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Experte
16. September 2015
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Wasserlose Talsperre in Hohenwarte

Am Wasserkraftstandort Hohenwarte ist diesen Sommer nichts so wie sonst. Wo normalerweise das Wasser der Speicherbecken in der Sonne glitzert, herrscht jetzt reges Treiben und Baufahrzeuge rattern durch das leere Becken. Das Ober- und Unterbecken des Pumpspeicherwerkes Hohenwarte II wird saniert.

Eine wasserlose Talsperre ist ein seltener Anblick. „Das hatten wir am Unterbecken zuletzt vor neun Jahren“, sagt Betriebsleiter Thomas Beyer. Mitte Juni haben die Arbeiten in Hohenwarte begonnen. Bis in den Herbst liegen die Becken trocken, die Arbeiten sind seit langem geplant.

Umfassende Arbeiten für künftigen Betrieb

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Blick ins leere Oberbecken Hohenwarte II vom Erddamm Richtung Einlaufbauwerk, Foto: Vattenfall

„Die Lehmdichtung des Erddammes am Oberbecken wird saniert, sie hat 50 Jahre ihren Dienst getan. Geosynthetische Tondichtmatten ersetzen die alte Dichtung. Das sichert die Gebrauchsfähigkeit für die nächsten Jahrzehnte“, erläutert Beyer. Allein diese Einzelmaßnahme kostet 2,5 Millionen Euro.

Neue Strömungstechnik macht Anlage effizienter

Der Dichtungsbau am Oberbecken ist nur einer von drei Bauabschnitten. Um den zukünftigen Kraftwerkseinsatz noch effizienter zu gestalten, wird auch am Einlaufbauwerk gearbeitet. „Hier verbessern wir die Strömungsverhältnisse am Einlauf zu den acht Rohrbahnen, um künftig 200.000 Kubikmeter Wasser mehr durch die Turbinen führen zu können. Damit vergrößert sich das Arbeitsvermögen der Anlage“, so Beyer.

70 Einsatzjahre zeigen Spuren am Unterbecken

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So sieht die Anlage in Einsatz aus, Foto: Vattenfall

Damit nicht genug. Auch das Unterbecken führt zurzeit nur die Wassermenge, die zum Schutz für Fauna und Flora mindestens an die Saale abgegeben werden muss. Die 5,2 Millionen Kubikmeter Wasser des Beckens sind abgelassen. „Der Beton der gesamten Hochwasserentlastungsanlage muss nach siebzig Jahren Standzeit saniert werden“, sagt Beyer. Mit der Zeit haben sich Oberflächenrisse gebildet und abgeplatzte Teilflächen sind sichtbar. Bei dieser Gelegenheit werden alle sonst unter Wasser liegenden Bauteile überprüft und bei Bedarf erneuert. „Wenn einmal das Wasser raus ist, muss man die Gunst der Stunde nutzen. Natürlich können wir aufgrund der Arbeiten keinen Strom produzieren. Deshalb laufen auch in den Kraftwerken Hohenwarte I und II Wartungsarbeiten.“

Bauaktivität lockt Besucher an

Etwa neun Millionen Euro nimmt Vattenfall in die Hand, um die Wasserkraftwerke sicher und fit für die nächsten Jahre zu machen. Und dass, obwohl von politischer als auch von wirtschaftlicher Seite her die Anlage unter Druck steht. Den seltenen Anblick wollen sich viele Politiker und Medienvertreter nicht entgehen lassen und so erläutern Beyer und seine Kollegen immer wieder die Bauaktivitäten.

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Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund im Gespräch mit Peter Apel, Vice President of Hydro Power Plants Germany, Foto: Vattenfall

Auch Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund machte Anfang August Station an der Talsperre und informierte sich dabei über die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Pumpspeicher in Deutschland. „Energiespeicher sind ein zentraler Baustein der Energiewende und wichtig, um die benötigte Flexibilität unserer Stromversorgung sicherzustellen“, betonte die Grünen-Politikerin. „Pumpspeicherkraftwerke sind nach wie vor eine der kostengünstigsten Speichertechnologien und sind daher energie- wie wirtschaftspolitisch von hoher Bedeutung. Thüringen leistet mit einem Anteil von über einem Drittel der deutschlandweit installierten Pumpspeicherkapazität einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit.“ Die Bundesregierung sei bei der Ausrichtung des zukünftigen Strommarktdesigns in der Pflicht, die Rahmenbedingungen für Energiespeicher wie Pumpspeicherkraftwerke zu verbessern, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen. „Die doppelte finanzielle Belastung dieser Speichertechnologie mit Netzentgelten ist nicht verursachergerecht und daher zu überdenken“, so Siegesmund.

Neue Bewertung willkommen

Grafik: Vattenfall, Quelle: ENTSO-E, EEX

Die Tageslastkurve zeigt die Möglichkeiten des Einsatzes von Pumpsspeicherwerken, Grafik: Vattenfall, Quelle: ENTSO-E, EEX

Thomas Schubert, im Projekt für die Kommunikation zuständig, kennt die Diskussion und freut sich über die Unterstützung seitens der Umweltministerin. „Das ist keine Selbstverständlichkeit für uns. Die Energiewende ist bei uns voll angekommen. Schon mit dem derzeitigen Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien werden wesentlich höhere Anforderungen an die Flexibilität der Anlagen gestellt. Die Kollegen vom Betrieb sehen diese Situation im täglichen Anlageneinsatz. Wir nehmen viel Geld in die Hand, damit unsere Pumpspeicherwerke auch in den kommenden Jahrzehnten zur Sicherheit und Stabilität der Stromversorgung in bewährter Weise beitragen. Allerdings muss die Politik die Speicherung von elektrischer Energie nunmehr auch als Notwendigkeit anerkennen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Stromspeicher wirtschaftlich arbeiten können.“

Derweil fließt die Saale in ihrem alten Bett. Doch schon bald soll alles vorbei sein und die beiden Becken wieder Wasser führen. Bis dahin herrscht noch reges Treiben.

 

Weitere Infos zu unseren Pumpspeicherwerken finden Sie in folgenden Beiträgen: „Wie funktioniert ein Pumpspeicherwerk?“, „Pumpspeicherwerke – Baustein für sichere Versorgung und Stabilität“,„Netzentgelte: Pumpspeichern droht das Aus“.

 

Thomas Schubert
Experte
16. September 2015

Nicht erst seit der Energiewende fasziniert mich die Wasserkraft. Schon mein Berufsleben begann 1984 im Pumpspeicherwerk Hohenwarte. Später dann der Wechsel zur Öffentlichkeitsarbeit ins PSW Goldisthal, das sich gerade in Bau befand. Dabei ergänzten sich meine Arbeit und das Studium der Literatur- und Politikwissenschaft an der Universität Hagen. Seit Sommer 2015 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit für alle Vattenfall-Wasserkraftwerke in Deutschland. Elf Wasserkraftwerke in vier Bundesländern und die Saalekaskade als größtes zusammenhängendes Stausystem Deutschlands ergeben eine spannende Themenvielfalt.

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