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Das Montieren der Straßenlampen auf dem Rathausmarkt
Experte
21. Oktober 2016
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Wie in Hamburg das Licht anging

Nur wenige Jahre nachdem 1882 die erste elektrische Straßenlaterne den Hamburger Rathausmarkt erleuchtete, regelte schon die erste Ampel den Verkehr – auch wenn es noch kaum Autos gab. Und so zog die Elektrizität in die Haushalte der Hanseaten ein. Heute ist der Strom aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Wir schreiben das Jahr 1880: Dies gilt als Geburtsstunde für die elektrische Beleuchtung in Hamburg. Denn auf der Gartenbauaustellung an der Moorweide wurde es zum ersten Mal hell. Ein großes Spektakel, über das jeder Hamburger sprach. Keine zwei Jahre später wird der Rathausmarkt dann mit Lichtbogenlampen beleuchtet. Diese 16 Lampen wurden am 8. Dezember 1882 in Betrieb genommen. So konnten sich die Hamburger selber vom Licht-Wunder überzeugen.

1988: Erstes Elektrizitätswerk in der Poststraße, Foto: Vattenfall

1888: Erstes Elektrizitätswerk in der Poststraße, Foto: Vattenfall

Die Zeit schreitet voran und schließlich nimmt 1888 Hamburgs erstes städtisches Elektrizitätswerk, damals „Centrale“ genannt, seinen Betrieb auf. Untergebracht in einer ehemaligen Stadtwassermühle in der Poststraße direkt in der Innenstadt. Hier wurden fortan täglich zehn Stunden lang Strom geliefert, von 13 bis 23 Uhr. Dann wurde es wieder dunkel in der Stadt.

Kein Aprilscherz

Am 15. März 1894 war es soweit, acht renommierte Hamburger Persönlichkeiten aus Banken, Handelshäusern und Reedereien gründeten eine Aktiengesellschaft: die Hamburgischen Electricitäts-Werke AG.

Kurz darauf folgte der Eintrag ins Handelsregister. Das Grundkapital betrug sechs Millionen Mark. Davon zeichnet die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, vormals Schuckert & Co. fast 85 Prozent. Zum ersten Direktor der HEW wurde der Ingenieur Max Rupprecht bestellt. Am 1. April 1894 nehmen die Hamburgischen Electricitäts-Werke ihre Geschäftstätigkeit auf.

Die Nachfrage steigt

1896: Die Schaltwarte des Kraftwerks Karoline, Foto: Vattenfall

1896: Die Schaltwarte des Kraftwerks Karoline, Foto: Vattenfall

Die Menschen gewöhnen sich schnell an den neu gewonnenen Luxus. Die stark expandierende Wirtschaft verlangt eine rasche Elektrifizierung Hamburgs. Industrie-, Handels- und Handwerksbetriebe wollen mit elektrischen Strom versorgt werden. Und so steigt die Nachfrage nach elektrischem Strom massiv. Der steigende Bedarf kann von der HEW kaum gedeckt werden. 1896 wird deshalb eine zweite „Centrale“ errichtet. Das Kraftwerk Karoline wird auf dem Gelände einer ehemaligen Zollvereinsanlage, in der Karolinenstraße, erbaut. Zwei weitere folgen: das Kraftwerk Barmbek und Bille. Um die Jahrhundertwende versorgen also vier Kraftwerke die Hansestadt. Zwischen diesen besteht ein Verbundsystem mit sieben Unterstationen. Hier wird der Strom transformiert oder in Akkumulatoren gespeichert.

Im Rathaus wird’s warm

1894: Fernwärmeverteilung im Hamburger Rathaus, Foto: Vattenfall

1894: Fernwärmeverteilung im Hamburger Rathaus, Foto: Vattenfall

Nach elfjähriger Bauzeit erhalten die Hamburger endlich ihr Rathaus. 1897 wird es eingeweiht. Aber schon drei Jahre vor der Eröffnung gibt es eine Besonderheit: Über eine 300 Meter lange Dampfrohrleitung vom Kraftwerk Poststraße wird das Rathaus mit Fernwärme versorgt. Somit war das Rathaus der erste Fernwärmekunden der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG.

Platzmangel am Pferdemarkt

Aber nicht nur Kraftwerke werden gebaut. Auch die Belegschaft der HEW braucht eine Unterkunft: ein Verwaltungsgebäude muss her. Nach eineinhalbjähriger Bauzeit entstehen 1905 am Pferdemarkt, heutiger Gerhard-Hauptmann-Platz, die neuen Büroräume. Nach gut 20 Jahren muss wegen erheblichem Platzmangel angebaut werden. So wird ein weiteres Verwaltungsgebäude am Pferdemarkt errichtet, welches in der Folgezeit immer weiter ausgebaut wurde. Und nicht nur der Platz wird aufgestockt: HEW-Aktien werden an der Börse zugelassen. 1914 beteiligt sich der Staat mit zunächst 50 Prozent an dem Unternehmen. Ein Konzessionsvertrag legt das Versorgungsgebiet fest. Ein paar Jahre später gründet die HEW gemeinsam mit der Firma Rudolf Otto Meyer die „Fernheizwerk Hamburg GmbH“. Damit beginnt die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung.

