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Experte
2. Oktober 2015
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Wie Ausbildung und Familie zusammen funktionieren

Viele junge Frauen sind zu Beginn ihrer Ausbildung 18 Jahre und älter, Kinderwunsch und Lehrzeit können sich dabei durchaus überschneiden. Lässt sich denn beides überhaupt kombinieren? Zwei junge Mütter und Vattenfall-Azubis, berichten über ihre Erfahrungen.

Katharina Ewert ist 26, ihr Sohn Paul 1 Jahr alt. Die junge Mutter ist angehende Industriekauffrau. Für sie ist alles eine Sache der Einstellung. Sie war bereits vor Ausbildungsbeginn schwanger und hat zunächst überlegt, ob sie zu diesem Zeitpunkt eine Ausbildung starten soll: „Ich habe mir vorgestellt, hochschwanger in der Berufsschule zu sitzen; ein Albtraum!“ erinnert sie sich. „Dazu kam dann noch die Angst, möglicherweise in der Probezeit gekündigt zu werden.“

Ausbilderin unterstützt, Mitazubis sind skeptisch

Katharina Ewert Arbeitsplatz Training

Katarina Ewert an ihrem Arbeitsplatz bei Vattenfall, Foto: Vattenfall

Doch Katharina nahm allen Mut zusammen und sprach die Ausbilderin an. „Sie reagierte äußerst verständnisvoll. Das hat mir wirklich geholfen und plötzlich sah ich gar kein Problem mehr darin, Ausbildung und Familie unter einen Hut zu bringen.“ Einige Azubis seien skeptisch gewesen. Besonders die Jüngeren konnten sich schwer in die Situation reinversetzen und bezweifelten, dass man ein Wochenende auch ohne nächtlichen Partyspaß genießen kann.

Glückliche und geschockte Eltern

Ein bisschen anders war die Situation bei Madeline Remstedt. Sie ist Mutter der zweijährigen Marlene, hatte bereits eine Ausbildung als Elektronikerin für Betriebstechnik abgeschlossen. Als sie schwanger wurde, war sie mitten im dualen Studium bei Vattenfall: „Ich hatte zu Beginn ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Arbeitgeber. Doch meine Kollegen haben sich liebevoll um mich gekümmert und auch an der Hochschule fand ich bei meiner Professorin und den Kommilitonen ein offenes Ohr.“

Besorgt reagierten vor allem ihre Eltern: „Sie waren glücklich und geschockt zugleich, da sie Angst hatten, ich würde mein Studium abbrechen oder käme mit der neuen Situation nicht klar. Ich konnte sie aber davon überzeugen, dass es keine fixe Idee von uns war und dass wir fest entschlossen waren, eine Familie zu gründen. Heute können sie sich eine Welt ohne ihre Enkelin Marlene gar nicht mehr vorstellen“, freut sie sich.

Ständig in Bereitschaft

Natürlich gab es viele Herausforderungen. „Manchmal ist es schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. In den ersten Monaten habe ich mich nachts oft um Paul gekümmert und war dadurch tagsüber extrem müde“, erzählt Katharina. Eine Umstellung sei es auch, kaum Zeit für sich zu haben. Ständig sei sie in Bereitschaft.

„Bei mir klingelt der Wecker um 5:30 Uhr. Dann stehe ich auf und mache Paul für die Tagesmutter fertig, ich bringe ihn hin, fahre zur Arbeit, hole ihn am Nachmittag wieder ab, koche Essen, beschäftige mich mit dem Kleinen, bringe ihn ins Bett, lerne für die Ausbildung, mache den Haushalt. Und dann heißt es durchatmen, tief Luft holen und müde ins Bett fallen. Dabei teile ich mir mit meinem Mann natürlich die abendlichen Aufgaben.“

Der Alltag als Herausforderung

Madeline Remstedt Arbeitsplatz Labor Schutztechnik

Madeline Remstedt im Labor der Schutztechnik beim Netzservice, Foto: Vattenfall

An Ruhephasen ist auch bei Madeline kaum zu denken. Ihre größte Herausforderung ist es nach wie vor, das Soll in der Uni zu schaffen und sich die Zeit zum Lernen freizuschaufeln. „Es gibt einfach keine richtigen Pausen mehr, von früh bis spät bin ich aktiv“, sagt sie.

„Wenn mein Freund die Kleine zur Betreuung bringt, startet mein Tag um 7 Uhr. Uni ist meist von 8 bis 15:40 Uhr. Dann hole ich Marlene ab, erledige zwischendurch den Haushalt und beschäftige mich mit ihr, bis ich sie um 20 Uhr ins Bett bringe. Danach sitze ich am Schreibtisch und lerne.“

Mühen lohnen sich

Die Studentin freut sich schon aufs nächste Jahr: „Ab 2016 wird alles übersichtlicher, denn ich schreibe gerade meine Bachelor Thesis und bin im Januar mit meinem Studium fertig.“ Manches Mal sei es zwar komplizierter als sie sich das vorgestellt habe. „Doch wenn ich Zeit mit Marlene verbringe, denke ich nicht an die Mühen und vielen Herausforderungen, sondern genieße die Zeit mit ihr. Wenn man die Dinge positiv sieht und dieses auch ausstrahlt, kommt man gut durch den Tag und hat es einfach leichter“, sagt Madeline.
„Das Gute ist, das man so viel Liebe von seinem Kind zurückbekommt; das baut mich auf, gibt mir Kraft und motiviert mich“, lächelt auch Katharina glücklich.

Weitere Infos zum Thema finden sich hier:

www.ausbildung.info

Broschüre Elternschaft und Ausbildung des Bundesministeriums für Familie

Monitor Familienforschung Ausgabe 29 der Bundesministeriums für Familie

www.ssoar.info

Michael Schallwig
Experte
2. Oktober 2015

Als Diplom-Ingenieur startete ich 1989 meinen beruflichen Werdegang bei den Hamburgischen Elektrizitäts-Werken im Geschäftsbereich Fernwärme. Hier habe ich als Betriebs- und Serviceleiter in verschieden Positionen gearbeitet. Seit sieben Jahren bin ich im Bereich Personal und dort für die Berufsausbildung von Vattenfall in der Region Hamburg verantwortlich.

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