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Die Power-to-Heat-Anlage in Berlin-Buch
Experte
24. Februar 2017
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Wo Strom zu Wärme wird

Kraftwerksstandort Buch ist Leuchtturm für nachhaltige Wärmeerzeugung: Seit 112 Jahren wird in Berlin-Buch Fernwärme erzeugt. Und je älter der Standort an der Schwanebecker Chaussee wird, desto zukunftsweisender wird er: In den nächsten Monaten geht auf dem Gelände eine Power-to-Heat-Anlage in Betrieb. Sie wandelt Strom aus erneuerbaren Energien in Wärme um, die in großen Wärmespeichern verfügbar gehalten wird.

Gunther Müller (li.) und Sören Benn in der Anlage Berlin-Buch, Foto: Kathleen Friedrich

Pankows Bürgermeister Sören Benn schaute gemeinsam mit Gunther Müller, Vorstandschef der Vattenfall Wärme Berlin, schon mal hinter die Kulissen. Der kalte Wind, der kräftig über das Gelände blies, war zwar nicht angenehm, passte aber zum Thema. Denn die  Power-to-Heat-Anlage kommt genau dann zum Einsatz, wenn zu viel Strom im Netz ist, der aus erneuerbaren Energien wie Wind erzeugt wird. Und das passiert mit dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren immer öfter.  „Wir nehmen diesen überschüssigen Strom ab und wandeln ihn mittels Power-to-Heat-Anlage in Kombination mit Kraft-Wärme-Kopplung in Wärme um und stabilisieren damit das Stromnetz“, so Projektleiter und Anlagenverantwortlicher Andreas Heuer.

Strom heizt Wasser

Das Prinzip erklärt er so: „Die Anlage  funktioniert wie ein riesiger Tauchsieder. Das heißt, Strom heizt Wasser.“ Die Leistung der Power-to-Heat-Anlage beträgt fünf Megawatt. Das entspricht der Leistung von 2.500 handelsüblichen Wasserkochern. In zwei Wärmespeichern, die auch auf dem Gelände des Heizkraftwerkes Buch stehen, kann das bis zu 95 Grad heiße Wasser gespeichert werden. Diese Wasserspeicher – einst Tanks für schweres Heizöl – sind riesig. In jeden passen zwei Millionen Liter heißes Wasser, soviel wie in 25.000 gefüllte Badewannen. Außerdem werden in diesem Prozess fossile Brennstoffe – in Buch ist das Erdgas – eingespart, die sonst für die Wärmeerzeugung zum Einsatz kommen.

Meilenstein für Wärmewende

Wärmechef Gunther Müller, der viele Wärme-Projekte in der Stadt zu verantworten hat, sieht in Buch einen besonderen „Leuchtturm der Energiewende“.  Vor drei Jahren, so erzählt er, war er in dem Heizkraftwerk im Norden der Stadt, um eine hocheffiziente Gas- und Dampfturbinenanlage in Betrieb zu nehmen. Sichtlich stolz fügt er hinzu: „Jetzt setzen wir mit der Power-to-Heat-Anlage erneut einen wichtigen Meilenstein für eine erfolgreiche Wärme- und damit Energiewende in Berlin. Dafür haben wir rund 1,6 Millionen Euro investiert.“ Die Anlage soll in Betrieb gehen, wenn der Übertragungsnetzbetreiber das „Go“ gibt.

Buch wächst, Fernwärme auch

Gunther Müller und Sören Benn vor einem Wärmespeicher der Power to Heat-Anlage, Foto: Kathleen Friedrich

Die im Heizkraftwerk Buch produzierte Fernwärme versorgt über ein 25 Kilometer langes lokales Wärmenetz  etwa 10.000 Wohnungen und  rund 50 Firmen, darunter die Helios Klinik und den Campus Buch. „Wir haben noch ausreichend Kapazitäten und Potential auch für die geplanten neuen  Wohnstandorte. Niemand muss befürchten, in seiner neuen Wohnung im Kalten zu sitzen“, so Gunther Müller, der unbedingt noch erwähnen möchte, dass die in Buch produzierte Fernwärme einen zertifizierten Primärfaktor von 0,29 hat. „Wir sind damit für die Zukunft sehr gut aufgestellt.“ Apropos aufgestellt. Die Vattenfall Wärme Berlin hat sich die Power-to-Heat-Anlage von Bildhauer Rudolf J. Kaltenbach, der seine Ateliers in der ehemaligen Maschinenhalle des Heizkraftwerkes Buch hat, sogar in Stein meißeln lassen. „Das steinerne Kunstwerk wird im neuen Domizil der Vattenfall Wärme Berlin in der Sellerstraße im Eingangsbereich seinen Platz finden“, freut sich der Wärme-Chef.

Power-to-Heat im Wachsen

Die Power-to-Heat-Anlage in Buch ist die zweite in den lokalen Wärmenetzen des Unternehmens. Die erste ging 2013 im Fernheizwerk Neukölln in Betrieb und arbeitet seither erfolgreich. Eine weitere ist in Spandau geplant. Die Anlage soll  2019 mit einer Leistung von 100 MW (ausreichend für 30.000 Haushalte) starten.

Gunther Müller
Experte
24. Februar 2017

Seit rund 30 Jahren dreht sich in meinem Berufsleben alles um Energie. Als Chef der Vattenfall Wärme Berlin möchte ich die lokale Wärmewende als wichtigen Teil der Energiewende voranbringen. Eine große Herausforderung, die wir gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, anderen Unternehmen und Akteuren in den Quartieren stemmen werden. Als ausgebildeter Betriebswirt habe ich dabei ein besonderes Auge auf die Balance von Ökologie und Ökonomie als Basis für eine nachhaltige Energieversorgung.

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