Vier Schornsteine und ein Logo

1917: Das Kraftwerk Tiefstack mit seinen vier Schornsteinen, Foto: Vattenfall

1917: Das Kraftwerk Tiefstack mit seinen vier Schornsteinen, Foto: Vattenfall

Im Jahr 1917 wird es dann Zeit für das erste Großkraftwerk der HEW. Ausgestattet mit zwei Dampf-Turbo-Aggregaten von je zehn Megawatt Leistung nimmt das Kohlekraftwerk seinen Betrieb auf. Zu diesem Anlass entwirft die HEW ein neues Logo, angelehnt an die Silhouette des Kraftwerks mit den markanten vier Schornsteinen. Zwei Jahre danach folgt das Kraftwerk Neuhof. Betrieben von einem Dieselmotor mit 15.000 PS als „Schnellstartreserve“ gilt es als das weltweit größte seiner Art und soll das Spitzenlastproblem lösen.

Kaum Autos aber eine Ampel

Was mit dem Hamburger Rathaus begann, entwickelt sich schnell und so besitzt die Hansestadt bereits Ende der 1920er-Jahre das größte Fernwärmenetz Europas. Und auch was unweit vom Rathaus startete, ist nicht mehr aufzuhalten: Die erste Straßenbeleuchtung am Rathausmarkt war der Auftakt zu einer rasanten Ausweitung der öffentlichen Beleuchtung. Bereits 1922 wird die erste Verkehrsampel auf dem Stephansplatz aufgestellt. Und das zu einer Zeit als noch nicht einmal 2.500 Hamburger über ein Auto verfügten.  Aber auch das ändert sich schnell und so wird auch die HEW immer mobiler.

1928: Erster Kundendienstwagen Hanomag, Foto: Vattenfall

1928: Erster Kundendienstwagen Hanomag, Foto: Vattenfall

Neben den ersten Elektrofahrzeugen sieht man immer mehr Kundendienst- und Störungsfahrzeuge auf den Straßen. Aber nicht nur die Cyklonette, der Hanomag oder DKW-Störungswagen sind auf dem Vormarsch. Auch auf dem Wasser, ist die HEW mit eigener Motorbarkasse unterwegs. Alles unter dem Motto: „Schnelle Störungsbeseitigung fordert Mobilität“.

Nachwuchs benötigt

Zwei Jahre vor Beginn des 2. Weltkriegs werden mit dem Groß-Hamburg-Gesetz umfangreiche Gebietsaustausche zwischen Preußen und Hamburg wirksam. Damit verdoppelt sich das HEW-Versorgungsgebiet nahezu, da die Städte Altona, Harburg und Wandsbek nun ebenfalls zu Hamburg gehören. Um diesem Ansturm an neuen Kunden gewachsen zu sein, beschließt die HEW selber Fachkräfte zu qualifizieren. 1942 wird mit der gewerblichen Ausbildung begonnen und das mit einer eigenen Lehrwerkstatt im Kraftwerk Karoline.

Wenn der HEW-Mann dreimal klingelt

Direkt nach der Zählerablesung wurde die Stromrechnung kassiert, Foto: Vattenfall

Direkt nach der Zählerablesung wurde die Stromrechnung kassiert, Foto: Vattenfall

Mit diesen mobilen Gerätschaften kommt auch einmal im Monat der „HEW-Mann“ zum Strom Ablesen in jeden Haushalt. Die Rechnung wird direkt vor Ort bezahlt. Aber der „Einkassierer“ hat auch etwas dabei: Informationen über Geräte wie Elektroherde oder Heißwasserbereiter sind erste Schritte zur Absatzförderung von Elektrogeräten durch Werbung. Erst 1956 wird ein monatliches Teilzahlungsverfahren mit jährlicher Abrechnung eingeführt.


 

Eine Zeitreise durch die Geschichte der Elektrifizierung

Keine Angst vor dem Elektroherd

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Unternehmensgeschichte Vattenfall

Max Rupprecht
Experte
21. Oktober 2016

Am 1. April 1894 haben die Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen und ich wurde zum ersten Direktor bestellt. Als Ingenieur übernahm ich vor allem die Verantwortung für die Technik und den Aufbau für die Elektrizitätsversorgung in Hamburg. Für diese Position bin ich aus meiner Heimat Bayern in die Hansestadt umgesiedelt.

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