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20160212_Gespraech_Gabriel_Bedrich_Quelle_BMWI-e1437736168221 | Gespräch zwischen Gabriel und Bedrich
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24. Juli 2015
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Zu Besuch bei Genosse Sigmar

Marco Bedrich war zu Besuch bei Sigmar Gabriel. Bei dem knapp einstündigen Gespräch ging es um die Zukunft der Braunkohlenaktivitäten in der Lausitz und somit um die Arbeitsplätze.

Gespräch im Bundeswirtschaftsministerium zwischen Sigmar Gabriel und Marco Bedrich

Aufregende Zeiten für Marco Bedrich. Dank dem „Bericht aus Berlin“  vom 24. Mai ist er wohl der bekannteste Azubi der Lausitz. Obwohl: Man muss sagen ‚Er war es‘, denn inzwischen hat der 22-Jährige seine Prüfung bestanden und arbeitet als Elektroniker für Betriebstechnik im Kraftwerk Jänschwalde. In der Fernsehsendung vom ARD-Hauptstadtstudio setzte sich Bedrich für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Lausitz ein. Genauso wie viele der Bergleute befürchtete er, dass die Pläne des Bundeswirtschaftsministers zur sogenannten Kohleabgabe seine berufliche Zukunft gefährden. Der Cottbusser appellierte an den Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu seiner zugesagten Unterstützung für die Braunkohlenregion zu stehen. Denn erst im Herbst 2013 hatte Gabriel seine Unterschrift bei der Aktion „Meine Stimme fürs Revier“ gegeben. Sigmar Gabriel bot darauf im zweiten Teil des Interviews in der Sendung an, sich mit Bedrich persönlich unterhalten zu wollen. Gesagt getan. Am 23. Juli trafen sich beide im Bundeswirtschaftsministerium.

Wie war Ihr Eindruck von Sigmar Gabriel?

„Er war sehr gut drauf. Das Treffen ging 10 Minuten früher los, da er hinterher noch ein Telefonat führen musste. Er kam aus seinem Büro raus und hat mich begrüßt. Wir haben tatsächlich auch die Zeit ein wenig überschritten. Er wusste sogar, dass ich SPD-Mitglied bin und hat mir gleich das Du angeboten, die Atmosphäre war angenehm, es war echt in Ordnung.“

Und wie haben Sie Herrn Gabriel nun angesprochen? Auch mit ‚du‘ und ‚Genosse‘?

„Schwierig. Ich habe es meistens versucht zu vermeiden, einen Satz zu nutzen, indem ein ‚Du‘ oder ‚Sie‘ drin steckt. Das ‚Du‘ wäre, da es angeboten wurde, sicherlich in Ordnung gewesen, aber es ist auf jeden Fall etwas anderes, wenn man dann Sigmar Gabriel duzt. Im Kopf hat man dann schon das ‚Sie‘. Darum habe ich das gekonnt umgangen.“

Ist Sigmar Gabriel auf Ihren Appell aus der Sendung eingegangen?

„Ja, das war unser Einstieg ins Gespräch. Das hat ihn wohl auch angeregt, mich einzuladen. Er hat mir erklärt, dass er seine grundlegende Haltung nicht geändert hat. Die Faktoren sind einfach andere geworden und er müsse die Politik der Koalition berücksichtigen. Als Wirtschaftsminister sei es seine Aufgabe, die CO2-Ersparnis einzubringen.

Sigmar Gabriel steht nach wie vor für die Arbeitsplätze. Er steht aber auch logischerweise für die Energiewende. Das ist ja auch nichts Schlechtes, man muss nur aufpassen, dass man in der Lausitz oder anderswo keine Strukturbrüche heraufbeschwört. Das ist so ungefähr die Zusammenfassung, was er dazu gesagt hat.“

Worüber haben Sie noch gesprochen? Hat sich Ihre Hoffnung, etwas für die Lausitz bewegen zu können, erfüllt?

„Ja, insofern, dass Herr Gabriel auf alle Fälle weiß, wie wichtig die Braunkohle für die Lausitz ist und dass von ihr unsere Arbeitsplätze abhängen. Er ist nicht gewillt, diese Arbeitsplätze zu zerstören. Er hat signalisiert, dass man bis 2050 ungefähr, also noch die nächsten dreißig Jahre, die Braunkohle energiepolitisch wohl noch brauchen wird.

Überraschend war für mich dabei, dass er wirklich sieht, dass die Braunkohle eine Zukunft hat, obwohl das in den Medien oft anders dargestellt wird. Und natürlich auch mit dem Baake-Papier anders rübergekommen ist.

Wir haben auch darüber gesprochen wie wichtig es sei, weitere Industrie anzusiedeln, ohne damit die Ausstiegsdebatte aus der Braunkohle anzufeuern. Man müsse zukunftsgewandt schauen, dass man andere Industrie in die Region bekommt. Wie das geht, weiß Sigmar Gabriel allerdings noch nicht. Wir haben dann überlegt, was sich eignen könnte.“

Wie steht es um Ihre Sorge, keine berufliche Zukunft in der Lausitz zu haben?

„Ich habe gemischte Gefühle. Ich weiß, dass Sigmar Gabriel verstanden hat, worum es uns geht. Nun ist er nicht der einzige, der da oben etwas zu entscheiden hat. Es kann immer wieder jemand auf die Idee kommen, die Braunkohle abschaffen zu wollen. So ganz raus ist man da nicht. Wird man aber auch nie sein. Somit wird der Zustand wohl längerfristig so bleiben.“

Marco Bedrich
Experte
24. Juli 2015

2012 habe ich im Anschluss an mein Abitur eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik im Kraftwerk Jänschwalde angefangen und im Juni erfolgreich vorzeitig beendet. Seit Anfang an ließen mich die Themen Gewerkschaft und Mitbestimmung nicht los. So bin ich heute Vorsitzender der Konzern-Jugend- und Auszubildendenvertretung, aktiv in der IG BCE unterwegs, und politisch interessiert und involviert. Mein Heimathafen ist und bleibt das Kraftwerk Jänschwalde in dem ich auch unbefristet übernommen wurde.

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