschwalde. Foto: Vattenfall

Tagebau und Kraftwerk Jänschwalde. Foto: Vattenfall

Die Mitarbeiter der Braunkohlesparte von Vattenfall haben laut dem Betriebsrat „durchweg positiv“ auf die Übernahme reagiert. Für Rüdiger Siebers, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Vattenfall Europe Mining AG, sei der Schritt „die beste Lösung“. „Dass es keine leichten Zeiten werden, das ist uns vollkommen klar“, sagte Siebers, mit Blick auf die kommenden Jahre. Kritikern des Verkaufs, die unter anderem die Seriosität des neuen tschechischen Eigentümers in Frage stellten, hielt er entgegen: „Einen Pferdefuß hat dieser Deal nun wirklich nicht.“

Auch die Brandenburger Landesregierung begrüßte die Entscheidung, erinnerte aber auch an die Notwendigkeit, die langfristigen Rahmenbedingungen für die Braunkohle in Deutschland abzusichern. So erwartete Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) „ein deutliches, auch öffentliches Bekenntnis zur Braunkohleverstromung in Deutschland.“ Die Entscheidung Vattenfalls zum Verkauf der Braunkohlesparte nannte er „eine gute Nachricht für die ganze Lausitz, weil vom Bergbau auch viele Dienstleister und Zulieferer abhängen.“

Kraftwerk Jänschwalde mit Windrad. Foto: Vattenfall

Kraftwerk Jänschwalde mit Windrad. Foto: Vattenfall

Mit Blick auf die Zeit zwischen dem Bekanntwerden der Verkaufsabsicht und der Entscheidung sagte der Lausitzer SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Aufsichtsrat der Mining und Generation, Alfons Freese: „Die Hängepartie um die Braunkohlesparte von Vattenfall hat endlich ein Ende.“ Auch seiner Auffassung nach sei der neue Eigentümer bereit, die Braunkohle möglichst langfristig zu nutzen.

Potsdam, 20. April – erstes Kennenlernen

Bereits zwei Tage nach der Verkaufsentscheidung haben sich die Wirtschaftsminister von Brandenburg und Sachsen mit Vertretern von EPH/PPF zu ersten Gesprächen getroffen. „Dabei geht es um ein erstes Kennenlernen“, sagte Brandenburgs Ressortchef Albrecht Gerber (SPD) in Potsdam. „Es werden noch viele Gespräche folgen“, so Gerber. Die schnelle Möglichkeit eines direkten Gespräches mit den neuen Eigentümern werte er als positives Zeichen für die kommende Zusammenarbeit.

Cottbuser Ostsee. Fotomontage: Vattenfall

Cottbuser Ostsee. Fotomontage: Vattenfall

Unterdessen forderte der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) den neuen Eigentümer auf, auch mit den Lausitzer Kommunen Kontakt aufzunehmen. Dabei sollen Perspektiven in und für die Region erörtert und die gegenseitigen Vorstellungen bekannt gemacht werden. Cottbus gehe davon aus, dass mit der Übernahme aller Vereinbarungen und Verpflichtungen durch EPH auch die Umgestaltung des ehemaligen Tagebaus Cottbus-Nord zum Cottbuser Ostsee planmäßig weitergehen kann.

Cottbus, 22. April 2016 – Betriebsversammlung

In der Betriebsversammlung am 22. April 2016 in der Cottbuser Vattenfall-Hauptverwaltung zeigte sich nach Ansicht des Betriebsrates, dass die Vattenfall-Beschäftigten in der Lausitz dem Wechsel zum neuen Eigentümer optimistisch entgegensehen. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) betonte, dass es für die Lausitzer Vattenfall-Beschäftigten, ihre Familien und Zulieferer wichtig ist, wieder mehr Klarheit zu haben. EPH habe alle betrieblichen und tarifvertraglichen Verpflichtungen übernommen.

Pressemitteilung „Vattenfall vor dem Verkauf der Braunkohlesparte“ vom 18.04.2016

Webcast von der Pressekonferenz am 18.04.2016 

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