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Henok, Araya, Frederik Tychsen und David
Experte
3. April 2017
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Vom Geflüchteten zum Radsporttrainer

Seit 2015 lebt Araya in Hamburg. Er hat eine lange Reise hinter sich. Fast zwei Jahre dauerte die Flucht von Eritrea nach Deutschland. Zurückgelassen hat er Familie, Freunde und sein Rennrad. Inzwischen hat er über das Vattenfall Projekt Cycle2gether die Möglichkeit bekommen, wieder zu trainieren und sogar selber als Radsporttrainer zu arbeiten.

Araya mit Radteam in Eritrea

Staub und Hitze. Eritrea, der Staat im nordöstlichen Afrika, leidet an einer Dürre. Dass hier Radsport so populär wie in Deutschland der Fußball ist, mag verwundern. Aber die eritreischen Radsportprofis Daniel Teklehaimanot und Mekseb Debesay zeigen, wie es geht. Sie trainieren hart und trotzen dabei den Wetterbedingungen mit einem unbändigen Willen. Sie sind die Vorbilder für alle Nachwuchsfahrer. Einer der Nachwuchsfahrer ist Araya.

Ein langer Weg

Der 22-jährige Rennradfahrer hat einen langen Weg hinter sich gebracht, zu Fuß. Die Flucht dauerte fast zwei Jahre – über Äthiopien, den Sudan und Libyen. Die Strecke ist unvorstellbar lang. Araya musste viel entbehren bis er zusammen mit vielen anderen Geflüchteten in einem Schlauchboot saß. Die Bilder hat jeder vor Augen und wie so eine Überfahrt enden kann auch. Zum Glück wurde Araya und die anderen im Mittelmeer von der italienischen Küstenwache aufgenommen.

Er hat vieles in seiner Heimat zurückgelassen – seine Eltern, Familie, Freunde und sein Rennrad. Direkt nach dem Abitur ist Araya damals in ein eritreisches Profi-Radsportteam aufgenommen worden. Radfahren ist seine Begabung und seine Leidenschaft. Er wollte seinen Helden nacheifern. Und er suchte nach einer Möglichkeit, aus Eritrea ausreisen zu können, um dem Regime und dem Jahrzehnte andauernden Militärdienst zu entfliehen.

Asmara – Hauptstadt von Eritrea, Foto: robnaw / fotolia

Er lebte fast 100 Kilometer von der Hauptstadt Asmara entfernt, in der das Training stattfand. Um also am Training teilnehmen zu können, musste er diese Distanz auch bei sengender Hitze bewältigen. Auch die geographischen Bedingungen waren eine Herausforderung. Asmara liegt auf einer Höhe von 2.300 Metern am Rand des Hochplateaus, das bis zum Roten Meer steil abfällt.

Training im Schnee

Seit 2015 ist Araya nun in Hamburg. Und es ist viel passiert: Angekommen in der Hansestadt, hatte er nach über zwei Jahren wieder den sehnlichen Wunsch, auf einem Rennrad zu sitzen. „Ich habe von dem Vattenfall Projekt Cycle2gether gehört und das hier auch Geflüchteten die Chance gegeben wird, sich über den Radsport zu integrieren und gemeinsam mit anderen zu trainieren“, so Araya.

Araya vor dem Training, Foto: Vattenfall

Trotz der fehlenden Deutschkenntnisse wusste der hochmotivierte Sportler sich zu helfen. Seit inzwischen 1,5 Jahren fährt Araya nun mindestens zweimal die Woche zusammen mit anderen Geflüchteten auf dem Rennrad durch Hamburg. Radsporttrainer Frederik Tychsen: „Es hat sich eine feste Gruppe gebildet, hier sind auch einige Jugendliche aus Eritrea, die sich hier gefunden haben und die ein wirklich gutes Leistungsniveau haben. Araya ist mit Abstand an der Spitze und das obwohl er so lange nicht auf dem Fahrrad saß.“

Auch sonst sind die Trainingsvoraussetzungen anders als in Afrika, erklärt Araya: „In Deutschland ist es oft kalt und ich muss mich entsprechend kleiden. Das kenne ich aus meiner Heimat nicht. Außerdem sind die Harburger Berge das Hügeligste, was Hamburg zu bieten hat. Da bin ich etwas andere Anstiege gewohnt.“ Eines war für Araya ein besonderes Ereignis: „Ich bin vor einigen Wochen zum allerersten Mal im Schnee Fahrrad gefahren, das habe ich noch nie vorher erlebt.“

Große Veränderungen

Auch in seinem persönlichen Umfeld hat sich viel getan. „Vor acht Monaten ist mein Sohn Nael auf die Welt gekommen“, berichtet Araya schüchtern. Die erste Zeit musste die kleine Familie auf engstem Raum in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Niendorf leben. Doch dank der Hilfe aus dem deutschen Radsport-Umfeld hat sich Anfang diesen Jahres ihr Leben entscheidend verändert. „Meine Frau und ich haben seit Februar eine Wohnung. Das ist eine große Erleichterung für uns“, freut sich Araya.

Minijob als Radsporttrainer

Und auch beruflich kommt Araya seinem Traum sehr nahe: Seit ein paar Wochen hat er einen Minijob als Radsporttrainer im Vattenfall Projekt Cycle2gether erhalten.

Araja in Hamburg, Foto: Vattenfall

Beim Projekt Cycle2gether fährt ein Radsportmobil, ausgestattet mit Rädern und Equipment, an Hamburger Schulen und auch zu Integrationsklassen, um durch Sport Kinder und Jugendliche miteinander zu verbinden. Araya hilft beim Rad-Check und begleitet die Jugendlichen bei Ausfahrten mit dem Rad. Dabei ist er „sehr zuverlässig und hilfsbereit“, sagt Trainer und Projektleiter Frederik Tychsen. „Er ist eine große Unterstützung in dem Projekt und den anderen Geflüchteten ein Vorbild. Sie sehen, wie weit man es bringen kann und das nicht nur im Radsport.“

„Es hat sich so viel getan in meinem Leben in den letzten 1,5 Jahren. Ich bin sehr dankbar für alles. Die eigene Wohnung und jetzt auch der Minijob als Radsporttrainer bedeuten mir so viel. Vielleicht bekomme ich noch einen Ausbildungsplatz als Zweiradmechaniker oder etwas anderes Technisches, das wäre noch ein großer Traum“, sagt Araya lächelnd und radelt davon.

Links

Das Projekt Cycle2gether

Vattenfalls Flüchtlingshilfe in Hamburg

Weiterführendes im Blog

Frederik Tychsen
Experte
3. April 2017

Meine Passion ist der Triathlon, da gehört das Radfahren natürlich mit dazu. Deshalb nutze ich jede freie Minute, um auf das Rad zu steigen. Meine Leidenschaft habe ich vor 10 Jahren zum Beruf gemacht. Als lizensierter Triathlon-Trainer und Landestrainer Nachwuchs beim Hamburger Triathlon Verband, habe ich als langjähriger Trainer und Projektleiter des Schulsportprojektes „Radsport a Hamburger Schulen“, die Verbindung aus Sport und Jugendförderung vereint. So betreue ich neben anderen Projekten auch Cycle2gether. Mit einem Radsportmobil fahren wir an Schulen, um die Kids beim sicheren Radfahren zu unterstützen. Neben praktischen und theoretischen Tipps gibt es jede Menge Spaß rund ums Rad.

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